OSK rutscht tief in die roten Zahlen

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Kein Gewinnbringer: Das Leutkircher Krankenhaus arbeitet defizitär.
Kein Gewinnbringer: Das Leutkircher Krankenhaus arbeitet defizitär. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung

Die Kostenschere im Gesundheitswesen klafft immer weiter auseinander. Während vor allem Personalkosten deutlich ansteigen, verbessern sich die Vergütungen der gesetzlichen Krankenkassen für die Leistungen der Krankenhäuser kaum. Das bekommt die Oberschwabenklinik GmbH schon in diesem Jahr deutlich zu spüren. Dem Klinikverbund, der zu 95 Prozent dem Kreis und zu fünf Prozent der Stadt Ravensburg gehört, fehlt ein Millionenbetrag im laufenden Betrieb. Wie hoch dieser am Ende des Jahres sein wird, lässt sich erst nach Erhalt aller Abrechnungen sagen, Geschäftsführer Dr. Sebastian Wolf rechnet aber mit drei Millionen Euro. Fest steht bislang nur: Im Vergleich zum Vorjahr muss die OSK Weniger-Einnahmen und Mehr-Ausgaben in Höhe von fast 7,5 Millionen Euro verkraften. 2010 schrieb man noch eine „schwarze Null“, verbuchte sogar bescheidene 39 000 Euro Gewinn aus dem laufenden Betrieb. Immerhin.

Kassen deckeln Einnahmen

Die Finanzierung des Gesundheitswesens ist so kompliziert, dass man als Normalsterblicher kaum durchblickt. Anders als ein x-beliebiger Dienstleister kann ein Krankenhaus seine Leistungen nicht zu einem selbstgesetzten Preis anbieten – in der Hoffnung, dass Kunden beziehungsweise Patienten kommen. Es unterliegt vielmehr dem GKV-Finanzierungsgesetz (einem Gesetz, das die Kosten bei den Gesetzlichen Krankenkassen eindämmen soll, damit die Versichertenbeiträge nicht ins Bodenlose steigen) und dem sogenannten Landesbasisfallwert. Dieser regelt die Höhe von Fallpauschalen, einem System von Klassifizierungen von Krankheiten und ihren mutmaßlichen Kosten. Eine Klinik wird also nicht wie früher nach der Verweildauer des Patienten im Krankenhaus bezahlt, sondern nach dem anteiligen Landesbasisfallwert, der im Schnitt bei 2970 Euro liegt, bei einer leichten Erkrankung vielleicht nur einen Faktor von 0,6 ansetzt, bei einer schweren Erkrankung zum Beispiel 1,5 oder höher.

Da in den vergangenen Jahren dieser Wert schrittweise über alle Krankenhäuser im Land angeglichen wurde – man spricht von einer sogenannten Konvergenzphase – hatte die OSK, die schon länger mit diesem System arbeitet, profitiert und 2,3 Millionen Euro pauschal, also leistungsunabhängig, bekommen. Diese Zahlung fällt 2011 erstmals weg. Hinzu kommt ein Effizienzabschlag in Höhe von 30 Prozent für Mehrleistungen. Die OSK behandelten (Stand Oktober 2011) zwar 500 Patienten mehr (plus 1,5 Prozent) als im Vorjahreszeitraum, erhalten aber nur 70 Prozent der erbrachten Mehrleistungen. Das bedeutet ein Minus von 900 000 Euro. Die Kostenschere zwischen Tarifsteigerungen fürs Personal und 0,24 Prozent Mehrvergütung der gesetzlichen Krankenkassen bedeuten weitere 1,26 Millionen Mehrausgaben. Dann fällt noch rechnerisch eine Erhöhung der Gebäudemiete durch den Eigenbetrieb des Landkreises IKP von drei Millionen Euro an.

Dramatischer Ausblick aufs nächste Jahr: Die für 2012 ausgehandelte Tariferhöhung liegt bei 4,2 Prozent. Die OSK hat zwar einen Haustarifvertrag, kann sich aber, wenn sie weiterhin gute Ärzte und Schwestern finden will, nicht allzu weit davon entfernen. Andererseits ist der Personaletat in Höhe von derzeit 115 Millionen Euro der einzige Posten, bei dem es laut Wolf etwas Spielraum gibt. Die Alternativen kommen nicht infrage: Weder kann die OSK unrentable Abteilungen wie die Innere Medizin schließen noch ganze Standorte dichtmachen. Wolf: „Dass kleine Standorte wie Leutkirch und Isny keine Gewinnbringer sind, ist klar.“ Von den Problemen seien aber auch größere Häuser betroffen. Landesweit sollen 2011 zwei Drittel aller Krankenhäuser rote Zahlen schreiben.

Neben dem Betriebsergebnis, das unweigerlich in Richtung Defizit schlittert, bereiten auch die Investitionen in Geräte hohe Kosten. Anders als bei den Vergütungen für Behandlungen von Patienten sind hier nicht die Krankenkassen, sondern das Land zuständig. Die jährlichen 3,5 Millionen Euro für Geräte reichen hinten und vorne nicht, um etwa ein modernes Zentralklinikum wie das Elisabethenkrankenhaus auf dem medizinischen State of the art, dem höchsten verfügbaren Entwicklungsstand, zu halten. „Bei der Summe müssten die Geräte 25 Jahre halten, realistisch ist eine Nutzungsdauer von zehn Jahren“, so Wolf. Daher komme die OSK ohne den jährlichen Gerätezuschuss des Landkreises in Höhe von drei bis fünf Millionen Euro nicht aus, und auch die jährliche Spende der Kreissparkasse von 1,5 Millionen Euro sei ein wichtiger Bestandteil dafür, dass die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben nicht noch mehr auseinanderklaffe.

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