Offene Jugendarbeit bleibt herausfordernd

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Im Jugendhaus in der Möttelinstraße ist nach turbulenten Zeiten mit viel Personalwechsel wieder Kontinuität eingekehrt. Das Ang (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung
Sibylle Emmrich

„Jugendarbeit ist Vertrauensarbeit“: So brachte es Michal Ondrejcik, Leiter der städtischen Jugentreffs in der Ravensburger Südstadt auf den Punkt. Dabei hat der Pädagoge mit dem liebenswürdigen tschechischen Zungenschlag den Vorteil, dass er schon seit einigen Jahren bewährter Ansprechpartner ist und vor allem der Treff am Schussendamm dank seiner Arbeit zahlreiche Kinder und Jugendliche anzieht. Größere Probleme gab es dagegen im Jugendhaus Mitte in der Möttelinstraße wegen vermehrtem Personalwechsel und im Jugendtreff Weststadt nach dem Abbau um eine komplette Stelle. Doch jetzt scheint wieder Ruhe und neuer Elan eingekehrt.

Dies ging aus den Berichten der drei Jugendhausleiter im Ravensburger Bildungs- und Sozialausschuss hervor. Und über alle Fraktionen hinweg gab es Lob und Anerkennung. „Schön, dass es wieder feste Teams gibt. Hier wird gute Arbeit geleistet. Toll ist die Vielfalt der Angebote“: So lautete beispielsweise die Einschätzung von Ulla Hilpert (Grüne). Die einleitende Bilanz des Ravensburger Jugendreferenten Thomas Ritsche lieferte eindrucksvolle Zahlen: Über 20000 junge Leute zwischen sechs und 27 Jahren mit 30 verschiedenen Nationalitäten werden im Jahr über die Angebote der offenen Jugendarbeit an drei Standorten erreicht. Mit einem Anteil von 73 Prozent dominieren die Jungen.

In der Weststadt fehlt eine Stelle

Insgesamt werde das Publikum, das zum größten Teil aus der Weststadt und vor allem der Domäne Hochberg kommt, stetig jünger. Das sei erfreulich, bedeute jedoch teilweise mehr Arbeit und ein erweitertes Angebot. Durchschnittlich kommen 45 Jugendliche pro Öffnungstag ins Haus, nutzen vor allem den offenen Betrieb und einige Gruppen. So wird jeden Freitag gekocht, wobei die Zutaten vom Biogärtner kommen. Das sei zwar verhältnismäßig teuer, aber pädagogisch wichtig, so Rebmann. Mit „Gewalt und Alkohol“ benannte er die zwei größten Probleme. Und das, obwohl im Jugendtreff Weststadt kein Alkohol ausgeschenkt und toleriert wird. Bei jungen Männern, die oft aus russischen, türkischen oder albanischen Elternhäusern stammen, ergibt sich da einiger Diskussionsbedarf, war herauszuhören.

Alkohol und Drogen: Das ist auch im Jugendhaus Mitte in der Möttelinstraße immer wieder Thema. Hier ist das Publikum bei rund 75 Besuchern täglich mit einem Durchschnittsalter zwischen 17 und 18 Jahren deutlich älter als in der Süd- und Weststadt. Mädchen sind auch hier in der Minderzahl; ihr Anteil liegt aber immerhin bei 32 Prozent der Besucher. Hier gibt es auch Bier im Ausschank. Das habe auch Vorteile gegenüber dem absoluten Alkoholverbot, so die Einschätzung des Leitungsteams um den Sozialpädagogen Daniel Butz: Durch den direkten Verkauf an über 16-Jährige habe man eine bessere Kontrolle und könne, wenn nötig, den Verkauf stoppen.

Hausverbot für Betrunkene

Notfalls gibt es Hausverbot, so Butz, und: „Stark betrunkene Jugendliche bleiben im Haus, bis der Krankenwagen kommt.“ Diese Situation hat es offensichtlich vor gut einem Jahr mehrfach gegeben, weil Jugendliche auf dem Spielplatz in der Nachbarschaft harten Alkohol konsumiert haben. Mit täglicher Hofaufsicht und eingezäuntem Fußgängerzugang wurde restriktiv reagiert. Aber: Das bisweilen gezielte Saufen und „Vorglühen“ ist damit nicht verschwunden. Es hat sich an andere Orte (Hirschgraben oder Mehlsack) verlagert. In Zusammenarbeit mit dem seit einigen Wochen für die Stadt tätigen Streetworker will man gegen solch problematischen Alkoholmissbrauch verstärkter vorgehen.

Aber eigentlich wollten die Jugendhaus-Mitarbeiter die positiven Seiten in den Vordergrund rücken. „Die Zufriedenheit unserer Besuch ist in Bezug auf die Angebote und Räume sehr hoch“, heißt es im Bericht, ebenso, was die Möglichkeiten der Beteiligung angeht. Fest im Programm sind Kreativ- und Sportangebote, Konzerte und die Möglichkeiten, gemeinsam zu kochen und zu essen. Die Proberäume werden von acht Bands genutzt. In einem Raum trifft sich regelmäßig eine Gruppe von Breakdancern. Sitzungsräume und Jugendhausbusse können gemietet werden.

Insgesamt gaben die Leiter der drei städtischen Jugendtreffs positive Einschätzungen ihrer Arbeit. Dies gilt auch für die Südstadt, wo die Aufteilung auf drei Standorte bei minimaler hauptamtlicher Besetzung geradezu die Quadratur des Kreises bedeutet. Gleichwohl zeigte sich Michal Ondrejcik vor allem im HInblick auf den kleinen Jugendtreff in der Schussensiedlung zufrieden.

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