Ravensburg bekommt ein großes Stadthotel mit 120 bis 130 Zimmern

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Die Umbaupläne sind schon weit gediehen: Aus dem früheren WLZ-Gebäude soll das größte Hotel im Schussental werden. (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung

Wenn die Denkmalschutzbehörde keine gravierenden Einwände erhebt, kann schon bald mit dem Umbau des ehemaligen WLZ-Gebäudes an der Bahnlinie in ein Stadthotel begonnen werden. Eine entsprechende Bauvoranfrage liegt der Ravensburger Stadtverwaltung vor, und Grundstücke, die für das Vorhaben benötigt werden, wechselten jetzt den Besitzer. Dabei handelt es sich um die Zufahrtsstraße und einen Teil der Fläche, auf der momentan eine Halle steht, in der Natursteine gelagert sind. Die Halle soll abgerissen werden, um Platz für einen Neubau zu schaffen.

Wird die Bauvoranfrage positiv beschieden, bekommt Ravensburg, das bislang nur über einige wenige kleine Gasthäuser verfügt, ein größeres Mittelklassehotel. Architekt Werner Fricker, Fraktionschef der Freien Wähler im Ravensburger Gemeinderat, bestätigte der Schwäbischen Zeitung, dass ein Investor im WLZ-Gebäude 50 Zimmer und im angrenzenden Neubau 70 bis 80 Zimmer schaffen wolle. Drei-Sterne-Standard. Damit wäre es das größte Hotel im Mittleren Schussental, vergleichbar mit dem Ibis am Flughafen Friedrichshafen, sagt Fricker.

Auch eine Disco ist wieder geplant

Das Best Western in Weingarten als derzeit größte Herberge in der näheren Region verfügt nur über 72 Zimmer. „Unter 100 Zimmern lohnt sich ein solches Hotel heutzutage nicht mehr“, meint Fricker und verweist auch auf ein Gutachten, dass der Stadt Ravensburg eine unterdurchschnittliche Versorgung mit Gästezimmern bescheinige und einen weiteren Bedarf von 100 Zimmern ausgemacht habe. Der Dehoga, die Interessensvertretung der örtlichen Gastronomie, sieht das freilich anders. „Aber es ist ja logisch, dass die anderen Hoteliers in Ravensburg nicht begeistert über die Pläne sind“, meint Fricker.

Das Hotel wird laut dem Architekten nicht nur einen Frühstücksraum, sondern auch eine Küche und kleinere Gastronomie bekommen. Geplant ist, einen Mittagstisch für die Mitarbeiter der umgrenzenden Industriebetriebe (hauptsächlich Andritz Hydro und Voith) anzubieten. Von der Lage her sei es optimal, schwärmt der Kommunalpolitiker: Sowohl Innenstadt als auch Bahnhof sind fußläufig zu erreichen.

Gebäude spielt in der Stadtgeschichte eine große Rolle

Auch eine Disco wird wieder eingeplant, dort, wo bis vor einigen Wochen das Gonzales war. Diese wird aber nicht an den Gonzales-Betreiber Essi Fathi vergeben, sondern nach SZ-Informationen an die Familie Krelowetz, die zuletzt das beliebte Bacchus in der Ravensburger Oberstadt betrieben hatte, bis allerdings die Beschwerden über nächtliche Ruhestörung so vehement wurden, dass die Stadtverwaltung den Gastronomen einen Stellplatznachweis als unüberwindbare Hürde in den Weg legte, so dass er aufgeben musste.

Einen Konflikt zwischen Discolärm und Hotelbetrieb sieht Fricker nicht. Zwischen Disco und Zimmern seien als Pufferzone Lobby, Bar und Gastronomie des Hotels vorgesehen. Die Denkmalschutzauflagen sollen alle erfüllt werden. Das Gebäude spielt in der Ravensburger Stadtgeschichte nämlich eine wichtige Rolle. 1945 wurde dort ein Zentrallager für sogenannte „Liebesgabensendungen“ des Internationalen Roten Kreuzes eingerichtet, dabei handelte es sich laut Stadtarchivarin Beate Falk um die „Versorgung der angloamerikanischen und westeuropäischen Kriegsgefangenen mit Lebensmitteln“. Das aufgemalte riesige rote Kreuz war aus der Luft gut sichtbar. Dadurch blieb Ravensburg anders als viele Nachbarstädte von den Bombenangriffen der Alliierten verschont. Nach dem Krieg diente das Lagerhaus lange dem Agrarhandel, zuletzt der WLZ (heute Baywa), daher die in Ravensburg gebräuchliche Bezeichnung „WLZ-Gebäude“. 2011 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Gutachter sehen Defizite

Im Auftrag des Wirtschaftsforums pro Ravensburg (Wifo) hat die Kölner Unternehmensberatung BBE im Jahr 2006 unter anderem auch die Beherbergungssituation unter die Lupe genommen. Dabei schneidet die Stadt Ravensburg im Vergleich zu anderen Städten in der Region tatsächlich am schlechtesten ab. Das Gutachten macht „offensichtliche Defizite“ aus. „Abgeschlagen präsentiert sich die Stadt Ravensburg, die in allen Eizelkriterien die geringsten Werte erzielt“, schreiben die Gutachter. Allerdings wurden die Angebote in der Nachbarstadt Weingarten nicht berücksichtigt. Ravensburg hatte 2006 nur 13 Hotels, Gasthäuser und Pensionen mit 509 Betten. Die Stadt Friedrichshafen hingegen 40 Betriebe mit 2418 Betten. Ravensburg weist einen Ausstattungsgrad von zehn Betten je tausend Einwohner auf und liegt damit um 15 Betten unter dem Durchschnittswert aller sieben Vergleichsstädte, neben Friedrichshafen waren das Ulm, Dornbirn, Bregenz, Konstanz und Kempten.

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