Noch mit 100 eine Respektsperson

Lesedauer: 4 Min
 Charlotte Maria Ott (unten Mitte) mit ihren Töchtern Charlotte Stoffel (links) und Martha Wagner (rechts) sowie hinten von link
Charlotte Maria Ott (unten Mitte) mit ihren Töchtern Charlotte Stoffel (links) und Martha Wagner (rechts) sowie hinten von links Helmut Stoffel, Sabine Wagner-Ostertag, Sven Wagner und OB Daniel Rapp.
kru und Martina Kruska

Glücklich sitzt sie da inmitten ihrer Familie, links und rechts umrahmt von ihren Töchtern: Die Jubilarin mit dem schicken Kurzhaarschnitt und dem schelmischen Lächeln. „Mir geht’s so gut, ich wüsste nicht, worüber ich klagen müsste. Meine Kinder kommen und fragen immer, was fehlt.“ Zwei Töchter hat Charlotte Maria Ott und neun Urenkel, „alle ganz lieb“.

Geboren wurde sie als ältestes von acht Geschwistern in Tettnang. Barfuss mussten sie eine weite Strecke zur Schule gehen, das hat abgehärtet. Sie hat all ihre Geschwister überlebt und das, obwohl eine Tochter erzählt: „Wir kennen die Mama eigentlich nur krank.“ Schwer krank war sie, sie litt unter anderem an Multipler Sklerose und war immer wieder auf den Rollstuhl angewiesen. „MS“ ergänzt die zarte Hundertjährige „heißt: ‚Mach selbst‘. Damit bin ich immer gut gefahren.“ Bis zu einem Krankenhausaufenthalt im Spätsommer 2019 hat sie alles selbst gemacht. Sich selbst versorgt, gekocht. Im September 2019 kam sie in die Stiftung Bruderhaus in Ravensburg, wo sie sich sichtlich wohlfühlt. „Mir können’s mitenand“, sagt sie über das Pflegepersonal und ergänzt mit einem schelmischen Lächeln: „Manchmal widersprech ich auch, aber meistens schwätzt mir niemand nei“.

20 Winter auf der Insel Elba

Energie, Humor und Gottvertrauen hätten die Mama so alt werden lassen, sind sich die Töchter einig. Sie wisse, der Heiland sorge für sie. So habe sie auch den Tod beider Ehemänner verkraftet. Der erste fiel im Krieg, der zweite starb mit 97 Jahren 2011. In vielen Dingen war der ihr Vorbild. Bei der Kindererziehung war seine Devise: „Nicht zwingen, die müssen Lehrgeld zahlen“. Und damit sind sie gut gefahren. Mit ihrem zweiten Mann verbrachte sie 20 Winter auf der Insel Elba, weil es ihr dort gesundheitlich gut ging und sie kaum den Rollstuhl brauchte.

Und wieder erhebt die Hundertjährige selbst das Wort: „Ich möchte ganz, ganz ehrlich sagen, alles hat gepasst. Nix so ‚das tät ich nie mehr so machen‘. Man muss erleben und dann hinterher sagen, ‚so war’s‘. Schwierig? Irgendeine Lösung hat es immer gegeben.“ Gern erzählt Frau Ott vom Rutenfest. „Da trommle ich halt auf den Tisch. Jeder soll sehen, dass man mitmacht.“

Eine Respektsperson

Noch mit 100 Jahren ist Charlotte Maria Ott eine Respektsperson, liebevoll begleitet von ihrer Familie. Und wenn sie mal etwas vergisst, dann hilft ihr die Familie einfühlsam auf die Sprünge. Schließlich darf das sein, mit 100!

Ein Blumenstrauß, eine Urkunde vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, ein Schreiben von Oberbürgermeister Daniel Rapp, der persönlich gratulierte, ein Gläschen Sekt – Kein Wunder, dass die fröhliche Hundertjährige diesen Tag besonders genießt.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen