Ravensburgs Polizeipräsident Uwe Stürmer: „Ich freue mich, wieder da zu sein“

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Schwäbische Zeitung

Das neue Ravensburger Polizeipräsidium, zuständig für die Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodensee, hat in der Neujahrsnacht seine Arbeit aufgenommen. Bernd Adler sprach mit Polizeipräsident Uwe Stürmer, der bereits von 2007 bis 2013 die Ravensburger Direktion am gleichen Standort leitete.

Herr Stürmer, wie hat der Start des neuen Polizeipräsidiums in der Neujahrsnacht geklappt? Lief alles rund? Konnten Sie kurz nach Mitternacht wenigstens noch ein Gläschen Sekt mit Ihren Mitarbeitern genießen, um aufs neue Jahr anzustoßen? Oder hatten Sie nur Stress?

Es hat reibungslos geklappt. Die sehr gute und intensive Vorbereitung hat sich ausgezahlt. Das lag sicher auch daran, dass bereits ab der zweiten Dezemberwoche alle Notrufe über 110 in unser Führungs- und Lagezentrum umgeroutet wurden und die Einsätze damit schon von hier aus koordiniert wurden. Ich war während der „Geburtsstunde“ des Polizeipräsidiums im Führungs- und Lagezentrum, habe den Einsatzsachbearbeitern zum Start ein Gläschen alkoholfreien Sekt und Schinkenhörnchen an die Funktische gebracht und mit ihnen auf den Start des Polizeipräsidiums angestoßen. Zwischen 0 und 6 Uhr waren die Kolleginnen und Kollegen mit 145 Notrufen befasst. Erst in den Morgenstunden wurde es dann etwas ruhiger. Überwiegend ging es um kleinere Brände, Ruhestörungen, Streitigkeiten und betrunkene Personen.

Die Polizei teilte mit, die Silvesternacht in Ravensburg sei ruhig verlaufen. Was war der erste Notruf, der bei Ihnen einging?

Um 0.03 Uhr ging der erste Notruf ein. Es wurde auf ein Fahrzeug mit auffälliger Fahrweise hingewiesen. Das Fahrzeug konnte gestellt werden. Der Fahrer war aber nicht alkoholisiert.

Wie viele Mitarbeiter sind im Präsidium inzwischen da? Und wie viele kommen noch?

Gestartet sind wir Anfang 2019 mit knapp zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ab Herbst waren wir dann etwa 30, im Dezember 60 und jetzt im Echtbetrieb sind wir hier am Präsidiumssitz rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im gesamten Polizeipräsidium in den drei Landkreisen Sigmaringen, Ravensburg und Bodenseekreis arbeiten etwa 1250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wie fühlt es sich für Sie an, wieder an der alten Wirkungsstätte zu sein?

Sehr gut! Ich freue mich, wieder da zu sein. Vor allem aber sind wir als Polizeipräsidium jetzt wieder dort, wo wir hingehören: in Ravensburg, im Herzen Oberschwabens. Nun kann zusammenwachsen, was zusammen gehört. Wir haben wieder deutlich kürzere Wege. Die Fahrten über den See gehören damit Gott sei Dank der Vergangenheit an. Und die Kriminalpolizei in Friedrichshafen muss nicht länger im Landkreis Konstanz bis weit hinter Singen am Hohentwiel ermitteln, sondern kann sich auf Oberschwaben konzentrieren. Wir können die Verkehrsunfallaufnahme wieder ein Stück weit auf die Reviere verlagern und verkürzen damit die Wartezeiten am Unfallort. Kurzum: Wir können unsere vielfältigen Aufgaben wieder effektiver und damit bürgernäher wahrnehmen. Mit dem jetzt richtigen Gebietszuschnitt und der dank vermehrter Neueinstellungen künftig real zunehmenden Personalstärke werden wir unserem Leitspruch „Unser Ziel – Ihre Sicherheit“ besser gerecht, davon bin ich fest überzeugt.

Wie ist Ihr Eindruck: Haben die Menschen bereits realisiert, dass die frühere Polizeidirektion, jetzt das neue Polizeipräsidium in der Ravensburger Gartenstraße, neu belebt wird?

Ich denke, das wird ein Prozess, bei dem jetzt ein erster wichtiger Schritt getan ist. Die komplette Wirkung des Polizeipräsidiums wird für den Bürger aber so richtig intensiv erst spürbar sein, wenn auch das Polizeirevier, das Kriminalkommissariat Ravensburg mit dem Kriminaldauerdienst hier am Standort in der Gartenstraße angesiedelt sein werden. Aber dass die Führung und auch die Verkehrspolizei, deren Hauptsitz bislang in Sigmaringen verortet war, wieder hier am Standort aufwächst, bringt Stück für Stück mehr Präsenz und stärkt die Zusammenarbeit mit unseren Partnern.

Wie geht es für Sie und Ihr Team in den kommenden Wochen und Monaten weiter – baulich, organisatorisch? Was steht an?

Je besser wir unsere internen Prozesse und Abläufe gestalten, umso zielgerichteter und effektiver können wir als Gesamtorganisation unseren Kernaufgaben „Sicherheit und Ordnung, Präsenz, Interventionsfähigkeit, schlagkräftige Ermittlungen, Verkehrssicherheitsarbeit“ und unserem Anspruch einer professionellen Einsatzbewältigung gerecht werden. Kurzfristig gilt es jetzt nach dem Start, unsere neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuarbeiten. Und wir müssen als Führungsteam zusammenwachsen. Dann gilt es, profunde Sicherheitsanalysen vorzunehmen und mit einem Mix aus Präsenz, Prävention, aber auch konsequenter Strafverfolgung darauf hinzuwirken, dass möglichst wenig Menschen Opfer von Straftaten werden und sich auch das Sicherheitsempfinden weiter verbessert. Auch das eine oder andere, das auf der Strecke geblieben ist, werden wir wieder reaktivieren, zum Beispiel den Zivilcouragepreis. Und mittel- bis langfristig müssen die Planungen für den Neubau eines Polizeipräsidiums hier am Standort Gartenstraße vorangetrieben werden, sodass dann spätestens zum Ende des Jahrzehnts alle Einheiten hier in der Gartenstraße unter einem Dach zusammengefasst sind und dann langfristig moderne und zeitgemäße Arbeitsbedingungen herrschen.

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