Ravensburg zeigt klare Kante gegen Rassismus

Lesedauer: 4 Min
 Trommeln gegen den Hass: Der Marienplatz war übervoll bei der Demo gegen Fremdenfeindlichkeit am Montagabend.
Trommeln gegen den Hass: Der Marienplatz war übervoll bei der Demo gegen Fremdenfeindlichkeit am Montagabend. (Foto: Felix Kästle)
stellv. Redaktionsleiter

Ravensburg hat am Montagabend klare Kante gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rechte Hetze gezeigt. 2500 Menschen beteiligten sich nach Angaben des Veranstalters auf dem Marienplatz an einer Kundgebung.

Sogenannte „besorgte Bürger“ hatten, wie berichtet, für Montag eine „Mahnwache“ in der Altstadt angekündigt, als Reaktion auf die Messerattacke eines afghanischen Asylbewerbers gegen drei Männer am 28. September. Daraufhin initiierten das „Bündnis für Bleiberecht Bodensee-Oberschwaben“ und „Oberschwaben ist bunt“ ebenfalls für Montagabend eine Gegenveranstaltung. Die „Mahnwache“ wurde am Montagvormittag kurzfristig abgesagt. Die Veranstalterin fühlte sich laut eigener Auskunft durch ihre Initiative „in die rechtsextreme Ecke gedrängt“. Die Ravensburgerin hatte in ihrem Aufruf für die Demo den Wunsch geäußert, dass ihre geplante „Mahnwache“ völlig unpolitisch sein sollte. Gleichzeitig war sie aber im Internet in einem Video zu sehen, wie sie bei einer Pegida-Veranstaltung in Villingen-Schwennigen auftrat, wo sie sich selbst als „stolze Pegida-Patriotin“ bezeichnete - was an ihren Absichten zweifeln ließ.

Massive Polizeipräsenz

Die Polizeipräsenz war massiv am Montagabend in der Ravensburger Altstadt. Der Gespinstmarkt, wo die - abgesagte - „Mahnwache“ hätte stattfinden sollen, war komplett geräumt und an beiden Seiten von Mannschaftswagen der Polizei gesichert. Gespenstisch still war es hier am frühen Abend, während sich zwischen Leder- und Waaghaus immer mehr Menschen einfanden, um unter dem Motto „Wir sind mehr - Aufstehen für Vielfalt und gegen Rassismus“ für ein offenes und tolerantes Ravensburg Flagge zu zeigen.

„Wir werden unsere Straßen nicht dem braunen Mob überlassen“, sagte Michaela Matschinski vom „Bündnis für Bleiberecht Bodensee-Oberschwaben“ unter dem Jubel der Kundgebungsteilnehmer. Sie zeigte sich begeistert von der großen Zahl an Menschen, die auf den Marienplatz gekommen waren, um „Farbe zu bekennen“ gegen Intoleranz, rechte Gewalt und Hass. Das Publikum war erstaunlich vielfältig, auffällig war die große Zahl junger Leute, die sich der Demonstration anschlossen.

Hoffentlich kommen sie nie wieder.

Lilo Rademacher über das Mahnwachen-Publikum.

„Wir sind mehr als diese rassistischen Schreihälse“, meinte Jens Liedtke, Regionalsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes in seinem Redebeitrag. Er wetterte gegen die „soziale Spaltung“, die die Rechte in Deutschland vorantreibe und forderte ein klares Bekenntnis der Mehrheitsgesellschaft zu Menschenrechten, Toleranz und Solidarität. „Hoffentlich kommen sie nie wieder“, ergänzte Lilo Rademacher von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes im Hinblick auf das interessierte Publikum der zum zweiten Mal geplanten und erneut abgesagten „Mahnwache“.

Ein gemeinsames Statement der Kreisvorsitzenden der demokratischen Parteien und derer Jugendorganisationen beendete die Kundgebung auf dem Ravensburger Marienplatz am Montagabend. „Wir setzen heute ein Zeichen: Bei uns ist kein Platz für Rassismus und Ausgrenzung“, sagte Rednerin Heike Engelhardt (SPD).

Großen Applaus gab es auch für Werner Langenbacher von der Katholischen Betriebsseelsorge. Er wählte einfache Worte in seinem Redebeitrag, der mit dem Satz schloss: „Wir sind alle Geschöpfe Gottes. Und daher sind wir alle gleich.“ Seite 3

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen