Ravensburger segelt zur UN-Klimakonferenz in Chile

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 Kurz vor dem Ablegen in Amsterdam die Verabschiedung von der Familie und Hund.
Kurz vor dem Ablegen in Amsterdam die Verabschiedung von der Familie und Hund. (Foto: Wolfgang Steinhübel)
Wolfgang Steinhübel

Auf hoher See im Atlantik befindet sich zur Zeit der 23-jährige Ravensburger Jan Feist. Mit 36 anderen jungen Menschen ist er auf dem Dreimastschoner „Regina Maris“ Richtung Südamerika unterwegs. In Santiago de Chile wollen sie im Dezember an der nächsten UN-Klimakonferenz „COP 25“ teilnehmen, um sich für eine faire und nachhaltige Reiseindustrie einzusetzen.

Das Projekt heißt „Sail tot he COP“ und ist für alle an Bord ein riesiges Abenteuer. 10 000 Kilometer über den Atlantik und dann von Rio de Janeiro mit dem Bus 4000 Kilometer quer durch Amerika. Gestartet ist man am 2. Oktober in Amsterdam. Für die Seereise sind circa sieben Wochen eingeplant. „Für mich ist es besonders aufregend,“ sagt Jan Feist „Ich war noch nie außerhalb Europas und habe auch fast keine Seglererfahrung. Mit nur einer Spazierfahrt auf dem Bodensee und einem kurzen Trip auf dem Ijsselmeer hatte ich Glück, dass meine Bewerbung unter der Vielzahl anderer angenommen wurde.“

Mit dem Zustand der Reiseindustrie auseinandersetzen

Die Zeit an Bord wollen die jungen Leute nutzen, um sich systematisch mit dem Zustand der Reiseindustrie auseinanderzusetzen. Mit den unterschiedlichen Hintergründen und Philosophien der Teilnehmer möchten sie voneinander lernen und praktische Lösungsansätze ausarbeiten, mit denen sie die Verhandlungen in Santiago de Chile beeinflussen können. „Sail tot he COP gibt allen Beteiligten die Chance, einzigartige persönliche Verbindungen einzugehen, welche die effektive Zusammenarbeit an der schwimmenden Denkfabrik fördern werden, emotionalen Halt geben und neue Perspektiven eröffnen,“ ist der junge Ravensburger überzeugt.

Das Projekt finanziert sich zur Hälfte aus Partnerschaften, darunter die niederländische Bahngesellschaft ProRail, das niederländische Ministerium für Infrastruktur, die Universität Wageningen und weitere Universitäten und Firmen. Ein Drittel kommt aus den eigenen Taschen der Teilnehmer und das letzte Sechstel aus dem Crowdfunding und kleinen Privatspenden.

Zusammenhänge zwischen Ernährung, Natur und Klima erkunden

Nach der Klimakonferenz will Jan Feist in Südamerika weiter die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Landwirtschaft, Natur und Klima erkunden. Spannend findet er die Möglichkeiten der Forstwirtschaft und Permakultur, um Kohlenstoff aus der Atmosphäre in die Erde zu bringen, Ökosysteme zu regenerieren und gleichzeitig Menschen zu ernähren. Dazu will er sich ein Jahr Zeit lassen, Spanisch lernen, um schließlich von der Karibik aus zurück nach Europa zu segeln, um dann einen Master in Agroökologie zu beginnen.

Übrigens kann man auf der Website (sailtothecop.com) über GPS live die Position der „Regina Maris“ verfolgen und viele spannende Details nachlesen. Auf Facebook und Instagram gibt es je nach Internetverfügbarkeit tagesaktuelle Updates.

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