Ruhestand nach 28 Jahren Seelsorge in der Psychiatrie

 Pfarrer Hans-Dieter Schäfer geht in den Ruhestand.
Pfarrer Hans-Dieter Schäfer geht in den Ruhestand. (Foto: Joos)
Schwäbische.de

Klinik- und Gemeindepfarrer Hans-Dieter Schäfer wird am Sonntag, 29. Mai 2022, in Weissenau in den Ruhestand verabschiedet. Nach dem Gottesdienst um 10 Uhr in der Evangelischen Kirche steht um 11 Uhr eine musikalische Matinee auf dem Programm. Bei schönem Wetter sind die Besucher dazu in den Park vor der Kirche eingeladen.

28 Jahre Seelsorge in Psychiatrie und Gemeinde haben das Berufsleben des 65-jährigen Theologen sehr stark beeinflusst. Es ging sogar so weit, dass er 2016 über den „Krankenpädagogischen Religionsunterricht“ in Tübingen promovierte. Anlass dafür war Schäfers Erfahrung, dass zu dieser Thematik bundesweit keine wissenschaftlichen Unterlagen vorhanden waren. Das spornte den Theologen zur vertieften Recherche an, denn ein Schwerpunkt seiner Arbeit galt schon immer der Religionspädagogik.

Als Schäfer 1994 seine Arbeit als Seelsorger in Weissenau aufnahm, standen ihm alle Abteilungen offen. Als ein unbestelltes Feld präsentierte sich ihm dabei der Religionsunterricht für die Kinder, die während ihres Aufenthalts die Krankenhausschule besuchten. Als er von der Schulleitung ermutigt wurde, doch so etwas wie einen „Sinnunterricht“ für die jungen Patienten zu entwickeln, machte er sich ans Werk. Dabei stieß er mit seinem Vorhaben in der Einrichtung zunächst auf eine gewisse Zurückhaltung. Mit seinem offenen, einstündigen Angebot pro Woche ging er aber dann im Jahr 2000 an den Start – „und es hat funktioniert“, stellt er heute noch erfreut fest.

„Ich konnte hier in Weissenau sowohl meine religionspädagogische Arbeit wie auch die Seelsorge voll ausleben“, sagt Schäfer, der auf dem Gelände mit seiner Familie wohnte und dies mit voller Absicht. „Als Pfarrer will ich bei meiner Gemeinde sein und bin damit auch offen für Begegnung und seelsorgerliches Gespräch en passant.“ In Weissenau schätzte er als Mitglied im Ethikkomitee den wissenschaftlichen Austausch, der dort gefordert und gefördert wird, da die Klink auch Lehrkrankenhaus der Universität Ulm ist. Mehr als 20 Jahre lang war der Theologe auch Mitglied im Arbeitskreis Gedenktag für die Opfer der sogenannten Euthanasie. Jedes Jahr am 27. Januar wird ihrer mit Veranstaltungen und Glockenschlägen gedacht. 691 Opfer sind es insgesamt. „691 Glockenschläge, das geht mir immer noch unter die Haut“, sagt Schäfer.

Bei den Gottesdiensten auf den verschiedenen Stationen und Fachpflegeheimen sieht man den Pfarrer immer mit seiner Gitarre. „Sie war neben der Bibel mein wichtigstes Instrument“. Für sehr wichtig hielt er es aber auch, dass seine Gemeinde als eine inklusive Gemeinde wahrgenommen wurde. Für den Seelsorger gab es keine Trennung von Kirchengemeinde und ZfP.

Bevor Schäfer 1994 als Klinikpfarrer im ZfP mit Auftrag an der Kirchengemeinde Eschach nach Weissenau kam, hatte er sechs Jahre lang die Pfarrstelle in Wälde-Winterbach inne. Auch dies war eine Zeit, die er nicht missen möchte und in der sich auch seine junge Familie mit vier Kindern Kindern sehr wohl fühlte.

Von seinem Mentor, dem ehemaligen Ärztlichen Direktor des Psychiatrischen Landeskrankenhauses in Weissenau, Professor Günter Hole, habe er gelernt, das Leben stets positiv zu bewerten. So sieht er auch in seinem kurzen Intermezzo als Polizeipfarrer 2012 eine positive Erfahrung. Aber als er feststellte, dass er sich in diesem Amt auf Dauer nicht wohl fühlen würde, zog er sofort die Reißleine: Nach der Praktikumszeit verabschiedete er sich wieder, schrieb in Tübingen seine Dissertation und kehrte glücklich nach Weissenau zurück.

Jetzt geht es gemeinsam mit seiner Frauin. „Ich freue mich auf die neue Freiheit, wenn ich nicht mehr so viel planen und organisieren muss. Wir werden die weit verzweigte Familie und die Natur genießen und sicher unser Lieblingsferienland Frankreich besuchen. Auch die Arbeit im Stadtrat Ravensburg gilt es zu intensivieren.“

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