Ravensburger Jugendliche fordern: „Jetzt muss etwas passieren“ in Sachen Umweltschutz

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 Die Jugendlichen von „fridays for future“ machten deutlich, dass ihrer Meinung nach ganz schnell ganz viel passieren muss.
Die Jugendlichen von „fridays for future“ machten deutlich, dass ihrer Meinung nach ganz schnell ganz viel passieren muss. (Foto: Wynrich Zlomke)
Wolfgang Steinhübel

An der Bühne hängt ein großes Transparent mit der Aufschrift: „Wenn wir nichts tun, was werden wir dann unseren Kindern erzählen?“. Das Foyer von Schwäbisch Media ist gut gefüllt mit Bürgern aus dem Kreis Ravensburg. Alt und Jung sind am Samstagabend gekommen, um eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Wie können wir unsere Region klimafreundlich gestalten?“ mitzuverfolgen. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Initiative „Fridays for future Ravensburg“.

In seiner Begrüßungsrede unterstützte Hendrik Groth, Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung, das Engagement der Jugendlichen beim Umweltschutz. Wie schlecht es um die Umwelt bestellt ist, wie rasch der Klimawandel voranschreite, sei seit über 20 Jahren bekannt – passiert sei aber bis heute viel zu wenig. In Bezug auf das Schulschwänzen bei den Freitagsdemos machte er den Schülern Mut mit den Worten: „Lasst Euch nicht von Stammtischparolen ins Bockshorn jagen.“

Im ersten Teil der Podiumsdiskussion, moderiert von SZ-Redakteurin Marlene Gempp, ging es darum, was man in der Region für den Klimaschutz tun könne. Lachlan Eckardt, Sprecher des Ravensburger Schülerrats und im Fridays-for-future-Team aktiv, , wollte vor allem eines: Schnelles Handeln und endlich Nägel mit Köpfen. „Alle wissen, was zu tun ist. Warum machen sie dann nichts?“, fragte er. Konkret forderte er Klimakonzepte für Schulen und einen zügigen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Ravensburgs Baubürgermeister Dirk Bastin konnte berichten, dass bereits nächste Woche Gespräche zu mehr Fahrradabstellplätzen am Welfen- und Spohngymnasium stattfinden. Lehrerparkplätze sollen dann zu Beginn des nächsten Schuljahres entsprechend umgewandelt werden. Zur Minderung des Verkehrs – Ravensburg hat täglich 40.000 Ein- und Auspendler – forderte Bastin mehr Bauverdichtung in der Stadt und angrenzenden Ortschaften. Das veranlasste Wolfgang Ertel, Professor an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, zu der Frage: „Wollen denn die ansässigen Bürger überhaupt diesen starken Zuzug an Neubürgern?“ Er forderte unter anderem, die B 30 Ravensburg-Weingarten zur Hälfte in einen Radweg umzuwandeln. Zudem prognostizierte er erste Robotertaxis in der Region bereits in zwei bis drei Jahren.

Thiel-Böhm plädiert für Umstieg auf Öko-Strom

TWS-Chef Andreas Thiel-Böhm will einen verstärkten Umstieg auf Ökostrom, den bisher nur 25 Prozent aller Haushalte im Schussental beziehen. Einig waren sich alle, dass mehr Photovoltaikanlagen auf Häuserdächern installiert werden und der ÖPNV billiger oder sogar umsonst sein sollte.

Im zweiten Teil ging es darum, was jeder Einzelne tun kann. Die 19-jährige Hannah Fiederer forderte mehr Bewusstsein fürs Essen. „Mit Freunden reden, dann passiert was,“ ist sie überzeugt. Klamotten kauft sie nur ‚fair produziert‘ oder in Second-Hand-Läden. Julius Böhm, freier Journalist, verwies auf die App „Too good to go“. Mit deren Hilfe kann man abends Lebensmittel günstig kaufen, die sonst weggeworfen würden. Manfred Walser vom Ravensburger Bund für Umwelt und Naturschutz BUND forderte die Verantwortung jedes einzelnen, appellierte aber auch an die Politik: „Ich habe die Verantwortung für mein Handeln, die Politik hat die Aufgabe, Schaden vom Volk abzuwenden.“ Hannah Fiederer will schnelles Handeln: „Jetzt muss etwas passieren. Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend.“

An über 20 Tischen hatte das Publikum im Anschluss die Gelegenheit, mit verschiedenen Interessengruppen zu diskutieren und Fragen zu stellen. Das Spektrum reichte von der Städtebegrünung, über das Insektensterben und den Ausbau der Radwege bis hin zu Foodsharing. Der Verein Altdorfer Wald, der den dort geplanten Kiesabbau verhindern will, war ebenfalls vertreten.

Schade nur, dass die Veranstaltung wenig bis gar keinen Anklang bei den Ravensburger Stadträten fand. Als einzige Gemeinderätin war Maria Weithmann von den Grünen gekommen. Sie befürwortete die politischen Aktivitäten der Jugendlichen und forderte auch konkrete schnelle Entscheidungen. „Schluss mit den Sonntagsreden und Lippenbekenntnissen“, sagte sie zur Schwäbischen Zeitung am Rande der Veranstaltung.

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