Prüfungen unter Verschluss

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Bislang hat in der Region noch niemand versucht, Prüfungsaufgaben zu stehlen.
Bislang hat in der Region noch niemand versucht, Prüfungsaufgaben zu stehlen. (Foto: Archiv: Felix Kästle)
Theresa Komprecht und Yannick Obergfell

Die Abiturprüfungen stehen vor der Tür, die Abiturienten im Landkreis befinden sich in der letzten Lernphase. Vor einem Jahr gab es zu dieser Zeit einen viel diskutierten Vorfall am Stuttgarter Solitude-Gymnasium: Der Tresor, in dem die Abiaufgaben bis zum Prüfungsmorgen versiegelt gelagert wurden, war von Unbekannten aufgebrochen worden. Die Aufgaben in den Fächern Englisch und Mathematik mussten in mehreren Bundesländern ausgetauscht werden. Das Kultusministerium reagierte darauf mit einer Verschärfung der Sicherheitsrichtlinien. Wie sieht es jetzt vor dem Abitur im Kreis Ravensburg aus?

Grundsätzlich geben sich die Schulleiter eben aus Sicherheitsgründen sehr bedeckt. So auch am Spohn- und Welfen-Gymnasium Ravensburg. Bisher gibt es jedoch keine Fälle aus der Region, in denen jemand versucht hatte, Prüfungsaufgaben zu entwenden. Die Sicherheitsstandards seiner Schule seien schon vor dem Einbruch in dem Stuttgarter Gymnasium 2017 sehr hoch gewesen, sagt Johannes Baumann, Schulleiter des Gymnasiums Wilhelmsdorf.

2017 wurde erstmals ein bundesweiter Aufgabenpool eingeführt, aus dem die Kultusministerien einzelne Elemente oder ganze Aufgaben für die Abiturprüfungen des jeweiligen Landes auswählen. So soll eine bessere Vergleichbarkeit der Abiturnoten in den verschiedenen Bundesländern geschaffen werden. Viele Schulleiter begrüßen das. Auch Mark Overhage, Oberstudiendirektor am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) Ravensburg, hält das für eine sinnvolle Neuerung. Andere Stimmen gibt es auch. Lehrer Daniel Axenfeld vom Gymnasium St. Konrad empfindet das noch als zu früh, da sich die Lehrpläne der Bundesländer derzeit noch zu sehr unterscheiden würden. Ähnlich denkt auch Susanne Lutz, Schulleiterin des Spohn-Gymnasiums. Grundsätzlich sei der Versuch der Anpassung der Abituraufgaben gut, doch „es wird noch viel Wasser den Rhein oder die Donau hinunterfließen, bis eine vollständige Vereinheitlichung erreicht ist.“

Die so zusammengestellten Prüfungen werden in der Woche vor dem ersten Abitag an die Schulen geliefert. Der genaue Termin, an dem die speziell versiegelten Umschläge mit den Tests ankommen, ist jedoch bis kurz vorher nicht bekannt. Sie dürfen nur vom Schulleiter oder seinem Stellvertreter entgegengenommen werden. Im Tresor werden sie bis zum Prüfungsmorgen sicher und ungeöffnet verwahrt. Der Schulleiter öffnet sie erst dann im Beisein der Fachlehrer.

Bis zum 18. April, dem ersten Prüfungstermin der allgemeinbildenden Gymnasien in diesem Jahr, kennt also keiner der Beteiligten - weder Schüler noch Lehrer - die genauen Aufgaben, die im Tresor warten. Für Mathematiklehrer kommt nun eine besondere Herausforderung: Am Morgen der Mathematikprüfung müssen die Lehrer die Aufgaben des Wahlteils in kurzer Zeit grob durchrechnen, um die Schwierigkeiten einzuschätzen. „Wir besprechen die Aufgaben im Team, aber jeder Lehrer entscheidet für seinen Kurs selbst“, beschreibt der Mathematiklehrer Xaver Jeni vom AEG diesen Vorgang. So, wie der Unterricht in den Kursen unterschiedlich ist, können auch die Aufgaben von Kurs zu Kurs an derselben Schule anders ausgewählt werden.

Danach bekommen die Abiturienten die Prüfungsbogen zum ersten Mal zu Gesicht, und der spannende Teil beginnt.

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