Rente erst mit 70? - Schwäbische.de-Leser reden Klartext

Altersvorsorge_Immer_74417839_2__62e9278bef290.jpg (Foto: Christin Klose/dpa)
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Deutsche Presse-Agentur

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, hat sich für eine schrittweise Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ausgesprochen. Ohne diese Anhebung sei das Rentensystem „mittelfristig nicht mehr finanzierbar“, sagt Wolf im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die Bevölkerungsstruktur in Deutschland werde sich in den kommenden Jahren stark verändern. Die Menschen in Deutschland werden immer älter. 2020 gab es 21,6 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland.

Diese Zahl dürfte in den nächsten Jahren weiter deutlich steigen, da die geburtenstarken Jahrgänge - die sogenannten Babyboomer - in Rente gehen. Angesichts dieses demografischen Wandels, der steigenden Lebenserwartung und den zunehmenden Belastungen der Sozial- und Rentenkassen seien die Reserven aufgebraucht, so Wolf.

Um eine Verschärfung der Altersarmut und einen Kollaps des Rentensystems zu verhindern, stimmt er deshalb für eine Erhöhung des Rentenalters auf 70 Jahre.

Koalitionsvertrag: Keine Anhebung des Rentenalters

Allerdings hatten sich die Ampel-Parteien im Koalitionsvertrag gegen eine Anhebung des Renteneintrittalters ausgesprochen. Für Geburtsjahrgänge ab 1964 liegt das Alter aktuell bei 67 Jahren.

Pascal Kober, Sprecher der FDP-Fraktion, plädiert stattdessen für eine gesetzliche Aktienrente und ein flexibles Rentenalter. „Jeder, der älter als 60 Jahre ist, sollte selbst entscheiden, wann er aus dem Erwerbsleben ausscheidet“, sagt Kober im Gespräch mit dem RND.

Als Vorbild könne, so Kober, das schwedische Rentensystem herangezogen werden, das sich mittels einer staatlichen Regelaltersrente, einer Betriebsrente vom Arbeitgeber und privaten Einsparungen finanziert.

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Rente erst ab 70: sinnvoll oder Unsinn?

Hier eine Auswahl an Antworten:

 Es macht heute keinen Sinn mehr, dass alle Arbeitsverträge grundsätzlich mit einem Geburtstag enden.

Ulrike W.: Dies ist für mich der goldene Weg: „Jeder, der älter als 60 Jahre ist, sollte selbst entscheiden, wann er aus dem Erwerbsleben ausscheidet.“ Es macht heute keinen Sinn mehr, dass alle Arbeitsverträge grundsätzlich mit einem Geburtstag enden. Viele, nicht alle (!), arbeiten gerne weiter und nutzen Erfahrungen und angesammeltes Können und Wissen weiter.

 Wir dürfen auf Kosten unserer Jugend nicht noch mehr Milliarden an Schulden hinterlassen und selber leben wie die Made im Speck.

Franz S.: Renteneintrittsalter mit 70 Jahren ganz sicher vernünftig. Entscheidung und Prüfung über vorzeitiges Renteneintrittsalter bezüglich Gesundheit und Arbeitsbelastung verschiedener schwerer Tätigkeiten sollte man den Berufsgenossenschaften zur Überprüfung übertragen. Bei dieser Institution wird korrekt und genau geprüft. Eine Behörde, die Respekt und Vertrauen verdient. Wir dürfen auf Kosten unserer Jugend nicht noch mehr Milliarden an Schulden hinterlassen und selber leben wie die Made im Speck.

 Es gibt viele Berufe, die mit 70 einfach nicht mehr wirklich zu machen sind.

Jürgen B.: 70 als Grundsatz ist Quatsch. Es gibt viele Berufe, die mit 70 einfach nicht mehr wirklich zu machen sind. Zudem sollte man zuerst das Renteneintrittsalter in der EU harmonisieren. Das gibt sonst richtig böses Blut. Wir als eines der größten Geberländer werden wohl kaum damit einverstanden sein, anderen bis zu acht Jahre früher die Rente mitzufinanzieren.

Komplizierte Probleme haben wohl selten einfache Lösungen.

Carsten G.: Dann gehen die, die noch arbeiten könnten (Manager, Ingenieure, Chefärzte, etc.) einfach trotzdem in Rente, wenn es Ihnen reicht, weil Sie es sich leisten können. Und die, die es sich nicht leisten können, stecken höchstwahrscheinlich auch noch in einem Beruf, den sie körperlich gar nicht mehr leisten können. In der Pauschalität wohl ein sinnloser Vorschlag, den auch nur jemand machen kann, dessen Job ab Schreibtisch stattfindet. Komplizierte Probleme haben wohl selten einfache Lösungen.

Job-Bewerber ab Mitte 50 werden bislang meist nicht mehr für die Besetzung von freien Stellen berücksichtigt.

Siegfried T.: In diese Denkrichtung müssen sich in erster Linie die Arbeitgeber bewegen. Job-Bewerber ab Mitte 50 werden bislang meist nicht mehr für die Besetzung von freien Stellen berücksichtigt - und auf der anderen Seite wird eine längere Lebensarbeitszeit gefordert. Das passt nicht zusammen.

Zunächst Zweiklassengesellschaft durch Beamte aufheben.

Herta S.: Als erstes gehört die Zweiklassengesellschaft bei Rente und Krankenversicherung bei Beamten und anderen Berufsgruppen aufgehoben. Bei Selbständigen kann es eine Zwischenlösung geben. Habe jedoch wenig Hoffnung, da der Bundestag weitgehend so besetzt ist. Alles andere ist Blabla und dient der Diskussion nicht. Überall wird von Gleichberechtigung geredet, nur hier nicht.

Weiterarbeiten, nur wenn man gesund ist

Christiane S.: Ein pauschales Rentenalter ab 70 halte ich für nicht durchführbar. Es gibt Berufe, in denen man problemlos bis 70 arbeiten kann, wenn man gesund ist. Mein Mann und ich, beide 66 Jahre alt, sind selbständig und arbeiten Vollzeit. Das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern, wenn wir gesund bleiben, weil wir Freude an unserer Arbeit haben. Für diejenigen, die körperlich arbeiten, sieht das völlig anders aus. Gerecht wäre, dass nicht nur das Alter, sondern auch der Zustand der Gesundheit in die Berechnung einließen würde.

Einfach das Beamten-Unwesen abschaffen

Herbert C.: Einfach das Beamten-Unwesen abschaffen und alle in die Rentenkasse einzahlen lassen, dann wäre schon viel gewonnen.

Zu viel verlangt oder notwendige Maßnahme? Die Politik diskutiert darüber, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Das sagen die Menschen in der Region.
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