Ravensburger Stadtbücherei weitet digitale Angebote aus

Lesedauer: 5 Min
Stadtbücherei baut digitales Angebot weiter aus
Ohne das gedruckte Buch zu vernachlässigen, baut die Ravensburger Stadtbücherei ihre digitalen Angebote weiter aus.
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Die Ravensburger Stadtbücherei setzt weiterhin voll auf Digitalisierung. Ohne das gedruckte Buch zu vernachlässigen, baut sie ihre digitalen Angebote weiter aus. Das Neueste ist der Pressreader: Bibliotheksmitglieder haben damit online Zugriff auf fast 7000 Zeitungen und Zeitschriften.

Bereits 1996 standen in der Bücherei im Ravensburger Kornhaus die ersten Computer mit Internetzugang, seit 2011 gibt es in den Räumlichkeiten kostenloses WLAN. Seit Juni 2013 kann man in der Bibliothek E-Books online entleihen, seit März 2017 kostenlos Musik streamen. Daneben können Mitglieder auf verschiedene Datenbanken zugreifen (unter anderem das Munzinger-Archiv oder die Datenbank des „Spiegel“). Seit diesem Jahr erweitert der Pressreader das digitale Angebot des Hauses.

Während die Zahl der Büchereimitglieder konstant bei rund 10 000 Personen liegt (davon die Hälfte Menschen, die nicht in Ravensburg leben) und die Ausleihzahlen bei Büchern auf hohem Niveau stagnieren, wächst der digitale Bereich rasant. Mehr als 47 000 E-Books wurden im vergangenen Jahr entliehen, 2016 waren es noch knapp 34 000. Die Zahl der Datenbankzugriffe hat sich von knapp 12 000 auf mehr als 24 000 binnen eines Jahres verdoppelt. „Die Zugriffe auf unsere digitalen Angebote sind so hoch wie noch nie“, sagt Berthilde Scherer, die Leiterin der Ravensburg Bibliothek. Sie überschreiten insgesamt inzwischen sogar die Zahl der entliehenen Sachbücher.

Die Besucher schätzen das Kornhaus nicht nur wegen des medialen Angebots, sondern auch wegen seiner Atmosphäre. Das zumindest war das Ergebnis von Befragungen in der Vergangenheit. Dennoch sind die Besucherzahlen leicht rückläufig. Sie lagen im vergangenen Jahr bei knapp 260 000 Personen. Berthilde Scherer hat zwei Erklärungen für den Rückgang. Zum einen würden immer mehr Menschen die Online-Angebote nutzen, anstatt selbst in die Bibliothek zu kommen. Zum anderen sei die Parksituation für Besucher derzeit „beschwerlich“: Die Marienplatztiefgarage direkt vor der Haustür ist bekanntlich wegen ihrer Sanierung gesperrt.

Rund 2400 Menschen haben sich im vergangenen Jahr neu als Mitglieder bei der Stadtbücherei angemeldet. „Im Vergleich zu Städten ähnlicher Größe hatten wir damit die meisten Neuanmeldungen“, sagt Scherer. Wird also trotz aller Unkenrufe nach wie vor fleißig gelesen? Die Büchereileiterin bestätigt das. Gerade Kinderliteratur erlebe einen regelrechten Boom, bei den Ausleihzahlen habe sie inzwischen die Sachbücher überholt. Zudem gibt es seit dem vergangenen Sommer in der Bibliothek einen Leseclub für junge Mädchen im Alter von elf bis 13 Jahren. Sie treffen sich, um über Bücher zu reden, Bücher vorzustellen oder mit der Bibliothekarin zum Bücherkauf zu gehen. Wer dort mitmachen will, kann sich einfach in der Bibliothek melden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen