Ravensburg plant zweiten verkaufsoffenen Sonntag

Lesedauer: 4 Min
 Am 31. März 2019 soll es einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag in Ravenburg geben.
Am 31. März 2019 soll es einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag in Ravenburg geben. (Foto: dpa/Jens Büttner)
Redaktionsleiter

In Ravensburg soll es nächstes Jahr einen zusätzlichen Sonntag geben, an dem die Geschäfte in der Innenstadt von 13 bis 18 Uhr öffnen dürfen. Geplanter Termin ist der 31. März. Das Thema ist bislang ausschließlich nicht öffentlich besprochen worden, am Montag soll der Gemeinderat entscheiden.

Bisher galt in Ravensburg die Regel, dass es einen verkaufsoffenen Sonntag pro Jahr gibt - den ersten Sonntag im Oktober. Diese Festsetzung gilt seit 2012, davor hatten die Kommunalpolitiker jedes Mal aufs Neue über den Termin entschieden. Veranstalter ist die Initiative Ravensburg, also Stadt und Wirtschaftsforum pro Ravensburg (Wifo).

Erlaubt sind in Baden-Württemberg maximal drei verkaufsoffene Sonntage pro Jahr, Voraussetzung ist eine Veranstaltung in der Kommune, an die sie geknüpft sind. In der Türmestadt war das im Oktober bisher stets „Ravensburg interkulturell“.

Am Sonntag, 31. März, soll der dritte Ravensburger Mobilitätstag in der Innenstadt mit der Möglichkeit zum Einkauf verbunden werden. „Wir glauben, dass beide Themen gut zueinanderpassen und hoffen, dass der Gemeinderat entsprechend zustimmt“, so Wifo-Geschäftsführer Eugen Müller auf Anfrage. Im Gegenzug soll die „lange Ravensburger Einkaufsnacht“ im Frühjahr gestrichen werden.

Der Sonntag ist grundsätzlich als ‚Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung‘, zu wahren

Martin Schöberl, Evangelischer Pfarrer von Baienfurt

Vertreter beider Kirchen in Ravensburg hatten in der Vergangenheit zwar stets grundsätzliche Bedenken an verkaufsoffenen Sonntagen angemeldet, sich mit konkreter Kritik an der Regelung in der Stadt aber weitgehend zurückgehalten. Der Grund: Gemeinsame Absprachen mit der Verwaltung und dem Wifo hatten zu einer aus Sicht der Pfarrer tolerierbaren Regelung geführt: Die Geschäfte hatten bislang nur einmal im Jahr sonntags Kunden eingeladen und da nur in der Zeit zwischen 13 und 18 Uhr. Entschieden protestiert hatte allerdings die katholische Betriebsseelsorge.

In diesem Sommer hatte Martin Schöberl, der evangelische Pfarrer von Baienfurt, eine Diskussion angestoßen, als er seine Bedenken gegen einen verkaufsoffenen Sonntag am Marktplatzfest in der Gemeinde öffentlich äußerte. Das Thema habe grundsätzliche Bedeutung, nicht nur für Baienfurt, Bedeutung aus theologischen wie auch aus rechtlichen Gründen. Schöberl: „Der Sonntag ist grundsätzlich als ‚Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung‘, wie es im Grundgesetz heißt, zu wahren.“

Er zitierte auch Martin Luther, der vor allem zwei Aspekte für den Schutz des Sonntags gesehen habe: die körperliche Ruhe und die Beschäftigung mit dem Wort Gottes. In der Bibel ist zu lesen: Am siebten Schöpfungstag ruhte Gott. Es sei ihm wichtig, dass möglichst wenige Arbeitnehmer am Sonntag arbeiten müssen und damit der Gelegenheit beraubt werden, den Tag mit ihrer Familie zu verbringen und ihre sozialen Beziehungen zu pflegen, so Pfarrer Schöberl.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen