Rund 6000 Besucher strömen ins Ravensburger Kunstmuseum

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Rund 6000 Besucher strömen ins Ravensburger Kunstmuseum (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung
Victoria Grenz

Einmal um die Kurve, bis hin zum Seiteneingang des Burgtheaters stehen die Besucher am Eröffnungswochenende des neuen Ravensburger Kunstmuseums. Der Eintritt ist frei, deshalb sind auch Besucher gekommen, die sich sonst nicht so sehr für Kunst interessieren. Doch vor allem die Neugier treibt die Menschen in die Burgstraße, und schon 15 Minuten vor Öffnung hat sich eine Schlange gebildet.

„Wir sind eigentlich keine Museumsgänger“, sagt Anton Heine aus Grünkraut. „Der erste Eindruck ist sehr positiv“, sagt er und freut sich darauf zu sehen, was Ravensburg jetzt zu bieten hat.

Nur 340 Besucher auf einmal

Die Besucher – ob kunstinteressiert oder nur neugierig – drängen sich in den drei Stockwerken des Museums. Je höher es geht, desto wärmer wird es. Zumindest gefühlt, denn das ausgeklügelte Passivhaus-Konzept hält die Temperatur konstant bei etwa 20 Grad. Aus diesem Grund dürfen sich auch nur maximal 340 Menschen auf einmal im Museum sein, sonst wird es zu warm. Und deshalb müssen die Besucher draußen etwa 30 Minuten anstehen. Eltern mit Kindern haben da mehr Glück, sie dürfen ein bisschen eher rein. „20 Minuten, eine Viertelstunde haben wir etwa gewartet“, sagt Anette Büngener, die sich mit ihren Kindern Nils und Nele die Kunstwerke anschaut. Dem sechsjährigen Nils gefällt besonders ein Bild mit Schiff. Seine wenige Monate alte Schwestern Nele findet laut ihrer Mutter ein Kunstwerk von Michael Nitsche toll, das sich Seelenfänger nennt. Die affenartigen Wesen mit den Reißzähnen haben es dem Säugling offenbar angetan.

Großen Gefallen finden auch viele an den Erklärungen Manne Luchas. Der Landtagsabgeordnete der Grünen macht eine Kurzführung zu den Bildern von Gabriele Münter. „Sie merken überhaupt nichts Horizontales“, sagt er und liest Zitate der Künstlerin und ihrer Kritiker vor. Im Hintergrund schimpft eine Frau: „Der liest ja alles nur ab.“ Lucha muss brüllen, damit er gegen das laute Stimmengewirr des buntgemischten Publikums und das Gewusel im Raum ankommt. Überall recken sich eifrig Arme in die Höhe, um dem Nachbar gerade entdeckte Details zu zeigen. Manche stehen hingegen gedankenverloren im Raum und betrachten die Kunst.

Reißender Absatz bei Jahreskarten

Innerhalb eines Tages hat das Museums-Team 100 Jahreskarten mehr verkauft. Stand Sonntagmittag: 500 Stück. Und die Nachfrage nimmt nicht ab. Auch Poster und der Ausstellungskatalog sind begehrt. Fast allen gefällt das neue Museum. Allen Geschmacksrichtungen kann es jedoch nicht gerecht werden. „Es sind Kleinigkeiten, die mich nicht so angesprochen haben, zum Beispiel die Grafiken“, sagt Waltraud Falkner aus Baienfurt. „Und dann hat es mir wieder extrem gut gefallen. Die Räumlichkeiten, das Gewölbe: sagenhaft“, ergänzt sie. Auch Museumsleiterin Nicole Fritz freut sich über das große Interesse der Ravensburger. „Wenn die auch alle wiederkommen“, sagt sie, „bin ich zufrieden.“

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