Premiere im Ex-Filmstudio ist geglückt

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 Auch ohne Probe ein eingespieltes Team: Reiner Panitz (rechts) und Martin Oswald im Kulturgut Ittenbeuren.
Auch ohne Probe ein eingespieltes Team: Reiner Panitz (rechts) und Martin Oswald im Kulturgut Ittenbeuren. (Foto: Hermann Marte)
Hermann Marte

Reiner Panitz und Martin Oswald haben am Freitagabend im Kulturgut Ittenbeuren ihr Publikum mit Witz, Dichtkunst und Musik unterhalten.

Reiner Panitz ist vielen als die Hälfte des Kabarettduos „Die Mehlprimeln“ bekannt. Zusammen mit seinem Bruder Dietmar ist er in dieser Formation seit bald 50 Jahren auf der Bühne. Martin Oswald, seines Zeichens Kunstprofessor, hat schon einige Texte für die beiden geschrieben. Das war für die Aufführung sicherlich hilfreich, denn der Abend war ohne vorherige Probe zur Aufführung gekommen. Panitz kam sogar erst eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung am Bahnhof in Ravensburg an. Doch von Problemen mit der Bahn ließ sich der Bühnenprofi nicht abhalten.

Martin Oswald seinerseits konnte dem Kulturgut offenbar auch nur Positives abgewinnen und eröffnete den Abend mit „Wir werden hier so gut betreut, das kann man als „betreutes Auftreten“ bezeichnen“. Dann begann er in Erinnerung an das noch nicht so lange zurückliegende Allerheiligen mit einer Lesung über die Zukunft der Grabsteine. Denn in ihrer jetzigen Form haben die ausgedient, auch hier wird die Digitalisierung Einzug halten und bald bekommt jeder als Grabbeigabe seinen Laptop mit in den Sarg, um auch im Jenseits immer online sein zu können.

Dann griff Panitz zur Gitarre und ließ das Lied vom tierischen Rassismus erklingen. Die Tiere verabscheuen sich wegen unwichtiger Unterschiede, aber der Hass auf die Meisen hält Herrn Spatz nicht davon ab, mit Frau Meise ein Verhältnis zu haben. Gott sei Dank seien die Menschen nicht so...

Der Kunstprofessor und der Gitarrist wechselten sich immer wieder ab. Schon das sorgte für unterhaltsame Variation des Abends. Zudem hielt sich Martin Oswald mit seinen Texten stets in der Prosa auf, während sich Reiner Panitz sowohl mit als auch ohne Gesang in Reimform zu Wort meldete. Beim Publikum fand jede Nummer Applaus und Gelächter.

Oswald hatte seine Texte selbst verfasst. Dabei merkte man dem Autor seine berufliche Herkunft an: Stets mit einer spitzbübischen Fröhlichkeit im Gesicht und in der Stimme brachte er auch das Publikum zuverlässig zum Schmunzeln und Lachen.

Panitz, der wie immer mit Hut auftrat, hatte an diesem Abend selbstgeschriebene Vertonungen von Gedichten mitgebracht. Allen gemein war der besondere Sprachwitz und eine ausgeprägte Bildhaftigkeit. Einige Male trug der Musiker die Gedichte auch gesprochen vor oder spielte die Gitarre ohne Gesangsbegleitung.

Es war der erste Auftritt im Kulturgut, der im früheren Filmstudio stattfand. Damit konnte der Raum gleich zu seiner Premiere seine ausgezeichnete Eignung für solche Anlässe unter Beweis stellen. Dass die beiden Akteure das Programm zuvor nicht geprobt hatten, tat der Qualität keinen Abbruch. So klappten die Wechsel zwischen beiden problemlos und falls doch eine Unsicherheit auftrat, verständigte man sich schnell. So wirkte der Abend angenehm unverkrampft und entspannt. Das Publikum hatte viel Freude an dem Duo und bedachte es zum Abschluss mit viel Applaus.

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