Ravensburger Heilig-Nacht-Sänger haben Nachwuchssorgen

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 Die Ravensburger Heilig-Nacht-Sänger (hier ein Foto aus dem Jahr 2017) feiern in diesem Jahr ihr 150-Jähriges Bestehen.
Die Ravensburger Heilig-Nacht-Sänger (hier ein Foto aus dem Jahr 2017) feiern in diesem Jahr ihr 150-Jähriges Bestehen. (Foto: Archiv: Max Dechant)
Markus Glonnegger

Die Ravensburger Heilig-Nacht-Sänger bereiten sich derzeit auf ihr Jubiläum vor. Seit 150 Jahren besteht die in Deutschland einmalige Männergemeinschaft, die 1869 von Paul Erb gegründet wurde mit dem Anliegen, am Heiligen Abend „zur Ehre Gottes zu singen“. Nach 150 Jahren plagen den Verein nun allerdings auch Nachwuchssorgen. Gefeiert wird trotzdem – mit einem Festakt, begleitet von einer Jubiläumsausstellung zum Thema „150 Jahre Heilig-Nacht-Sänger“ am 1. Dezember in der Spitalhalle im Heilig-Geist-Spital.

Im Jahr 1869 hatten sich einige sangesfreudige Bürger dem damals noch unentbehrlichen Nachtwächter angeschlossen, um ihn bei seinem weihnachtlichen Gang durch die Straßen der Stadt zu begleiten. In den darauffolgenden Jahren gesellten sich immer mehr Menschen dazu, sodass die Gruppe der Heilig-Nacht-Sänger entstand. „Heute sind wir 25 bis 30 Sänger. Die meisten sind schon länger dabei, der Älteste ist der über 90-jährige Xaver Wolf“, erzählt der gebürtige Ravensburger Albert Erb. Er hat vor Jahren die Leitung der Heilig-Nacht-Sänger auf Wunsch seines Vorgängers Ludwig Lipp übernommen. „Wir stoßen auf unserem Weg durch die Stadt auf gute Resonanz bei den Menschen, die gerade am Heiligen Abend nach etwas Anderem suchen, an den verschiedenen Stationen des Weges durch die Stadt zuhören und am Ende am Blaserturm auch gerne das Lied ,Stille Nacht, Heilige Nacht’ mitsingen“, sagt Albert Erb.

Neue Mitglieder sind schwer zu finden

Aber die Heilig-Nacht-Sänger haben Nachwuchssorgen. Neue Mitglieder sind schwer zu finden und rekrutieren sich vorwiegend aus dem Verwandten- und Freundeskreis. Zum Repertoire der Sänger gehören zehn Lieder, die bei fünf Proben in den Wochen vor Heiligabend intensiv geübt werden. Ihren Weg beginnt die Männergemeinschaft dann in der Weihnachtsmesse in der Klosterkirche Weißenau. Anschließend singen sie auf dem Weststadtfriedhof. Dann wird Oberbürgermeister Daniel Rapp besucht, der auch beim Festakt in der Spitalhalle sprechen wird. Eine weitere Station ist die Obere Herrenstraße. Auf besonders große Resonanz stoßen die Heilig-Nacht-Sänger erfahrungsgemäß um 24 Uhr vor dem Blaserturm. Dort werden sie von einer Bläsergruppe von St. Christina unterstützt.

In früheren Zeiten waren weitere Stationen die Eichelstraße, das Obertor, der Holzmarkt, das Bruderhaus und die Jodokskirche. Heute findet der Abschluss im Gemeindehaus Liebfrauen statt. Die Jubiläumsausstellung in der Spitalhalle zeigt neben Zeitungsausschnitten, Berichten und Bildmaterial die Chronik der Heilig-Nacht-Sänger, die handschriftlich die Auftritte und Ereignisse seit 1869 beschreibt sowie zwei Pokale und ein Freundschaftsglas aus dem Jahr 1900 mit den Namen einstiger Sänger.

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