„Oberzell gehört unter die ersten fünf“

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Anderson Gomes dos Santos ist seit Jahren ein fester Bestandteil des SV Oberzell.
Anderson Gomes dos Santos ist seit Jahren ein fester Bestandteil des SV Oberzell. (Foto: Christian Metz)
Christian Metz

Seine Tore haben dem SV Oberzell in den vergangenen Jahren unzählige Punkte gerettet: Anderson Gomes dos Santos ist in dieser Saison mit 23 Treffern knapp an der Torjägerkanone in der Landesliga vorbeigeschrammt. Christian Metz hat mit dem 30-Jährigen gesprochen, der mit einer kurzen Unterbrechung seit 2008 beim SVO spielt.

Am letzten Spieltag haben Sie doppelt getroffen, die Torjägerkrone ging trotzdem an Matthias Stadelmann aus Weiler, weil der gleich dreifach getroffen hat. Wie sehr ärgert man sich da?

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man vor dem letzten Spiel gleichauf ist, dann selber zwei Tore macht und es am Ende nicht reicht. Aber ich habe ehrlich gesagt damit gerechnet, dass Weiler in Eschach hoch gewinnt und die Wahrscheinlichkeit, dass Matthias Stadelmann trifft, war auch hoch.

Wenn man die Gegner fragt, was die Stärken des SVO sind, fällt fast immer Ihr Name. Gleichzeitig gibt’s immer wieder Kritik an Ihrer Spielweise. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Ich denke, dass ich ein sehr robuster Spieler bin, der keinem Zweikampf aus dem Weg geht. Ich lasse mich von den Gegenspielern auch nicht einschüchtern. Und wenn es dann auch noch spielerisch klappt und ich meiner Mannschaft helfen kann, kann ich sehr gut damit umgehen, wenn sich die Kritiker über meine Spielweise beschweren.

Manche sagen: Sie waren noch nie so gut wie jetzt. Früher ein Heißsporn, heute reif für das Kapitänsamt. Wie sehen Sie selbst Ihre Entwicklung?

Meiner Meinung nach war es spielerisch gar nicht meine beste Saison. Arbeitsbedingt kann ich seit Jahren nur jede zweite Woche trainieren – als 30-Jähriger geht das nicht komplett spurlos an einem vorbei. Aber gerade, wenn man älter wird und schon länger dabei ist, sollte man irgendwas dazugelernt haben. Ich denke, ich habe jetzt mein brasilianisches Temperament auf dem Platz viel besser im Griff als noch vor ein paar Jahren. Als ältester Spieler im Kader und als Co-Kapitän habe ich versucht, ein Vorbild für meine Mitspieler zu sein. Auch wenn es mir wahrscheinlich nicht immer gelungen ist, bin ich mit mir sehr zufrieden.

Marco Geßler von rechts auf Sie in der Mitte – das war in dieser Saison oft das Erfolgsrezept. Welche Rolle hat seine Verpflichtung für Sie und für die Mannschaft gespielt?

Man muss sich nur die Anzahl seiner Tore und Torvorlagen – die meisten in der Liga – anschauen, um zu wissen, wie wichtig Marco für mich und uns in dieser Saison war. Er ist ein Spieler, der sehr stark am Ball ist und auch keine Angst vor Zweikämpfen hat.

Die Mannschaft hat viele Tore geschossen, aber zum Leidwesen von Trainer Achim Pfuderer auch sehr viele Gegentore bekommen. Was war der Grund?

Ich denke, dafür gab es verschiedene Gründe. Einer davon war sicher, dass Manuel Schlude durch seine Verletzung viele Spiele verpasst hat. Leider hatten wir auch immer wieder individuelle Fehler, die gnadenlos bestraft wurden. Dazu kommt noch, dass wir alleine gegen die Top drei der Liga über 20 Gegentore bekommen haben. Da müssen wir in der neuen Saison besser werden.

Der SV Oberzell hat zu Hause weniger Punkte geholt als auswärts. Warum?

Es lag sicherlich daran, dass die Mannschaften, die zu uns nach Oberzell kommen, erst einmal tief stehen und versuchen, die Null zu halten. Damit hatten wir Schwierigkeiten. Auswärts war es meistens so, dass die Heimmannschaften mitspielen wollten oder mussten – und das kam uns eher entgegen.

Was waren für Sie die Saisonhöhepunkte, und welches die Tiefpunkte?

Positiv waren für mich die Siege gegen den VfB Friedrichshafen, die zwei ungeschlagenen Spiele gegen Ravensburg – und natürlich auch meine 23 Tore. Negativ waren die zwei Niederlagen gegen den Tabellenletzten und Absteiger TSV Eschach, der sich anscheinend nur in den zwei Spielen gegen den SV Oberzell motivieren konnte.

Warum bleiben Sie dem SV Oberzell treu?

Der SV Oberzell ist mittlerweile mein Heimatverein geworden und ich sehe momentan überhaupt keinen Grund, den Verein zu verlassen.

Wo geht die Reise des SV Oberzell hin? Ist nochmal Verbandsliga drin?

Was der SV Oberzell seit Jahren leistet, ist einfach sensationell. Im Vergleich zu anderen Vereinen aus der Region hat der Verein finanziell kleine Möglichkeiten und schafft es trotzdem immer wieder, eine große Rolle in der Landesliga zu spielen. Ich selber hatte ja schon das Vergnügen, mit dem SVO Landesliga-Meister zu werden und in der Verbandsliga zu spielen. Ob es dafür in den nächsten Jahren wieder reichen wird, muss sich noch zeigen. Da muss sehr viel zusammenpassen – man sieht ja, dass es in der Liga Mannschaften gibt, die sehr viel Geld investieren, es aber trotzdem nicht schaffen, Meister zu werden. Für mich gehört der SV Oberzell auf jeden Fall in jeder Landesligasaison unter die ersten fünf der Tabelle.

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