Polizei sucht weiter nach Katzenquälern

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Die Polizei sucht weiterhin nach den Männern, die eine Katze zu Tode gequält und ihre Tat gefilmt haben.
Die Polizei sucht weiterhin nach den Männern, die eine Katze zu Tode gequält und ihre Tat gefilmt haben.
Katja Schuler

Ein Video im Internet, das mehrere junge Männer zeigt, die eine Katze zu Tode quälen, sorgt seit Tagen für Erschütterung und Wut. Doch nun sucht die Ravensburger Polizei nicht nur nach den Tätern, sondern ist auch damit beschäftigt, zwei Jugendliche zu beschützen, die im Netz als Beteiligte beschuldigt und seither bedroht werden.

„Die Ermittlung laufen auf Hochtouren. Doch im Fall der zwei Verdächtigen haben wir bisher keine Hinweise auf einen begründeten Tatverdacht“, so ein Sprecher der Polizei. Auch das kursierende Gerücht, das Video sei in Bergatreute entstanden, habe sich bisher nicht bestätigt. Was im Netz verbreitet werde, entspreche nicht der Realität.

Entrüstung endet in Hetzkampagne

Was sich dort abspielt, ist allerdings ein schlechter Film: Unbekannte haben vergangene Woche das Video ins Netz gestellt, auf dem junge Männer mit Schaufeln in einem leeren blauen Silo auf eine Katze einschlagen, bis sie tot ist. Nachdem Tierschützer das Video auf ihrer Facebook-Seite gepostet und dazu aufgerufen hatten, bei der Suche nach den Tätern zu helfen, folgte eine Entrüstungswelle, die in einer Hetzkampagne endete. Das Video wurde innerhalb von 24 Stunden nicht nur 80 000 Mal geteilt und den Tätern mit Kommentaren wie „Abschlachten sollte man so was wie im Mittelalter“ gedroht, sondern es wurden auch Namen, Adressen, Telefonnummern und Fotos, unter anderem zusammen mit Familienmitgliedern von den angeblich Schuldigen veröffentlicht.

„Seither bekommen meine Familie und ich Drohanrufe“, erzählt einer der beiden Beschuldigten im Gespräch mit der SZ. Am Montag habe das Telefon fast ununterbrochen geklingelt. Fremde Menschen würden anrufen, ihn als Tiermörder beschimpfen oder ihm damit drohen, ihn umzubringen. „Ich schneide dir die Kehle durch“, „Pass auf, dass du nicht überfahren wirst“, sind dabei nur zwei Varianten. Doch nicht nur die jungen Männer selbst stehen im Fokus dieser Hetzkampagne, sondern auch deren Familien, Freunde und Arbeitgeber werden Opfer der Angriffe, werden am Telefon oder per Mail beschimpft. „Das ist der reinste Alptraum“, sagt eine der Mütter, mit der die SZ sprach. „Es ist unfassbar, was da auf Facebook angerichtet werden kann und das Schlimmste ist, dass wir keine Chance haben uns zu wehren.“ Warum sie als Täter genannt werden, wissen die beiden Männer nicht, sagen sie. Sie hätten mit dem Film nichts zu tun und seien von den Anschuldigungen überrumpelt worden.

Farbe des Silos als wichtige Spur

Die Polizei nimmt die Drohungen sehr ernst und ermittelt nun nicht nur wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, sondern auch im Falle der Drohungen. „Sobald die wahren Täter gefunden sind, werden wir auch das strafrechtlich verfolgen“, sagt der Sprecher. Diejenigen, die solche Hetzkampagnen im Netz starten, seien gut beraten, dies zu unterlassen. Nicht nur, weil das strafrechtliche Konsequenzen haben kann, sondern auch, weil die Ermittlungen der Polizei bisher noch keine konkreten Hinweise auf die Täter, den Tatort oder die Tatzeit ergeben haben.

Als wichtigste Spur dient der Polizei die blaue Farbe des Silos, in dem die grausame Tat begangen wurde. Die sei eher ungewöhnlich. Doch ob sich dieses nun im Kreis Ravensburg, im Kreis Biberach oder sonst irgendwo befindet, sei völlig unklar. Aufgrund des Dialektes der Männer, geht die Polizei aber zumindest davon aus, dass sich das Ganze im Raum Oberschwaben abgespielt hat.

Was passiert mit den Tätern?

Laut Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes müssen die jungen Männer, die eine Katze zu Tode quälen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe rechnen.

Bestraft wird laut des Gesetzes, wer erstens ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder zweitens einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leidenzufügt.

So wurde beispielsweise im Juni diesen Jahres ein Familienvater aus der Rhön vom Amtsgericht Fulda zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt. Er hatte einem Hundewelpen die Kehle durchgeschnitten. Da der Angeklagte vor der Tat im April 2013 mit seiner Ehefrau eine Flasche Wodka getrunken hatte, sah der Richter ihn als vermindert schuldfähig an.

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