Punks : Bürger stört Verhalten und Lärm

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Stadtrat Rolf Engler fordert ein Vorgehen gegen die Punker am Ravensburger Marienplatz. Er sieht sich dabei als Sprecher einer "
Stadtrat Rolf Engler fordert ein Vorgehen gegen die Punker am Ravensburger Marienplatz. Er sieht sich dabei als Sprecher einer " (Foto: Derek Schuh)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Stadtrat Rolf Engler lässt nicht locker. Vehement fordert er von der Ravensburger Stadtverwaltung ein Vorgehen gegen die Punks, die seit den Sommertagen wieder verstärkt ihren Stammplatz vor dem Waaghaus eingenommen haben. Engler sieht sich dabei nicht als einsamen Rufer, sondern als Sprecher einer „schweigenden Mehrheit“, wie er sagt. Fortlaufend werde er angesprochen von Bürgern, die sich am Erscheinungsbild und am Verhalten des Grüppchens stören.

Rolf Engler betont, nichts gegen diese Leute zu haben. „Solche Menschen muss eine Stadt wie Ravensburg ertragen“, sagt der CDU-Mann. Aber: „Die müssen nicht gerade so zentral sitzen.“

Engler berichtet, viele Bürger fühlten sich durch die schlichte Anwesenheit der Punks auf dem Marienplatz belästigt. Doch darum gehe es ihm in erster Linie nicht. Vielmehr kritisiert er das Verhalten. Die Gruppe, die ihr Stammlager vor dem Waaghaus aufgeschlagen hat, trinke den ganzen Tag Alkohol, uriniere vielfach in der Öffentlichkeit, höre lärmende Musik. Zudem fühlten sich Passanten durch die bellenden Hunde, die zwar in der Regel angeleint seien, bedroht. „Bei einem Teil der Bevölkerung“, sagt Engler, „führt das in der Summe zu einer gefühlten Unsicherheit.“

Unterstützung erhält Rolf Engler von Alfred Schneider. Der Filialdirektor der Südwestbank am Marienplatz stört sich auch an den Punks. „Wenn die friedlich unterm Baum sitzen und sich volllaufen lassen, dann ist mir das egal“, sagt Schneider, der seit 17 Jahren am Marienplatz arbeitet. „Aber die Lärmbelästigung ist für die Menschen, die in der näheren Umgebung arbeiten müssen, wirklich die Hölle.“ „Wir können bei geöffnetem Fenster kaum noch telefonieren“, berichtet Alfred Schneider. Ständig bellten Hunde, ständig gebe es Geschrei, hinzu komme die „höllenmäßig“ laute Musik. Schneider: „Wir sind furchtbar genervt.“

Alfred Schneider ärgert sich darüber, dass die Ravensburger Stadtverwaltung dieses Treiben mit ansieht und nichts unternimmt: „Die Stadt lässt sich auf der Nase herumtanzen, sie kapituliert vor einer Minderheitengruppe.“ Dass für die Polizei, wie in der SZ berichtete, die Punks kein Problem darstellen, will Schneider nicht glauben, schließlich rufe er mitunter selbst die Ordnungshüter, wenn der Lärm ganz unerträglich werde. Der Stadtverwaltung attestiert er „Ohnmacht“ und ein Messen mit zweierlei Maß: „Das Amt für öffentliche Ordnung springt jeder Kleinigkeit nach und stoppt jetzt sogar zu schnell fahrende Radler. Aber gegenüber den Punkern sieht sie sich außerstande, etwas zu tun.“

Rolf Engler stößt in dasselbe Horn. „Die Stadt will dieses Thema nicht angehen, dort ist kein Durchdringen möglich, die wollen einfach nicht.“ Wenn hingegen einer ein bisschen falsch parke, dann sei der Ordnungsdienst sofort zur Stelle.

Die Kreissparkasse Ravensburg, vor deren Geschäftsstelle im Waaghaus die Punks ihren Platz aufgeschlagen haben, wollten sich zu diesem Thema gegenüber der Schwäbischen Zeitung nicht äußern. Von Seiten der Bank hieß es nur, man sei „in konstruktiven Gesprächen mit der Stadt“. Die Stadtverwaltung indessen sieht keine Handhabe gegen die picknickenden Punker. Die Hunde seien angeleint, die Hürden für einen Platzverweis zu hoch. Der Ordnungsdienst, heißt es in einem Schreiben der Verwaltung, werde aber „verstärkt auf die Gruppe schauen“.

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