Ravensburgs Bürgermeister kontert Kritik an Ganztagsgrundschule

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Verwirrung herrscht bei vielen Eltern wegen der Einführung von Ganztagsgrundschulen in Ravensburg. (Foto: Archiv: Michael Gottschalk)
Schwäbische Zeitung
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Über das Konzept für den geplanten Ganztagsbetrieb an Ravensburger Grundschulen, das der Gemeinderat vor zwei Wochen beschlossen hat, will die Verwaltung am Dienstag (19 Uhr) öffentlich in der alten Spohnhalle informieren. Für einige Eltern ist der Informationsbedarf aber offenbar bereits gedeckt. Eine Initiative „Gute Grundschule Ravensburg“ kritisiert in Flugblättern und Stellungnahmen die Politik von Stadt und Gemeinderat scharf. 163 Bürger haben eine Petition unterschrieben. Bürgermeister Hans Georg Kraus spricht von „vielen offensichtlichen Missverständnissen“.

Initiative von drei Müttern

„Wir lehnen die Rahmenkonzeption der Stadt Ravensburg für den Ganztagsbetrieb an Grundschulen ab“, heißt es in der Petition, für die drei Mütter verantwortlich zeichnen. Elke König, Anett Pfohl und Susanne Zimmermann haben Kinder auf den Grundschulen in Weißenau und auf der Kuppelnau. Die Initiative, lokaler Ableger einer landesweiten Aktion, will eine „verlässliche Grundschule mit flexibler Hortbetreuung“. Weiter heißt es: „Wir stehen für eine kinder- und familienfreundliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Nicht die Schule, sondern die Familie solle Lebensraum der Kinder sein. Eine „flächendeckende Einführung der Ganztagsgrundschule“ werde „tiefgreifende Veränderungen in unserer Gesellschaft mit sich bringen“. Die meisten Eltern brauchten freiwillige und zeitlich flexible Nachmittagsbetreuung.

Die Kritik an der Stadt ist deutlich: „In Ravensburg wurde vom Gemeinderat ein Konzept für Ganztagsgrundschulen verabschiedet, das nicht den Bedürfnissen der Familien entspricht. Die Stadt hat im Vorfeld weder ausreichend informiert noch ein umfassendes Meinungsbild erstellt. Die Bürger wurden in keinster Weise mit einbezogen. Dies ist keine bürgernahe Politik.“

Ravensburgs Bürgermeister Hans Georg Kraus hat im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung die Kritik, die vereinzelt auch im Gemeinderat sowie im Ortschaftsrat Taldorf laut geworden ist, zurückgewiesen. „Wir machen ein Angebot, wir wollen niemanden verpflichten.“ Kraus verweist darauf, dass die Stadt mit dem Rahmenkonzept eben gerade auf den Elternwillen reagiere. In einer Befragung hätten sich 2012 nur 32 Prozent aller Ravensburger Grundschuleltern die Grundschule als reine Halbtagsschule gewünscht. Dazu sei das Hortsystem der Stadt voll belegt, die Nachfrage steige ständig. „Die Frage ist, mit welcher Form man auf diese Entwicklung reagiert“, sagt Kraus. Und hier gebe es gute pädagogische Gründe für eine Ganztagsgrundschule.

Kritikern, die der Stadt vorwerfen, sie peitsche das Verfahren durch, hält der Bürgermeister entgegen: „Die Vereinbarung mit der Landesregierung setzt klare Fristen für Anträge. Wir mussten jetzt das Rahmenkonzept vorlegen, damit im Oktober die ersten Anträge für das Schuljahr 2015/16 gestellt werden können.“

Den Vorwurf der scheinbaren Wahlfreiheit für Eltern - die Initiative fordert auf Flugblättern von Oberbürgermeister Daniel Rapp „echte Wahlfreiheit“ - lässt Kraus ebenfalls nicht gelten. „Wir haben uns sogar für ein Modell entschieden, das eine doppelte Wahlfreiheit vorsieht.“ Zunächst gilt das für die Schulen: Jede entscheide für sich, ob sie Ganztagsgrundschule werden oder Halbtagsgrundschule bleiben wolle. Den Beschluss müsse die Schulgemeinschaft fassen.

Eltern können wählen

Danach könnten Eltern immer noch wählen, ob sie am Standort ihr Kind für den Ganztagesbetrieb- oder den Halbtagsbetrieb melden wollen. Gelöst werden soll das mit unterschiedlichen Gruppen an den Schulen. Kraus: „Klar ist aber auch, dass wir nicht jeden Wunsch erfüllen können. Wer sich für Ganztagesbetrieb entscheidet, tut das verpflichtend. Wer Halbtagsschule will, ist daran auch gebunden.“ Ein Sparkonzept der Stadt sei dies nicht. Die Verwaltung geht von einer „kostenneutralen“ Veränderung aus.

Für ein großes Missverständnis hält Kraus Vorwürfe der Kritiker, die Stadt stelle den Hortbetrieb ein: „Wir haben niemals gesagt, wir würden bestehende Horte abschaffen. Wer sich als Schule nicht verändern will, dem bleiben seine Horte erhalten. Nur einen Ausbau wird es grundsätzlich nicht mehr geben.“ Das Wort „grundsätzlich“ war in den Gemeinderatsbeschluss eingearbeitet worden, nachdem mehrere Fraktionen dafür plädiert hatten. Ausnahmen müssten vor allem zu Gunsten der kleinen Schulen in den Ortschaften möglich sein.

 

 

 

 

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