Realschullehrer dürfen weiter auf dem Hof parken

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Aus dem Lehrerparkplatz vor der Ravensburger Realschule soll ein Pausenhof werden. Aber erst, wenn es ein Konzept gibt und sich (Foto: Derek Schuh)
Schwäbische Zeitung

Haben Lehrer Anrecht auf einen Parkplatz direkt vor der Schule? Um diese Frage ging es bei der Sitzung des Bildungs- und Sozialausschusses des Ravensburger Gemeinderates am Mittwochabend. Dabei prallten zwei Meinungen unversöhnlich aufeinander: SPD, Grüne, Freie Wähler und Bürger für Ravensburg hatten beantragt, den Parkplatz der Realschullehrer an der Wilhelmstraße lieber den Schülern als Pausenhof zur Verfügung zu stellen, die CDU will hingegen am Status quo festhalten, zumindest für die nächsten paar Jahre.

Vielleicht lag es an den vielen Realschullehrern auf den Zuschauerbänken, vielleicht an den tropischen Temperaturen: Die Debatte wurde immer hitziger und entgleiste dann beinahe. Zunächst scheiterte ein Antrag der SPD, die die ganze Angelegenheit lieber im Verwaltungsausschuss oder Gemeinderat besprochen und entschieden hätte. Denn mit pädagogischen Fragen hat das Thema nur am Rande zu tun. Sozialdemokrat Michael Lopez-Diaz kritisierte auch harsch die Ravensburger Stadtverwaltung, die in der Sitzungsvorlage „auf Teufel komm raus Argumente gesucht hat, die nur für den Parkplatz sprechen“.

Die sprach auch Schulrektor Heribert Boßlet an, der sich erstmals öffentlich äußerte: Erstens: Die Realschüler hätten mit sechs Quadratmetern Pausenraum pro Schüler jetzt schon mehr Platz, als gesetzlich vorgesehen. Zweitens: Das Lehrerzimmer sei so beengt, dass viele Kollegen ihre Sachen im Auto ließen, auch Getränke. Drittens: Die Sportlehrer müssten auch zwischen den Stunden zu den Sportstätten pendeln, die es an der Realschule selbst nicht gibt. Viertens: Da der Parkplatz direkt an der Wilhelmstraße liegt, ist es dort sehr laut, Ballspiele wären beispielsweise viel zu gefährlich so nah an der dicht befahrenen Straße. Fünftens: Die Schüler hätten ohnehin nur 25 Minuten Pausenzeit über den Tag verteilt und von selbst auch noch nie den Wunsch geäußert, auf dem Parkplatz zu spielen. Und sechstens: „Wir verweisen auf die Geleichbehandlung. Wir wären die einzige Schule, die in der Nähe keinen Parkplatz hätte.“

„Das 25-Minuten-Argument halte ich für sehr, sehr zynisch“, konterte Lopez-Diaz, auch im Hinblick darauf, wie viel Geld die Stadt Ravensburg schon zur Pausenhofgestaltung an der Realschule und an anderen Schulen ausgegeben habe. „Unsere Aufgabe ist es, die Schule lebenswert zu machen.“

Maria Weithmann von den Grünen sah das ähnlich. Das Gelände müsse dringend als Schulhof aufgewertet werden, auch wenn das Geld koste. „In der Bevölkerung gibt es wenig Verständnis für pendelnde Lehrer. Es gibt viele andere Beschäftigte in der Innenstadt, die so ein Angebot auch nicht haben.“

Das bewog Berthold Traub (Bürger für Ravensburg und VHS-Vorsitzender) zu den Worten: „Es geht auch ein bisschen um Wertschätzung. Der Vergleich von Lehrern mit jemandem, der Hosen verkauft, funktioniert nicht.“ Traub bezog sich dabei auf das Argument, die Firma Reischmann würde ihren Mitarbeitern ja auch keine Parkplätze direkt vorm Geschäft zur Verfügung stellen. Traubs Bemerkung wurde von vielen als abfällig empfunden, unter anderem von Renate Kiderlen: „Ein Mann, der Unterhosen verkauft, ist genauso wichtig wie ein Lehrer.“ Traub gelang auch keine Beschwichtigung mit dem Nachschub: „Ein Lehrer steht vor 20, 30 Leuten. Wenn er zu spät kommt, sind die Folgen gravierender, als wenn ein Unterhosenverkäufer zu spät kommt.“

Schuler findet Kompromiss

Am Ende wurde auf Vorschlag von August Schuler (CDU) ein Kompromiss gefunden. Erst mal bleibt alles, wie es ist, weil derzeit ohnehin kein Geld für die Umgestaltung zu einem schönen Pausenhof da ist. Mittelfristig sollen die Parkplätze aber weg vom Schulhof, die Verwaltung macht ein Konzept. Im Anschluss an die Debatte kündigten einige Politiker an zu beantragen, die Parkgebühr für Lehrer von derzeit monatlich zehn Euro drastisch zu erhöhen.

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