Ravensburger Luft ist stark mit Schadstoffen belastet

Lesedauer: 4 Min

Da man Schadstoffe in der Luft nicht sieht und in der Regel auch nicht riecht, wird diese Form der Gesundheitsgefährdung öffent
Da man Schadstoffe in der Luft nicht sieht und in der Regel auch nicht riecht, wird diese Form der Gesundheitsgefährdung öffentlich nur wenig wahrgenommen. Aktuelle Messungen ergaben jetzt aber erneut, dass die Luftqualität in Ravensburg problematisc (Foto: dpa)
Bernd Adler

Vor fünf Jahren haben Experten die Luftqualität im Schussental untersucht. Mit niederschmetterndem Ergebnis. Vor allem die Stickstoffdioxidbelastung war viel zu hoch. Nachdem diese Messungen wegen Formfehlern amtlich nicht anerkannt wurden, gibt es seit Jahresbeginn eine Wiederholung. Erste Bilanz: Die Schadstoffbelastung der Ravensburger Luft ist nach wie vor sehr hoch. Sie liegt nur knapp unter dem Grenzwert.

Stickstoffdioxid ist sehr giftig; schwache Konzentrationen können zu Schwindel und Kopfschmerzen führen, höhere zu Atemnot und Lungenödemen. Verschiedene Gesundheitsbehörden warnen inzwischen davor, über einen längeren Zeitraum Stickstoffdioxid in Konzentrationen über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft einzuatmen.

An zwei Stellen in der Schussenstraße und an einer in der Grüner-Turm-Straße misst die Dekra seit Jahresbeginn die Schadstoffbelastung der Ravensburger Luft. Privat bezahlt die Oberstadt-Agenda eine weitere Dekra-Messung in der Oberen Marktstraße. Die ersten Ergebnisse der privaten Messungen hat die Agenda Oberstadt am Mittwochabend vorgestellt. Am Messpunkt Obere Marktstraße wurde demnach zwischen 1. Januar und 1. Mai eine Konzentration von 39 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft registriert. Eine Vergleichsmessung in der Gemeinde Schlier ergab im selben Zeitraum eine Schadstoffbelastung, die rund 90 Prozent niedriger war als die in Ravensburg festgestellten Werte.

Im Hinblick auf den gemessenen Durchschnittswert von 39 Mikrogramm meinte Manfred Lenz, Sprecher der Agendagruppe: „Das ist ein Mittelwert, das heißt, da sind Wochenenden genauso dabei wie Abend- und Nachtstunden. Man kann sich ausrechnen, wie hoch die Belastung zu bestimmten Verkehrszeiten tatsächlich ist.“ Im Januar zum Beispiel gab es Spitzenwerte von rund 58 Mikrogramm.

Agendagruppen-Mitglied Dieter Fuchs formulierte es am Mittwochabend beim Treffen im kleinen Sitzungssaal des Ravensburger Rathauses drastischer: „Die hohe Schadstoffbelastung der Ravensburger Luft ist bekannt, wird von der Verwaltung aber ignoriert.“ Und: „Die Luftqualität interessiert keinen Menschen. Zumindest nicht unsere Verwaltung.“ Zudem, so Fuchs weiter, fange eine gesundheitliche Gefährdung durch belastete Luft nicht bei einem Jahresgrenzwert an. Sie werde Tag für Tag in unterschiedlicher Dosis eingeatmet. Bereits vor drei Jahren habe Oberbürgermeister Daniel Rapp erklärt, dass bis 2014 ein Aktionsplan zur Luftqualität in Ravensburg erstellt werde. Fuchs: „Den Plan gibt es bis heute nicht.“

Bei amtlich nicht anerkannten, privaten Luftmessungen der Agendagruppe Oberstadt im November 2013 wurden praktisch an allen Punkten Grenzwertüberschreitungen registriert. Am schlechtesten war die Luft in der Burgstraße, am Humpis-Eck, in der Marktstraße und an der Realschule in der Wilhelmstraße.

Die offiziellen Dekra-Messungen, die am 1. Januar begonnen haben, laufen bis Jahresende.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen