Rückenleiden: Zahlen haben sich verdreifacht

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 75 Prozent aller Berufstätigen hatten nach Angaben der Krankenkasse DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr mindestens einmal Rücke
75 Prozent aller Berufstätigen hatten nach Angaben der Krankenkasse DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr mindestens einmal Rückenschmerzen. (Foto: Agr/dpa)
stellv. Redaktionsleiter

Viele Krankenkassen bieten Präventionsprogramme gegen Rückenschmerzen an. Die Angebote der DAK-Gesundheit finden sich auf www.dak.de/ruecken.

Die Zahlen sind alarmierend: Rückenprobleme sind inzwischen die Volkskrankheit Nummer 1. Nach Analysen der Krankenkasse DAK-Gesundheit ist im Landkreis Ravensburg jeder vierte Krankgeschriebene wegen Rückenschmerzen arbeitsunfähig. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl dieser Fehltage um 29 Prozent.

Das ist der prozentual höchste Anstieg aller Krankheitsarten, berichtet Michael Lenz, Leiter der DAK-Gesundheit Ravensburg. Seine Krankenkasse hat im großen Stil Zahlen ausgewertet und daraus einen aktuellen Gesundheitsreport erstellt. Bei Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems liegt der Landkreis Ravensburg deutlich über dem Landesdurchschnitt.

Laut DAK-Gesundheitsreport leiden in Baden-Württemberg rund 4,2 Millionen Erwerbstätige unter Rückenschmerzen. Drei Viertel aller Beschäftigten hatten im vergangenen Jahr mindestens einmal Rückenprobleme. Zehn Prozent aller Fehltage am Arbeitsplatz sind demnach rückenbedingt. Im Vergleich zu einer DAK-Untersuchung von 2003 haben sich diese Probleme zahlenmäßig verdreifacht. In drei Viertel der Fälle ist die Lendenwirbelsäule betroffen, bei knapp der Hälfte die Halswirbelsäule.

Überraschend: 86 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg gehen trotz Rückenproblemen zur Arbeit. Nur jeder vierte Betroffene war im vergangenen Jahr aus diesen Gründen krankgeschrieben. Die volkswirtschaftlichen Kosten, die rückenbedingte Fehltage fordern, sind dennoch enorm. Allein in Baden-Württemberg verursachten Rückenleiden im vergangenen Jahr vier Millionen Fehltage.

DAK-Leiter Michael Lenz kritisiert, dass bei Arztbesuchen der Zusammenhang von Stress und Rückenschmerzen kaum thematisiert wird: „Da sich Stress und psychische Belastungen stark auf die Rückengesundheit auswirken können, sollte dieser Aspekt stärker bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden“, fordert Lenz.

Derselben Ansicht ist Dr. Gerhard Staimer, Chefarzt für Neurochirurgie am Ravensburger Krankenhaus St. Elisabeth (EK). „Vielfach sind Rückenschmerzen nur ein Symptom“, sagt der Mediziner. Oftmals würden andere Faktoren eine Rolle für diese Beschwerden spielen. Staimer spricht vom Rücken als Projektionsfläche: „Psychischer Druck - ob im Beruf oder im Privatleben - wird vielfach unterbewusst in den Rücken projiziert.“ Und das löst dann Schmerzen aus. Dieser Aspekt werde bei Diagnose und Behandlung viel zu wenig beachtet.

Viele Krankenkassen bieten Präventionsprogramme gegen Rückenschmerzen an. Die Angebote der DAK-Gesundheit finden sich auf www.dak.de/ruecken.

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