Ravensburger wollen um die Veitsburg-Gaststätte kämpfen

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Die Veitsburg von unten
Die Veitsburg ist immer ein Gesprächsthema in Ravensburg. (Foto: Bernd Adler)
Redaktionsleiter

Die Nachricht, dass die Veitsburg nach wenigen Wochen wieder den öffentlichen Restaurantbetrieb einstellt, hat die Ravensburger in den vergangenen Tagen beschäftigt.

Pächter Christian Ott hat ein eklatantes Personalproblem, sagt er. Das rühre auch daher, dass Fachkräfte in die Industrie abwanderten. In den sozialen Netzwerken wird vor allem über die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie diskutiert. Ravensburger, die die Situation auf der Veitsburg schon länger verfolgen, sprechen aber auch andere Schwierigkeiten an.

So meint Wilma M. auf der Facebook-Seite der Schwäbischen Zeitung: „Die Stadt (als Verpächter der Veitsburg-Gaststätte) soll sich mal darüber Gedanken machen. Ein Armutszeugnis, schade! Es gibt doch gute Gastronomen, die ihr Handwerk verstehen. Bezahlbare Pacht wäre sicher sinnvoll.“

Das gibt es doch nicht, dass das schönste Plätzle in der Stadt keinen Wirt findet. 

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Sabine B. ärgert sich: „Das gibt es doch nicht, dass das schönste Plätzle in der Stadt keinen Wirt findet, der eine tolle Küche macht zu guten Preisen. Da wäre der Laden voll und würde brummen. Da fragt sich manch einer, wer hier welche Interessen verfolgt. Unterm Strich ist das für unsere Stadt mehr als beschämend und traurig.“

Klaus K. ergänzt: „Das kommt raus, bei zu hohen Erwartungen der Stadt und zu wenig Personal. Insgesamt ein Meisterstück von Fehlplanung und -einschätzung und anscheinend auch von Verträgen. Ist doch erstaunlich, dass der Biergarten ein paar Kilometer weiter (der zwar nur am Wochenende aufhat) zu funktionieren scheint.“

Woher Personalprobleme in Gastronomie und Hotellerie herrühren, weiß Claudia D. aus eigener Erfahrung: „Selber Hotelfach gelernt und fast 20 Jahre in diesem Beruf gearbeitet, nie mehr wieder. Ausbeutung und schlechte Bezahlung ist der Hauptgrund.“

Thomas L. reagiert auf Kritik, wonach der Verbraucher und Gast mit seiner „Geiz-ist-geil-Mentalität“ das Problem mit verursacht: „Sorry, aber die Schuld immer beim Konsumenten zu suchen, ist mir zu einfach. Es gibt genügend Unternehmen und Dienstleister, die beweisen, dass ein Gast auch gerne mal ein paar Euro mehr für ein Schnitzel ausgibt, wenn alles andere passt. Realität ist oft schlechter Service, unfreundliches Personal und mangelhafte Qualität zu hohen Preisen.“

Ralf A. spricht die Löhne in der Gastronomie an: „Selbst wenn die Angestellten 100 oder 200 Euro über Tarif bekommen (ist ein fiktiver Wert), werden sie davon bestimmt nicht reich. Wer in der Industrie Spätschicht arbeitet, erntet normalerweise wesentlich mehr.“

Die Politik sollte endlich an die Mehrwertsteuer ran in der Gastronomie. Sie sollte am besten zum Schutz traditioneller Wirtshäuser und der Esskultur ganz abgeschafft werden.

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Friedrich M. findet: „Die Politik sollte endlich an die Mehrwertsteuer ran in der Gastronomie. Sie sollte am besten zum Schutz traditioneller Wirtshäuser und der Esskultur ganz abgeschafft werden! Denn sie ist fast nirgends zu erwirtschaften, wenn gleichzeitig die Leute noch anständig bezahlt werden sollen.“

Thomas G. ergänzt: „Qualität hat ihren Preis. Aber wenn ich für ein Steak 20 Euro aufwärts bezahle und zum Teil die Küche es nicht einmal schafft, den Garpunkt zu treffen, tja, dann braucht auch keiner jammern, dass die Gäste ausbleiben.“

Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Agendagruppe hat einen Lösungsvorschlag für die Veitsburg: „Es kann nicht angehen, dass auf diese Weise der Bevölkerung der gastronomische Zugang zur Veitsburg verwehrt wird. Die wirtschaftlichen Eckdaten des Pachtvertrages kenne ich nicht, meinetwegen sollte die Stadt in der Höhe der Pacht so flexibel sein, dass ein Gastronom noch Lust verspürt, die Veitsburg zu bewirtschaften.

Wir selbst haben nahezu jedes Öffnungsangebot genutzt. Wir sind Mitverpächter eines (Vereins)-Restaurants am See und kennen die prekäre Lage, Servicepersonal zu finden. Übergangsweise muss der Versuch unternommen werden, auf Selfservice-Basis einen Betrieb anzubieten. Zulasten der Bürger die Veitsburggastronomie einzustellen, kann nicht die Lösung sein!"

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