Notaufnahmen werden überrannt - das ist die Alternative

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Nur sechs von zehn Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren mit Beschwerden in die Notaufnahme eines Krankenhauses kamen, waren auch Notfälle.
Crossmediale Redakteurin

Immer mehr Menschen suchen bei körperlichen Beschwerden die Notaufnahme von Krankenhäusern auf – und beklagen sich dann über die langen Wartezeiten. Doch nicht für alle Patienten sei das die richtige Anlaufstelle, meint die Ärzteschaft im Landkreis Ravensburg. Ihr zufolge helfe bei leichten Erkrankungen viel eher der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung weiter – ein Dienst, den viele Bürger immer noch nicht kennen.

Der Sinn der ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist, die Notaufnahmen in den Städten zu entlasten. Er ist für Menschen da, die im Krankheitsfall einen Arzt in einer Praxis aufsuchen würden, nicht aber bis zum nächsten (Werk-)Tag warten können. In Ravensburg und Weingarten befindet sich der ärztliche Bereitschaftsdienst am Krankenhaus St. Elisabeth sowie am Krankenhaus 14 Nothelfer. Die in der Umgebung niedergelassenen Ärzte wechseln sich in der Ambulanz ab. Geöffnet hat der Dienst samstags, sonntags und feiertags von 8 bis 19 Uhr.

Dr. Hans Bürger, Vorsitzender der Ärzteschaft des Landkreises Ravensburg, hält den Bereitschaftsdienst für eine gute Sache. Er hat gleich mehrere Erklärungen dafür, warum trotzdem so viele Patienten mit harmlosen Wehwehchen in die Notaufnahme rennen. „Erstens wissen viele Menschen nicht, dass es den ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt“, sagt der Hausarzt aus Vogt. Zweitens seien körperliche Beschwerden immer subjektiver Natur. „Wenn man erkrankt, hält man das persönlich für einen medizinischen Notfall, auch wenn es keiner ist“, so Bürger. Und drittens würden seinen Beobachtungen zufolge viele Leute eher am Wochenende zum Arzt gehen, weil sie unter der Woche arbeiten oder andere Termine haben.

Zwei Säulen der Versorgung

Bürger unterstreicht, dass jeder Patient mit seinen Sorgen ernst genommen werde. Allerdings gebe es für jeden die richtige Anlaufstelle. „Wenn sich jemand in den Finger geschnitten hat, einen Bänderriss zugezogen hat oder mit einem Magen-Darm-Infekt kämpft, dann hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst“, so der Arzt, „wenn es um lebensbedrohliche Fälle geht – wie Vergiftung, Schlaganfall oder Herzinfarkt –, dann gehört der Patient in die Notaufnahme.“

Entsprechend unterscheiden sich die Notrufnummern. Bei wirklich ernsten Fällen kann unter der Telefonnummer 112 der Rettungsdienst alarmiert werden. Die Leitstelle des ärztlichen Bereitschaftsdienstes ist unter der bundesweit einheitlichen und kostenlosen Nummer 116117 zu erreichen.

„Es ist gut, dass wir diese zwei Säulen der Versorgung haben“, betont Dr. Hans Bürger. „Und je mehr Menschen davon wissen, desto mehr verkürzen sich auch die Wartezeiten.

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