Neues Räuberspiel mit Pfiff

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In der Ravensburger Kult-Kneipe "Räuberhöhle" kann nicht nur getrunken werden, sondern auch gespielt. Mit dem neuen Spiel, das die Idee des Lokals aufgreift. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

„Das ist alles nur geklaut.“ Wenn Made Höld, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Räuberhöhle“ zuschlägt, dann ist der Song der sächsischen Sangesgruppe „Die Prinzen“ Programm. Jetzt hat der oberschwäbische Tausendsassa zusammen mit dem Grafiker Alexander Pohle ein eigenes Spiel präsentiert. In der Ravensburger Kultkneipe Räuberhöhle. Und natürlich geht es um Räuber.

Glück, Strategie und Spannung: Drei Elemente bestimmen das kurzweilige Spiel, das jedes Kind sofort begreift. Überhaupt. Da wird abgegriffen und geräubert, was das Zeug hält. Wer ein gutes Gedächtnis hat und darüber hinaus die richtige Ereigniskarte zieht, hat bei dem spannenden Spiel gute Karten zu gewinnen.

Die Idee ist einfach, aber wirkungsvoll. Man nehme ein ausgedehntes Legespiel, wähle 45 Kärtchen aus und beklebe die Bildseite mit einem Motiv aus dem Räuber-Spiel. Denn „Räubern“ wird als Bastelspiel angeboten. Nicht zuletzt senkt der Herausgeber damit seine Produktionskosten. Ein Schuft aber, wer Böses dabei denkt. Denn „Räubern“ ist nicht nur ein Spiel, in dem Diebstahl ganz legal und erlaubt ist, es ist auch ökologisch sinnvoll, somit ethisch hochwertig, weil recycelnd. Die Aufgabe ist, aus den verdeckten Kärtchen Reihen mit jeweils fünf Figuren zu bilden. Dabei kann sich der Räuber hemmungslos bei seinen Mitspielern bedienen, wenn er an deren Gruppe anlegen kann. Damit es freilich nicht zu einfach wird, gibt es so genannte „Schlosskarten“. Rote, verriegelte Schlösser sollen den Diebstahl verhindern. Und Grüne, Offene ihn wieder ermöglichen.

Entsprungen ist das neue Spiel der Fantasie des Oberräubers Made Höld. Grundlage bilden die elf Räuber, nach denen die einstige Ravensburger Burgschenke benannt ist. Die wilden Gesellen aus dem Altdorfer Wald bekommen im Spiel Gesellschaft. Aus anderen Regionen Deutschlands, aus Europa, aus der Welt. Auch lebende Räuber sind dabei. Legendäre Exemplare wie Karl Mohr oder Jesse James sind ebenso dabei wie Ali Baba, Robin Hood oder der Schwarze Peter. Den gab es nämlich wirklich. Und weil es dem im Gefängnis so langweilig war, erfand er kurzerhand das beliebte Kartenspiel. Spieleerfinder Made ist nun gewiss kein Knastbruder, aber er ist den Räubern auf den Grund gegangen. Und er hat herausgefunden, dass deren Treiben fernab jeglicher Sozialromantik zu suchen ist. Es waren schlichtweg marodierende Gesellen, die gewiss aus sozialer Not, aber nicht in erster Linie aus Gerechtigkeitsempfinden ihre wohlhabenderen Zeitgenossen um deren Habseligkeiten erleichterten. Der einzige, der halbwegs dem Klischee des Mannes aus den Wäldern von Nottingham entspricht, ist der bayrische Hiasl Matthäus Klostermayer.

Auch zwei Räuberinnen haben die beiden Entwickler in ihrem Spiel ein Denkmal gesetzt: Bonnie und Clyde sind mit von der Partie und die erste deutsche Bankräuberin Gisela Werler, die ihre Überfälle stets höflich ausführte und die Kassierer mit einem freundlichen „Bitte“ aufforderte, die Kohle herauszurücken.

Grafisch umgesetzt hat das Spiel der aus Bad Schussenried stammende Grafiker Alexander Pohle. Zusammengestellt und verpackt wurde die erste 500 Exemplare umfassende Ausgabe in den Weißenauer Werkstätten des ZfP Südwürttemberg. Zu kaufen gibt das Räuberspiel bisher im Gasthaus Räuberhöhle in Ravensburg. Der Preis beträgt 4,95 Euro.

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