Neues Buch widmet sich vielfältig dem Bodensee

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 Fünf der 105 Autoren des neuen Bodensee-Buches erschienen zur Lesung bei RavensBuch (von links): Oskar Keller aus St. Gallen, P
Fünf der 105 Autoren des neuen Bodensee-Buches erschienen zur Lesung bei RavensBuch (von links): Oskar Keller aus St. Gallen, Peter Eitel aus Ravensburg, Bernd Mayer aus Wolfegg sowie Jürgen Glöckler und Harald Derschka aus Konstanz. (Foto: Dorothee Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Mit 150 einzelnen Kurzbeiträgen von insgesamt 105 Autoren wirkt das neu bei Thorbecke erschienene Bodensee-Buch wie ein Kaleidoskop. Die Sicht auf den Bodensee als zusammenhängende alte Kulturlandschaft von internationaler Bedeutung wird hier aus geologischer und geographischer, aus ökonomischer und kulturwissenschaftlicher sowie aus kunsthistorischer Sicht abwechslungsreich beleuchtet.

Die beiden Herausgeber Harald Derschka und Jürgen Klöckler, Privatdozent und Archivleiter in Konstanz, lobten bei der Vorstellung des Buches, eines Sammelbandes von zwei Jahren Arbeit, dass alle Beiträge pünktlich vorlagen – bei so vielen Mitautoren ist das tatsächlich beachtenswert. Der Numismatiker Derschka gab zunächst einen Einblick in die Arbeit des Bodenseegeschichtsvereins, eigentlich „Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung“, der sich seit 1868 um die wissenschaftliche Erschließung und die Vermittlung des aktuellen Kenntnisstandes verdient gemacht hat. In seiner „konsequenten Internationalität“ und der gemeinsamen Arbeit der drei Länder Deutschland, Österreich und Schweiz liege seine Bedeutung und durch die frühen Förderer wie die Ravensburger Familien Otto Maier und Spohn habe Ravensburg immer eine „tragende Rolle“ gespielt.

Klöckler schilderte dann das Vorhaben, das 150-jährige Bestehen des Vereins in einer Publikation zu feiern, um die sich allerdings, meist aus Zeitmangel, keiner sonderlich gerissen habe. Aus Ravensburg und Weingarten beteiligten sich außerdem die Archivarin Beate Falk, der frühere Kulturreferent Thomas Knubben und Andreas Schwab, Geograph an der PH, wie der ehemalige Stadtarchivar Peter Eitel erwähnte, der mit der „episodenhaften Erzählung der Geschichte des Bodensees“ am Beispiel der Eisenbahnpolitik in Friedrichshafen begann. Der Bahnanschluss zu diesem wichtigsten „Kornhafen“ war bereits 1850 vollzogen, sodass das gesamte Oberschwaben vom Handel mit Getreide, Holz und Torf und vom wachsenden Fremdenverkehr profitierte.

Bernd Mayer, Leiter des Waldburg-Wolfegg'schen Archivs, schilderte die Einrichtung eines Lazaretts auf Schloss Wolfegg im Jahr 1914 unter dem Fürstenpaar Maximilian und Sidonie und dem Schweizer Arzt August Staehelin, der auf Wolfegg über die eingelieferten Soldaten und seine Operationen mit der Knochensäge sehr genau Buch führte. Aus geologischer Sicht betrachtete Privatdozent Oskar Keller die Molasselandschaft des Bodensees und die Moor- und Seenlandschaft von Wurzach, Fronhofen oder Altshausen aus „Zungenbeckenseen“ und „Drumlin-Muldenseen“.

Vom „Konstanzer Pfennig“ erfuhren die zahlreichen Zuhörer von Derschka: ein hauchdünnes Silberblech mit Wulst und Perlrand, der im 13. Jahrhundert von 18 Prägestätten geprägt wurde. Dass die gesamte Bodenseeregion nach dem Zweiten Weltkrieg einmal hoch hinaus wollte, dass von Otto Feger 1946 der autonome „Schwäbisch alemannische Staat“ propagiert wurde und Carlo Schmid in einer Rede im selben Jahr wieder eine „Anti-Preußen-Stimmung“ verbreitete, weil ihm persönlich „Berlin zu nahe an Potsdam“ liege, brachte Jürgen Klöckler in seinem Beitrag in Erinnerung – regionalen Separatismus gab es eben auch, damals in Oberschwaben.

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