Ravensburger Klinikverbund OSK bekommt neue Geschäftsführung

Der Aufsichtsrat der OSK kam am Samstagvormittag überraschend zusammen.
Der Aufsichtsrat der OSK kam am Samstagvormittag überraschend zusammen. (Foto: Elke Obser)
Redakteurin

Die Oberschwabenklinik (OSK) wird sich von ihrem umstrittenen Geschäftsführer Oliver Adolph trennen. Am Sonntag teilte der Klinikverbund mit, dass Adolph von seinem Amt als Geschäftsführer freigestellt wird und alsbald eine Interimsleitung eingesetzt werden soll.

Neun Tage vor der nächsten regulären Sitzung war der OSK-Aufsichtsrat am Samstagvormittag überraschend zusammengekommen. Das Ergebnis: Oliver Adolph wird sein Amt als Geschäftsführer „nicht weiter aktiv ausüben“, wie es am Sonntag in einer Pressemitteilung des Klinikverbunds hieß.

Mitgeschäftsführer Michael Schuler, der vergangene Woche gekündigt hat, werde hingegen bis zum Auslaufen seines Vertrages in einigen Wochen in der OSK tätig bleiben.

Nächster Schritt: Interimsgeschäftsführung

OSK-Pressesprecher Winfried Leiprecht teilte am Sonntag mit: „Nächster Schritt auf dem Weg aus der Krise wird die Einsetzung einer Interimsgeschäftsführung sein. Diese wird sich zügig um die aktuellen Baustellen im Unternehmen kümmern (...). Die notwendigen Beschlüsse will der Aufsichtsrat kurzfristig fassen. Bis dahin ist die Kontinuität der Geschäftsführung durch Michael Schuler sowie den Prokuristen Stefan Schoenauer gewahrt, sodass das Unternehmen voll handlungsfähig bleibt.“

„Der Landkreis steht ohne Wenn und Aber zu seiner Oberschwabenklinik und ihren Beschäftigten. Den strukturellen externen Veränderungen, mit denen alle Krankenhäuser zu kämpfen haben und deretwegen es sicherlich nirgendwo in Baden-Württemberg nach der Zäsur der Corona-Jahre ein Zurück in die Vergangenheit geben wird, können wir uns nicht einfach entziehen“, ließ der Ravensburger Landrat Harald Sievers am Sonntag mitteilen.

Erste Signale bereits am Donnerstag

Bereits am Donnerstag hatte Sievers in einer Mail an die Kreisräte angedeutet, dass der Aufsichtsrat einen kompletten Neuanfang an der Spitze des kommunalen Klinikverbundes will (die SZ berichtete). „Ich möchte Sie gerne kurz informieren, dass Herr Geschäftsführer Michael Schuler nur noch einige Wochen bei der OSK tätig sein wird, weil er gekündigt hat. Damit besteht die Möglichkeit zu einer kompletten strukturellen und personellen Neuaufstellung der Geschäftsführung. Die Entscheidung zum weiteren Weg bei der Besetzung der Geschäftsführung für Unternehmensentwicklung, Medizin und Pflege wird der Aufsichtsrat wie angekündigt kurzfristig treffen“, hatte Sievers Donnerstagvormittag geschrieben.

Oliver Adolph steht als OSK-Geschäftsführer seit Monaten in der Kritik.
Oliver Adolph steht als OSK-Geschäftsführer seit Monaten in der Kritik. (Foto: privat)

Schon im Eindruck der Sitzung des Personalausschusses am Dienstag, in der die Chefärzte über vier Stunden lang dargelegt hatten, warum sie das Vertrauensverhältnis zum Geschäftsführer für Unternehmensentwicklung, Medizin und Pflege, Oliver Adolph, als zerrüttet betrachteten, sollen Teilnehmer darauf gedrängt haben, jetzt eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Bis zur regulären Sitzung am 26. September wollte man nicht mehr warten.

Adolph saß während des Austauschs mit den Chefärzten draußen vor der Tür. Die Ausschussmitglieder hielten es nach dem Gespräch mit den Medizinern nicht mehr für nötig, ihn noch zur Sache zu hören – was einigermaßen ungewöhnlich ist, hatte Landrat Sievers bis zum Termin doch mantramäßig wiederholt, man solle „miteinander und nicht übereinander“ reden.

„Autokratisch und unkollegial“

Die Krise wegen des von vielen als autokratisch und unkollegial empfundenen Führungsstils Oliver Adolphs hatte sich in den vergangenen Monaten immer mehr verschärft. Auch Co-Geschäftsführer Michael Schuler soll nicht mit Adolph harmoniert haben.

Den Stein ins Rollen brachten 18 der 22 Chefärzte, die im Juli einen Brief an Landrat Sievers schrieben, der sich wie ein Hilferuf las. Ihm schlossen sich zahlreiche andere Mitarbeiter an, die ihrerseits Briefe schrieben und Unterschriften sammelten. Mittlerweile soll es an die 1000 Unterschriften von Ärzten und Pflegern geben. Am Donnerstag wurde dann bekannt, dass Michael Schuler gekündigt hat.

Adolphs Kritiker betonen ausdrücklich, dass es ihnen bei ihrem Protest nicht um die aktuelle Strukturreform geht, als deren Motor Adolph gilt. Bekanntlich hatte der Kreistag Ende Mai beschlossen, dass das Krankenhaus Bad Waldsee geschlossen und Wangen verkleinert werden soll – in Richtung einer Fachklinik für Orthopädie. Ursprüngliche Pläne, die Wangener Geburtshilfe und Notaufnahme zeitnah zu schließen, wurden zunächst auf Eis gelegt, drohen in zwei Jahren aber wieder, aus der Schublade herausgeholt zu werden, sollte sich etwa die Zahl der Geburten auf ein Niveau unter 600 bis 800 einpendeln.

Zeit lassen für langfristige Lösung

Wie Landrat Sievers bereits am Montag in einer Mail an die Kreisräte schrieb, sei es wichtig zu überlegen, wie bei einer möglichen Veränderung in der Geschäftsführung sichergestellt werden könne, dass der Kreistagsbeschluss von Ende Mai zur Medizinstrategie nicht „unter die Räder kommt“.

Unabhängig von der in Kürze anstehenden Interimslösung will man sich bei der Suche nach einer langfristigen Lösung für die OSK-Führung jetzt offenbar Zeit lassen. Dazu heißt es in der OSK-Mitteilung vom Sonntag: „Die Entscheidung, wie eine neue reguläre Geschäftsführung nach der Interimszeit sowohl strukturell als auch personell zukunftsgerecht aufgestellt werden muss, will der Aufsichtsrat bewusst in Ruhe treffen.“

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