Ravensburg bekommt zwei Gemeinschaftsschulen

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Gemeinsam länger lernen wird in Ravensburg bald an zwei Schulstandorten möglich sein. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Die Werkrealschule Kuppelnau wird ab Herbst 2013 zur Gemeinschaftsschule ab Klasse 5. Das hat der Gemeinderat der Stadt Ravensburg am Montagabend einstimmig beschlossen. Schwieriger war die Entscheidung bei der Frage, wo der Standort für die Gemeinschaftsschule im Süden auf Dauer sein soll. 21 Stadträte votierten für einen Umzug der neuen Unterrichtsform, die es seit einigen Wochen an der Obereschacher Stefan-Rahl-Schule gibt, nach Neuwiesen, zehn waren dagegen, vier enthielten sich. Nach zweistündiger, emotionaler Debatte stand damit fest: 2013, spätestens 2014 ziehen die derzeit 48 Obereschacher Gemeinschaftsschüler in die Südstadt um. Damit sind die Standorte der ersten beiden Ravensburger Gemeinschaftsschulen nach monatelanger Debatte endgültig festgelegt.

Im Fall der bereits existierenden Gemeinschaftsschule, in der die Kinder nach Klasse 4 nicht nach verschiedenen Schularten getrennt werden, sondern weiter gemeinsam lernen, standen wirtschaftliche Gesichtspunkte im Vordergrund. Nach Darstellung der Stadtverwaltung ist die Einrichtung der notwendigen Fach- und Aufenthaltsräume in Obereschach nur mit gewaltigen Investitionen möglich – Geld, das Ravensburg nicht hat. Auf der anderen Seite gehen die Schülerzahlen zurück, gleichzeitig stehen in der Neuwiesenschule in der Südstadt freie Flächen zur Verfügung. Die Verwaltung empfahl daher dringend einen Umzug dorthin.

Dagegen gab es Widerstände in den verschiedenen politischen Gremien. Zum einen wurde Bedauern darüber laut, dass mit einem Umzug von der Stefan-Rahl-Schule in die Kernstadt die Zeit der Sekundarschulen in den Ortschaften vorbei ist. Zum anderen wurden Vorwürfe laut, die Stadtverwaltung wolle den Standort in Eschach nicht und habe daher das Modell Neuwiesen „schöngerechnet“ beziehungsweise Alternativen, wie eine Sanierung des sogenannten KBZO-Gebäudes an der Stefan-Rahl-Schule, erst gar nicht geprüft. Auch werde in den städtischen Betrachtungen völlig offen gelassen, welche Folgekosten in Neuwiesen entstehen würden. All diese Vorwürfe wies die Stadtverwaltung zurück, verwies auf die Haushaltslage sowie auf genauestmögliche Berechnungen, die gemacht worden seien. Nicht zuletzt, so Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp, habe der Gemeinderat selbst beschlossen, dass es für die Gemeinschaftsschule, egal wo, keine Neubauten von Gebäuden geben solle. SPD, „Bürger für Ravensburg“ sowie Teile der Grünen und Freien Wähler stimmten dennoch gegen den Umzug nach Neuwiesen.

Einfacher war die Situation bei der Werkrealschule Kuppelnau. Die Kuppelnau hatte bereits vor einem Jahr den Wunsch geäußert, Gemeinschaftsschule zu werden, war aber bei der Gemeinderatsentscheidung im Januar nicht berücksichtigt worden. Der Zuschlag kam jetzt einstimmig, zum Schuljahr 2013/14 wird die Kuppelnau zur Gemeinschaftsschule, sie wird dann keine neuen Werkrealschüler mehr aufnehmen.

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