Ravensburger Traditionsbäckerei Honold will aufhören

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Nach 45 Jahren wird die Bäckerei-Konditorei mit Café in der Kirchstraße wohl schließen.
Nach 45 Jahren wird die Bäckerei-Konditorei mit Café in der Kirchstraße wohl schließen. (Foto: Ruth Auchter)

Honold-Seelen sind legendär. Nicht wenige, die zu Besuch in die alte Heimat nach Ravensburg kommen, decken sich vor der Abreise mit ganzen Tüten davon ein. Doch die Tage des alteingesessenen Bäckerei- und Konditoreibetriebs scheinen gezählt: Das Haus in der Kirchstraße 15 wurde verkauft. Noch wird dort aber weiterhin gebacken, gehen Seelen, Brote und Kuchen über die Theke, und können die Café-Gäste dort ihren Kaffee schlürfen und süße Stückchen essen.

„Ein Jahr lang werden wir noch weitermachen“, sagt Andreas Honold auf Anfrage. Denn seit Wochen machen Gerüchte den Umlauf, die Bäckerei schließe – und zwar bereits Ende 2018. Andreas Honold relativiert das, räumt aber ein, nach Jahresfrist könne es gut sein, dass die Geschäfte aufgelöst werden. Honold betreibt nämlich zwei weitere Standorte in der Ravensburger Innenstadt – einen davon in der Eisenbahnstraße 27.

1893 fing alles an

Diesen – das einstige Stammhaus – könnte es sogar noch länger geben, denn das Gebäude gehört nach wie vor Andreas Honolds Onkel. Hier hat die Honoldsche Tradition begonnen: 1893 fing Christian Honold an, zu backen. Sein Sohn Wilhelm übernahm den Betrieb, die Söhne Wilhelm junior und Werner führten ihn weiter. Als die Eisenbahnstraße für zwei zu eng wurde, zog Werner Honold 1973 in die Kirchstraße und eröffnete dort eine Bäckerei-Konditorei. Auch sein Sohn Andreas blieb der Tradition treu und wurde Bäcker. Gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ führt er aus, dass man für sich die Filiale in der Adlerstraße – das Café-Lädele – derzeit nach einem Nachmieter umschaue.

Institution in Ravensburg

Als Grund für den Rückzug nennt Andreas Honold wirtschaftliche Gründe. Die Innenstadt sei nicht das beste Pflaster für eine Bäckerei-Konditorei des alten Schlags – bei Honold sind Dinge wie Treibmittel oder Fertigteile nämlich tabu, und das Mehl kommt wie eh und je aus der Ravensburger Schulermühle. Allerdings fehlte nicht zuletzt die Kundschaft aus dem Weingartner Hof: Nach dem Auszug der Stadtverwaltung steht das gegenüber liegende Gebäude seit bald einem Jahr leer.

Honold ist seit Jahrzehnten eine Institution in Ravensburg: Auch auf dem Internet-Portal Yelp wird der „freundlich geführte, traditionelle Familienbetrieb“ für seine „leckeren Kuchen und Brote“ sowie das „zufriedenstellende Preis-Leistungs-Verhältnis“ gelobt und weiter empfohlen.

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