Rapp will kein direktes Duell mit Parteifreund

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Rapp will kein direktes Duell mit Parteifreund
Rapp will kein direktes Duell mit Parteifreund
Schwäbische Zeitung

Das Stadtorchester stand bereit. Am Ende eines spannenden Sonntagabends wurde der Triumphmarsch für einen neuen Ravensburger Oberbürgermeister dann zwar nicht gespielt. Reichlich Musik ist jetzt aber drin im Wahlkampf, der in die Verlängerung geht.

Das Duell zwischen Etappensieger Daniel Rapp und seinem Verfolger Oswald Metzger spitzt sich zu – und findet gleichzeitig nicht statt.

Von Frank Hautumm und Dirk Grupe

724 Stimmen haben Rapp am Sonntag gefehlt, sonst wäre die Frage nach dem Nachfolger von Hermann Vogler bereits im ersten Wahlgang entschieden gewesen. Viele hatten zwar erwartet, dass der Sigmaringer Bürgermeister vorne liegen würde. Der recht deutliche Abstand von Rapp (46,3 Prozent der Stimmen) zu Metzger (29,1 Prozent) überraschte viele dann aber doch.

Während der 37-jährige Schultes am Ende einen klaren Etappensieg für sich reklamierte, war Metzger mit seinem Resultat nach eigenem Bekunden ebenfalls zufrieden und richtete umgehend eine Kampfansage an Rapp. Er werde das Ergebnis bei der Stichwahl am 28. März noch drehen, kündigte der ehemalige Bundestagsabgeordnete an. Er wolle noch tiefer in die Inhalte einsteigen und die dominierenden Kräfte in der Stadt von sich und seinem Programm überzeugen.

Dabei sucht Metzger auch die direkte Auseinandersetzung mit dem fast 20 Jahre jüngeren Kontrahenten und CDU-Parteifreund. Dessen Strategie wiederum heißt: weiterhin um jede Stimme kämpfen, die Wähler direkt ansprechen, „Visionen gemeinsam erarbeiten und durchsetzen“. Eine öffentliche Konfrontation mit Metzger hingegen schloss Rapp gegenüber der SZ und anderen Medienvertretern auch am Montag kategorisch aus: „Es gab genug Podiumsdiskussionen. Ich kämpfe nicht gegen jemanden, sondern für meine Ideen.“ Auf die Frage, ob er Angst vor Metzger habe, da dieser im Wahlkampf inhaltlich und argumentativ als am stärksten galt, sagte Rapp zur SZ: „Nein, das sehe ich auch anders.“

Weiterhin nicht erledigt ist für Oswald Metzger die „Twitter-Affäre“. Zwar hatte sich Rapp nach eigenem Bekunden sofort von jener für ihn tätigen Ravensburger Werbeagentur getrennt, deren Geschäftsführerin vergangene Woche über „Twitter“ Schmäh-Nachrichten über andere Kandidaten verbreitet hatte (die SZ berichtete): „Ich habe die Trennung von der Agentur zur Kenntnis genommen“, so Metzger, das reiche aber nicht: „Ich erwarte eine klare Positionierung. Es geht schließlich darum, wie jemand Wahlkampf führt.“ So habe sich Daniel Rapp bisher weder bei Brigitte Lösch noch bei ihm entschuldigt.

Metzger selbst beschäftigt im Wahlkampf auch eine Ravensburger Agentur, will darüber hinaus aber auch „Wahlkämpfer“ aus der Bevölkerung gewinnen. Dazu lädt er zu einer „Unterstützungsveranstaltung“ ein am Mittwoch in die Zehntscheuer unter dem Titel: „Bürger für Oswald Metzger“.

Gedanken über die kommenden zwei Wochen macht sich auch Daniel Rapp, der nun ohne Agentur dasteht. „Das ist ein Riesenproblem.“ Möglicherweise will er eine andere Agentur engagieren. Der Kandidat betonte überdies, dass er mit den Inhabern der geschassten Agentur nicht befreundet sei: „Unsere Väter waren befreundet.“

Die Ravensburger Grünen leckten derweil am Montag noch ihre Wunden. 15 Prozent für Brigitte Lösch waren nicht nur für Fraktionschef Manfred Lucha eine herbe Enttäuschung, nachdem die Grünen sich bei den Kommunalwahlen als zweitstärkste Partei in der Stadt etabliert hatten. Lösch hatte die Schuldigen schnell ausgemacht: „Ravensburg ist offensichtlich nicht bereit für eine Frau“, sagte sie. Ravensburg sei nach wie vor „tiefschwarz“, im Wahlkampf habe sie „unglaubliche Vorurteile und Klischees erlebt“. Ihr Rückzug war die logische Konsequenz. Die Grünen positionieren sich nun für die Stichwahl nicht: „Wir geben keine Wahlempfehlung ab“, sagte Lucha gestern.

Noch immer nicht entschieden hat sich Klaus Guggenberger. Der Rechtsanwalt aus Ravensburg hat 6,8 Prozent der Stimmen für sich gewonnen. Er habe am Montag viel Zuspruch erfahren, in der Stichwahl noch einmal anzutreten, sagte er gestern der SZ. „Bevor ich abschließend entscheide, ob ich mich an einer Neuwahl als Kandidat beteiligen oder eine Wahlempfehlung abgeben werde, wünsche ich mir aber die Klärung einiger Ungereimtheiten, die einen unguten Beigeschmack hinterlassen haben“, so Guggenberger in einer Erklärung.

Er führt unter anderem die „Schmutzkampagne im Internet“ auf. Weiterhin seien gelbe Flugblätter, „mein Markenzeichen“, verwendet worden, um angebliche Defizite eines Mitbewerbers aufzuzeigen.

 

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