Neue Ausstellung „Bildschön“ in der Galerie 21.06

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 Der junge Fotokünstler Luca Anzalone stellt zum ersten Mal in Deutschland aus: Neben Katharina Arndt (Mitte) und umrahmt von de
Der junge Fotokünstler Luca Anzalone stellt zum ersten Mal in Deutschland aus: Neben Katharina Arndt (Mitte) und umrahmt von den beiden Galeristinnen Andrea Dreher und Stefanie Büchele und seinen Fotografien „Curvatura“, „Primavera“ und „Simbiosi“ (von links). (Foto: Eva Gieselberg/Galerie 21.06)
Dorothee L. Schaefer

Sind ausschließlich Frauen schön? Sicher nicht. Der Begriff „bildschön“ könnte auch einen Gegenstand beschreiben, meint aber meistens einen Menschen, und zwar einen weiblichen. Weil die männlichen Künstler immer noch weit in der Überzahl sind und das Motiv des weiblichen Aktes ein seit den Anfängen der Kunst überaus beliebtes ist? In Gender-Zeiten löst sich so manches visuell Vertraute ins zwitterhaft Artifizielle auf. Hauptsache dekorativ!

Zur Vernissage der Ausstellung in der Galerie 21.06 kamen die in Berlin und Barcelona lebende Künstlerin Katharina Arndt (geboren 1977) und der in Parma 1995 geborene Luca Anzalone, der als Fotokünstler in London arbeitet. Der international arrivierte Pop-Art-Künstler Heiner Meyer ( geboren 1953), der in Bielefeld lebt, war gerade im Ausland.

Der große Raum der Galerie wird von Meyers hochpreisigen Ölgemälden bestimmt, das Material trägt er in stark verdünnter Form auf. Es sind Motive der Warenwelt wie zum Beispiel eine Corvette, kombiniert mit einer Barbarella der Sixties, mit ebenso warenartigen Starportraits nach Fotos aus Magazinen.

Um Appetit zu bekommen ist alles zu glatt, zu matt wegen der verdünnten Ölfarben, fotorealistisch perfekt auf Leinwand gemalt, aber eine untaktile Plastikwelt, die nur in zwei kleineren Formaten (“Soft Pink“ und „Sugar Crisp II“) ironisch aufgebrochen wird. Eine Nase, Mund und Hände mit lackierten Fingernägeln – alles in Nude-Farbton – hier wäre der Begriff Inkarnat bildungslastig völlig daneben – trägt sorgsam aufgebrachte Farbreste wie von einem abgeblätterten Plakat.

Katharina Arndt verschreibt sich den comicartigen Darstellungen, 2011 wirkten ihre Portraits von Kate Moss oder Angelina Jolies blaue Wulstlippen wie schräge Ikonen der Starwelt. Jetzt führt sie wenige Motive wie Badeschaum, Zigarette, lackierte Nägel zur Diva-Darstellung zusammen („Diva after Work“ oder „Diva at Night“), die mal wie eine Parodie auf Picasso wirkt oder mit ihrer brachialen Farbe Augenbrauen wie Teigwürste aussehen lässt.

Eine Entdeckung ist der erst 24jährige Luca Anzalone, der nach seinem Studium in Bornemouth in der Modefotografie in London Karriere machte, dem es aber bei seinen mit allegorischen Titeln benannten Fotoarbeiten – alle als Fine Art Print auf Museumskarton im Rahmen – um die eigene „visuelle Stimme“ geht. Interessante Haltungsstudien, nackte Paare auf Sand oder wie Skulpturen stehend mit Goldstaub bedeckt, ein Zitat von Menzels „Balkonzimmer" mit einem flatternden Vorhang, ein weiblicher Akt im Profil, der in einen transparenten Plastikanzug wie eingeschweißt wirkt: das lädt zum Enträtseln ein und verlockt, durch die Monochromie haptisch gesteigert, zum längeren Betrachten.

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