Pausenhof für Kinder oder Parkplatz für Lehrer?

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Schwäbische Zeitung

Ziemlich „eigenartig“ findet SPD-Stadtrat Frank Walser, dass die Ravensburger Stadtverwaltung geschlagene acht Monate gebraucht hat, um den von den Bürgern für Ravensburg (BfR) initiierten und von SPD, FDP, Grünen und Freien Wählern unterstützten Antrag auf einen autofreien Schulhof der Realschule vom 22. Oktober 2012 zu bearbeiten. Wann die Sache denn endlich ins Gremium komme, will Walser wissen. Laut Gemeindeordnung ist eine Verwaltung gehalten, derartige Anträge in der nächsten, spätestens der übernächsten Gemeinderatssitzung zu behandeln.

„Das hat die Verwaltung nicht getan, weil ihr der Antrag nicht gefällt“, mutmaßt Walser. Andere Anträge wie etwa der auf Abschaffung der Stelle von Noch-Baubürgermeisterin Stephanie Utz hätten es hingegen sofort in die jeweils nächste Sitzung geschafft. Auch Siegfried Scharpf (BfR), der den Stein ins Rollen brachte, hegt den Verdacht, „dass die Verwaltung sich nicht traut“, den Realschullehrern ihre angestammten Parkplätze streitig zu machen und deshalb versucht habe, das Thema auszusitzen.

Der städtische Pressesprecher Alfred Oswald entgegnet: „Wegen der Vielzahl dringender bildungs- und schulpolitischer Themen in der Stadt und wegen des hohen Abstimmungsbedarfs zwischen den betroffenen Stellen“ sei der Antrag bislang nicht öffentlich beraten worden. Im November vergangenen Jahres habe Oberbürgermeister Daniel Rapp die Fraktionen per Zwischenbescheid wissen lassen: Die Verwaltung wolle Parkalternativen prüfen und die Ergebnisse dann mit der Schulgemeinschaft der Realschule besprechen - was zwischenzeitlich offenbar geschehen ist.

Nun steht das Thema am Mittwoch, 19. Juni, auf der Tagesordnung des Bildungs- und Sozialausschusses (BSA). Dann erfahren auch die Räte, wo die Lehrer anderswo parken könnten. Um dieser Sitzung „nicht vorzugreifen und eine unbeeinflusste Entscheidung zu ermöglichen“, mauert die Stadtverwaltung im Vorfeld mit Informationen. Scharpfs Ansicht nach kann von unbeeinflusster Entscheidung freilich keine Rede sein, sei doch seitens der Realschule „hinten rum ziemlich viel Druck aufgebaut und Politik gemacht worden“. Der BfR-Stadtrat fragt sich überdies, warum das Thema im Bildungs- und Sozialausschuss anstatt im Verwaltungsausschuss oder dem Gemeinderat diskutiert wird, „wo es richtigerweise hingehört“.

Inhaltlich hatte Scharpf im vergangenen Jahr angeregt, die 40, von Lehrern genutzten Stellplätze auf dem Parkplatz des „unteren“ Realschulgebäudes an der Wilhelmstraße, welches auch die Volkshochschule beherbergt, ins Rauenegg-Parkhaus zu verlegen, damit die Fünft- und Sechstklässler mehr Platz haben, „um sich in der Pause auszutoben“. Auch Werner Fricker (FW) meint: „Ein Schulhof soll den Schülern zur Verfügung stehen und nicht als Parkplatz missbraucht werden.“ Realschulrektor Heribert Boßlet - der sich der SZ gegenüber vor der Sitzung am 19. Juni zu der Sache ebenso wenig äußern will wie Elternbeiratsvorsitzender Markus Schäfer - hatte im Herbst vergangenen Jahres verärgert auf den Vorstoß der Fraktionen reagiert. Schließlich müssten die Lehrer oft größere Mengen an Unterrichtsmaterialien transportieren. Der Schulleiter fürchtete gar, Kollegen könnten kündigen, sollten ihnen ihre Parkplätze flöten gehen (SZ vom 25.10.2012: „Stadträte wollen Pausenhof für Kinder statt Parkplatz für Autos“).

Frank Walser kontert hingegen: Nicht jeder Lehrer habe jeden Tag schweres Gepäck zu schleppen. Seiner Meinung nach ist das Parken im Rauenegg-Parkhaus oder nebenan, auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei, durchaus zumutbar. Schließlich habe auch kein Reischmann-Mitarbeiter „einen reservierten Parkplatz“ vor seinem Arbeitsplatz. Der SPD-Stadtrat stellt außerdem klar: „Wir wollen nicht die Lehrer ärgern, sondern mehr Platz für die Schüler.“

Unter der Hand wünschen sich das offenbar auch viele Eltern - vor allem die der Fünft- und Sechstklässler. Die höheren Klassen im „oberen“ Realschulgebäude auf der anderen Seite der Frauenstraße sind ganz zufrieden mit ihrem neu gemachten Pausenhof und der Tatsache, dass sie den angrenzenden Park mit benutzen dürfen. Doch für die Kleinen sei es auf ihrem Pausenhof trotz Spielgeräten und Ballspielfeld „schon recht eng“, wie eine Mutter findet. Überhaupt habe man als Eltern das Gefühl, im Vergleich zu anderen Schulen gerate die Realschule häufig „ins Hintertreffen“ und werde generell eher stiefmütterlich behandelt. Beispielsweise habe man keine Mensa und das „Mini-Schülercafé“ halte nur ein äußerst begrenztes Angebot vor. Auch eine eigene Sporthalle fehlt der Realschule bekanntlich. Da sollte es doch zumindest möglich sein, so der elterliche Wunsch, „dass der Pausenhof auch wirklich als Pausenhof genutzt wird“.

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