Sahara-Hitze in Ravensburg: So überstehen Sie die Rekordtemperaturen

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Das kühle Naß bietet bei Hitze noch mehr Spaß: So auch im Ravensburger Flappach Bad.
Das kühle Naß bietet bei Hitze noch mehr Spaß: So auch im Ravensburger Flappach Bad. (Foto: Archiv Felix Kästle)
Hannah Bucher

Wetterexperten erwarten im Landkreis Ravensburg Rekordtemperaturen um die 40 Grad. Besonders in den Innenstädten soll es heiß werden. Damit wären es die bislang höchsten Junitemperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Die „Schwäbische Zeitung“ hat mit Fachleuten gesprochen um herauszufinden, wie man die Hitzewelle unbeschadet übersteht.

Dr. Günther Wiedemann, Chefarzt der Oberschwabenklinik für Innere Medizin und Mitglied der Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer, warnt vor allem ältere und chronisch kranke Menschen vor der Hitze der kommenden Tage. Menschen, die regelmäßig Tabletten zu sich nehmen rät er, mit dem Arzt zu besprechen, ob die Tablettendosis wegen der hohen Temperaturen angepasst werden muss. Da die Blutgefäße im Winter und Sommer unterschiedlich reagieren, könne es bei falscher Dosierung sonst zu einem Schock kommen. Besonders gefährdet seien Patienten, die Blutdruckmedikamente oder Antidepressiva nehmen.

„Wichtig ist vor allem, viel zu trinken“, sagt Wiedemann. Der Arzt empfiehlt mindestens zwei Liter am Tag. Entscheidend sei, auch zu trinken, wenn man nicht durstig ist. „Am besten man nimmt sich eine bestimmte Menge vor oder erstellt einen Trinkplan“, so Wiedemann. Wer viel schwitze, verliere viel Salz, dies müsse dem Körper über Getränke zurückgeführt werden: „Leitungswasser kann die fehlenden Mineralien nicht ausgleichen. Deshalb sollte man Mineralwasser, Saft, kalten Tee oder auch kalte Suppe trinken.“

Eine besondere Erkältungsfalle im Sommer ist die Zugluft, so der Arzt. „Man ist auch im Sommer nicht vor einer Grippeerkrankung sicher. Deshalb sollte man Zugluft vermeiden“, sagt Wiedemann.

Sich zu bewegen sei auch bei Hitze wichtig, rät der Arzt. „Sport und Bewegung ist auch im Sommer möglich“, so Wiedemann. Dabei komme es besonders auf den richtigen Zeitpunkt an. „Man sollte die Zeit am frühen Morgen oder die Abendstunden nutzen“, erklärt Wiedemann. Die Mittagshitze solle man hingegen meiden. Außerdem empfiehlt der Arzt schnelles Gehen, statt zu joggen.

Wer das Haus verlässt, solle vorwiegend luftige, locker sitzende und helle Kleidung tragen, so der Arzt. Außerdem sei es ratsam zu einer Kopfbedeckung zu greifen und sich mit Sonnenschutz einzucremen. „Schwindel oder Krämpfe sind erste Warnschüsse“, sagt Wiedemann.

Um sich abzukühlen empfiehlt der Chefarzt nasse Erfrischungen, wie eine kalte Dusche. „Man sollte lauwarm beginnen und dann kälter werden“, rät er.

Doch nicht nur älteren Menschen macht die Hitze zu schaffen. Laut der Hilfsorganisation Johanniter können auch jüngere Menschen einen Hitzekollaps erleiden. Wichtig sei an heißen Tagen auf alkoholische Getränke zu verzichten, da diese können den Kreislauf zusätzlich belasten können.

Um sich abzukühlen empfiehlt die Ravensburger Stadtverwaltung einen Besuch des Naturfreibades Flappach. Doch dass ein Sprung ins kühle Nass auch Gefahren birgt weiß Bäder-Betriebsleiterin Christine Leiprecht: „Damit man keinen Schock bekommt, wenn man ins Wasser geht, sollte man sich davor einmal kräftig kalt duschen.“ Auch das Essen sollte beim Badetag nicht vergessen werden. „Man sollte nicht mit leerem Magen schwimmen“, sagt Leiprecht. Zwar solle man nicht zu viel und schwer essen, eine leichte Fülle wäre jedoch ratsam, so Leiprecht. Die Bademeister des Flappachbades sind für die heißen Tage gerüstet. Sie haben Getränke und Kühlpacks bereitgestellt um Gäste mit Sonnenstich zu versorgen.

Doch bevor es zur Abkühlung ins Freibad geht, muss erst noch die Schulbank gedrückt werden. Um die Schüler nicht der Hitze auszusetzen wurden beim Bildungszentrum St. Konrad die Sporttage verschoben. „Wir haben den Sportunterricht im Freien abgesagt“, erzählt Gerd Hruza, Leiter des Bildungszentrum St. Konrad. Um den Unterricht in den Klassenzimmern möglichst angenehm zu gestalten dürfen die Schüler in kühlere Klassenzimmer umziehen. „Die mündlichen Prüfungen haben wir in klimatisierter Klassenzimmer oder in Klassenräume im Keller verlegt“, sagt der Leiter. Außerdem sei den Schülern das Trinken im Klassenzimmer zu jeder Zeit erlaubt. Ob es allerdings zu Unterrichtsausfällen wegen Hitzefrei kommt, kann Gerd Hruza noch nicht abschätzen: „Das entscheiden wir dann spontan.“ Eine generelle Regelung, ab wann es Hitzefrei für Schüler gibt, existierte nicht, so Hruza.

Auch im Auto ist man den Sommertemperaturen ausgesetzt. Oft vergisst man, dass man sich auch bei der Autofahrt einzucremen sollte. Der ADAC weißt daraufhin, dass Autoschreiben die Ultraviolett (UV)-Strahlung nicht abhalten. Zum Schutz könne man jedoch die hinteren Scheiben mit einer speziellen Sonnenschutzfolie bekleben. Diese filtert sowohl die UV-, als auch die Infrarot-Strahlung aus, die für die Hitze im Fahrzeug verantwortlich ist. Bei Kurzstrecken sei es sinnvoll auf die Klimaanlage zu verzichten und stattdessen die Fester zu öffnen. Auch bei langen Strecken rät der ADAC zuerst die Fenster zu öffnen, bevor die Klimaanlage einzuschalten wird. Außerdem sollte die Temperatur im Auto nicht zu stark herunter gekühlt werden, das es sonst zu Kreislaufproblemen kommen könnte. Laut ADAC sollte der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur nicht größer als sechs Grad sein.

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