Ravensburger Grüne wollen Baugruppen fördern

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 Die Ravensburger Grünen-Fraktion will Baugruppen stärker fördern. Eine der wenigen hiesigen Bauherrengemeinschaften saniert der
Die Ravensburger Grünen-Fraktion will Baugruppen stärker fördern. Eine der wenigen hiesigen Bauherrengemeinschaften saniert derzeit den Beznerturm in der östlichen Vorstadt. (Foto: Archiv: Ruth Auchter)
Schwäbische Zeitung

Die Grünen-Fraktion will, dass Baugruppen in Ravensburg künftig mehr gefördert werden. Ihr Vorschlag: Baugemeinschaften sollen bei der Vergabe von städtischen Baugrundstücken bevorzugt behandelt werden – indem sie diese nicht kaufen müssen, sondern auf Erbbaurechtsbasis quasi „vermietet“ bekommen.

Die Grünen argumentieren in ihrem Antrag, dass es „nicht nachhaltig“ sei und „in der Regel diese Interessengruppe ausschließt“, Grundstücke zu marktüblichen Preisen zu verkaufen. Weiter heißt es: „Bauland als Gemeingut ist endlich und stellt städtisches Vermögen dar. Neue Wege sind notwendig, wenn wir ermöglichen wollen, dass auch Baugemeinschaften eine Chance für bezahlbares Eigentum haben.“ Pro Baugebiet sollte im Voraus festgelegt werden, welcher Anteil Baugruppen auf Erbbaurechts-Basis zur Verfügung gestellt wird, schlägt die Grünen-Fraktion vor.

Die Folge ist aus Sicht der Grünen-Stadträte Maria Weithmann und Franz Hanßler: Es entstehe eine Win-Win-Situation – „Bauwillige mit weniger Einkommen können sich die Anschaffung einer Immobilie leisten und die Stadt bleibt im Eigentum des Grundstücks“. Schließlich entwickle die Stadt Ravensburg derzeit neue Baugebiete auf öffentlichen Flächen, die sich neben dem Bau von Mietwohnungen auch für die Vergabe an Baugruppen eignen könnten – etwa in den Ortschaften oder der Weststadt.

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen beantragt daher, dass diese Initiativen von städtischer Seite bei zukünftigen Bebauungen Berücksichtigung finden, indem durch Konzeptvorgaben diese Wohn- beziehungsweise Eigentümergemeinschaftsform auf einem Teil der zu bebauenden Flächen vorgesehen werden. Baugruppen seien in der Regel generationenübergreifend zusammengesetzt, mit dem Anspruch, einander zu unterstützen. Dass es bislang in Ravensburg nur wenige Bauherrengemeinschaften gibt oder Anläufe gescheitert sind, liegt nach Ansicht der Grünen an den hohen Grundstücks- und Immobilienpreisen. Unter anderem hatte der Anlauf der Stadtverwaltung, auf dem Bezner-Areal in der östlichen Vorstadt Grundstücke für Baugemeinschaften frei zu halten nicht funktioniert: Nach anfänglichem Interesse hat sich dort nur eine Baugemeinschaft zusammengerauft, die momentan den Beznerturm in der Holbeinstraße saniert.

Die Ravensburger Grünen verweisen auf Städte wie Zürich und Wien, die Bauland oder Immobilien im Eigentum der öffentlichen Hand behielten, „um private Bodenspekulationen zu begrenzen und langfristig Einfluss auf die Entwicklung der Mieten nehmen zu können“. Sie verweisen zudem auf Tübingen: Dort zeige sich die „hohe soziale Bindungskraft dieser Quartiere, da sich Baugemeinschaften positiv auf ein integratives Miteinander und nachbarschaftliche Unterstützungsnetzwerke auswirken“.

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