Rutenfestkommission hat weiter Geldsorgen

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Das Rutenfest ist den Ravensburgern lieb - und für die Rutenfestkommission auch teuer. Im vergangenen Jahr endete das Fest für
Das Rutenfest ist den Ravensburgern lieb. (Foto: Archiv: Wynrich Zlomke)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Jetzt hat es die Rutenfestkommission schriftlich: Rutscht sie, wie immer wieder geschehen, bei der Finanzierung des Ravensburger Heimatfests in die roten Zahlen, garantiert die Stadt, ihr dieses Defizit auszugleichen. Die Kosten des Festes machen der Kommission dennoch weiter Sorgen.

Die Rutenfestkommission (RFK) veranstaltet das Ravensburger Heimatfest im Auftrag und im Namen der Stadt. Dennoch blieb sie in der Vergangenheit immer wieder auf Kosten sitzen, wenn die Einnahmen die Ausgaben überstiegen. Die neue Regelung, die die RFK mit Oberbürgermeister Daniel Rapp ausgehandelt haben, soll diesen Zustand beenden. Denn zu roten Zahlen kann es immer wieder kommen, sind die Festeinnahmen doch zu einem Drittel wetterabhängig.

Am Rutenfest wird viel Geld verdient. Das betrifft vielfach Gastronomen sowie schlaue Geschäftsleute, die in dieser Zeit ihre Auslagen mit allerhand blau-weißen Angeboten schmücken. Die Rutenfestkommission nimmt zwar über 900 000 Euro ein, doch nur dieser Betrag und der Zuschuss der Stadt (190 000 Euro) ermöglichen es, die Kosten zu decken. Immerhin: Das Fest im vergangenen Jahr schloss die RFK mit einer schwarzen Null ab.

Die Gründe für die dennoch stets angespannte Finanzsituation sind leicht zusammengefasst. Die Kosten steigen laufend, die Einnahmen aber bleiben konstant. Und im Hintergrund drücken dringend notwendige Investitionen, für die praktisch nie Geld da ist.

„Wir können an der Einnahmenseite nicht weiterdrehen“, sagt Kommissionschef Dieter Graf. Die Flasche Wein am Frohen Auftakt kostet 15 Euro, für die Schausteller ist dank der Pacht das Rutenfest das teuerste Volksfest Deutschlands und die Sicherheitsauflagen sind eben da. Und steigen ständig.

Je nach polizeilicher Gefahreneinschätzung werden die Sicherheitsanforderungen jährlich angepasst. Zum Beispiel müssen in diesem Jahr alle Veranstaltungen mit Betonpollern an den Eingängen gesichert werden, um Terroranschläge mittels Lastwagen zu verhindern. Die Gitterabsperrungen bei verschiedenen Veranstaltungen muss die RFK selbst bezahlen. Und die Ausgaben für private Sicherheitsdienste haben sich seit 2006 beinah verdoppelt.

Hinzu kommen einzelne Veranstaltungen, die Unsummen Geld schlucken. Beispiel: Blauer Platz. Allein für die Absperrungen, die Miete der Gitter, den Strom, die Beschallung, die Überdachung der Tribüne, die Reinigung und die Bewachung an Tag und Nacht bezahlt die Kommission an den fünf Festtagen rund 50 000 Euro. Dafür hat am „Platz der Jugend“ noch kein DJ Musik aufgelegt. Die sogenannten Konzerte im Käfig bezahlt die Stadt.

Den Ausgaben von 50 000 Euro am Blauen Platz stehen lediglich der städtische Zuschuss und die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf gegenüber. Überlegungen in der Kommission, den „Platz der Jugend“ abzuschaffen oder dort Eintritt zu verlangen, waren aber bisher innerhalb der RFK nicht mehrheitsfähig.

Bleibt das Problem der Investitionen. Die Festwagen sind teilweise 50 Jahre alt, die Sanierung der Untergestelle und Ausstattung mit zeitgemäßen Bremsen kostet über 10 000 Euro - pro Wagen. Geld fehlt auch für die Kostüme des Festzugs. Viele davon sind in schlechtem Zustand, zudem für die Kinder heute zu klein geworden. Braucht nur eine Gruppe 30 neue Hosen, sind dafür leicht 2500 Euro fällig. Ähnlich viel kostet ein historisches Erwachsenenkostüm. „Die Kostüme von einigen Gruppen müssten dringend komplett erneuert werden“, sagt Dieter Graf. Doch Geld dafür ist nicht da. Dafür müsste die Rutenfestkommission schon satte Gewinne machen.

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