Ravensburger Stadtluft kann krank machen

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Umweltzone ist in Ravensburg denkbar
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Jetzt ist amtlich, was bislang nur vermutet wurde: Die Ravensburger Luft ist erheblich mit Schadstoffen belastet. Das ergaben Messungen, die seit 1. Januar laufen. Schon jetzt rechnet die Stadtverwaltung daher damit, dass das Regierungspräsidium Tübingen Ravensburg einen Luftreinhalteplan verordnen wird – mit entsprechenden Konsequenzen für Bürger und Autofahrer.

Der Luftreinhalteplan basiert auf EU-Recht. Er soll gewährleisten, dass von der Europäischen Union festgelegte Grenzwerte für Luftschadstoffe auch eingehalten werden. „Wir haben an allen Messpunkten Grenzwertüberschreitungen festgestellt“, sagte Bürgermeister Dirk Bastin am Dienstag der „Schwäbischen Zeitung“. Und: „Eines ist sicher: Das Regierungspräsidium wird aktiv werden.“

Gemessen wird in Ravensburg an drei Stellen in der viel befahrenen Schussenstraße; eine weitere Messung gibt es in der praktisch autofreien Grüner-Turm-Straße, um einen Referenzwert zu erhalten. Die amtlich anerkannten Überprüfungen der Luftqualität laufen seit 1. Januar und dauern bis Jahresende an. Doch bereits nach einem halben Jahr steht fest, so Dirk Bastin: „Wir müssen davon ausgehen, dass wir den Jahresgrenzwert nicht einhalten werden.“

Die Prüfgesellschaft Dekra misst seit Jahresbeginn im Auftrag und auf Kosten der Stadt die Konzentration von Stickstoffdioxiden in der Ravensburger Luft. Europaweit gilt bei diesem Gas ein Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dieser wurde im vergangenen halben Jahr an allen Messpunkten in der Schussenstraße regelmäßig überschritten: Die Halbjahresbilanz weist einen Mittelwert von 52 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft aus. Selbst in der verkehrsberuhigten Grüner-Turm-Straße lag der Durchschnittswert bei 29 Mikrogramm. Doch auch hier wurden im ersten Quartal 2016 Spitzenwerte von bis zu 50 Mikrogramm erreicht.

Was also tun? Ganz allgemein sagt Bürgermeister Bastin: „Der Schlüssel zu besseren Luftwerten sind alternative Antriebe, deutlich weniger Schwerlastverkehr und weniger Dieselfahrzeuge – oder eine Verlagerung des Verkehrs.“ Da das Regierungspräsidium Tübingen in einem Luftreinhalteplan, bei dem die Stadt Ravensburg im Vorfeld eigene Verbesserungsvorschläge einbringen kann, kaum Diesel-Motoren verbieten kann, setzte die Behörde in der Vergangenheit an anderen Orten zumeist auf ein Bündel verschiedener Maßnahmen.

Dazu gehörten angebotsorientierte Verbesserungen wie ein attraktiverer öffentlicher Personenverkehr, die Einrichtung von Park&Ride-Plätzen oder intelligente Verkehrslenkungssysteme. Daneben gibt es sogenannte verbotsorientierte Maßnahmen wie Durchfahrtsverbote für Lastwagen oder generelle Fahrverbote in Umweltzonen.

Entscheidend für die Bürger ist: Ein Luftreinhalteplan ist rechtlich bindend. Das heißt: Seine Umsetzung kann jeder Einzelne einklagen.

Was mit einem Luftreinhalteplan verbunden wäre, erläutert Bürgermeister Dirk Bastin im Video unter www.schwaebische.de/schadstoffe-rv.

Umweltzone ist in Ravensburg denkbar
Die Schadstoffbelastung in Ravensburg ist höher als erlaubt. Das macht eine Umweltzone denkbar. Ob sie kommt, muss das Regierungspräsidium Tübingen entscheiden - am Ende des Jahres.
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