Neben Klima-Demos: Ravensburger Schüler sammeln Müll ein - in den Ferien

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 Sammler rund um das Schwarzwäldle
Sammler rund um das Schwarzwäldle (Foto: Julius Böhm)
Julius Böhm

Etwa 60 mit Müllsäcken, Handschuhen und Warnwesten ausgestattete Kinder und Jugendliche haben sich am Samstagmorgen auf den Weg gemacht, rund um die Veitsburg, am Schwarzwäldle, an der Schnellstraße und im Höllwald in der Weststadt Müll zu sammeln.

25 prall gefüllte Säcke, Dutzende Flaschen und sogar ein altes Fahrrad ohne Reifen trugen die FFF-Aktivisten zusammen. Am Infostand auf dem Rivoliplatz wurden die traurigen Errungenschaften schließlich ausgestellt, um für Aufsehen zu sorgen und mit Passanten ins Gespräch zu kommen.

Wenn ich die Schule schwänze, bleibe ich im warmen Bett liegen und stelle mich nicht in den Regen. Sabrina Weck

Klar, Ravensburg ist nicht Berlin, und jede weggeräumte Flasche und Verpackung ist ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zu einer saubereren und lebenswerteren Umwelt. Dennoch stehen 60 Freiwillige an einem sonnigen Samstagmorgen in keinem Verhältnis zu den laut Veranstalter 1400 Demonstranten, die vor etwas mehr als zwei Wochen im strömenden Regen für Klimagerechtigkeit demonstrierten – und währenddessen nach dem Vorbild von Greta Thunberg die Schule schwänzten.

 Sabrina Weck schleppt einen gut gefüllten Müllsack an den Rivoliplatz.
Sabrina Weck schleppt einen gut gefüllten Müllsack an den Rivoliplatz. (Foto: Julius Böhm)

Es sei eine vertane Chance, könnten Kritiker jetzt meinen, den Schulschwänz-Kritikern zu beweisen, dass die vielen jungen Menschen auf den bundesweiten Klimademos es ernst meinen und eben nicht nur dabei sind, weil Mathe und Musik ausfallen und die Stimmung so gut ist.

Viele Schüler sind schon im Urlaub

Sabrina Weck lässt das nicht gelten. Sie hat das Clean-Up, neudeutsch für Müllsammelaktion, zusammen mit anderen organisiert. „Wenn ich die Schule schwänze, bleibe ich im warmen Bett liegen und stelle mich nicht in den Regen“, stellt die 18-Jährige klar. „Wir haben für das Müllsammeln bei weitem nicht so groß geworben wie für den Klimastreik. Außerdem haben die Ferien am Freitag begonnen. Viele sind in den Urlaub gestartet, hoffentlich nicht mit dem Flugzeug.“

Weck besucht die elfte Klasse des Welfengymnasiums. Mit den Leistungskursen Chemie und Gemeinschaftskunde könnte sie eine dieser Profis werden, die sich Christian Lindner für die Lösung der Klimaprobleme wünscht.

Anders als der FDP-Chef kann sich Sabrina im Notfall aber auch Verbote vorstellen, um die Umwelt zu schützen. „Am schönsten wäre es natürlich, wenn die Menschen von selbst ein Bewusstsein für die Umwelt entwickeln. Ich habe aber das Gefühl, es zählen nur Leistung und Geschwindigkeit – dann müssen wir die Freiheit eben ein wenig einschränken, um unsere Lebensgrundlage zu schützen.“

Diskssionsveranstaltung geplant

Schon auf regionaler Ebene soll gehandelt werden. Am Samstag, 18. Mai, – der Ort steht noch nicht fest – planen die Organisatoren von Fridays for Future eine Diskussionsveranstaltung. Dabei sollen Jugendliche, Eltern, Wissenschaftler und Kommunalpolitiker zusammenkommen und sich austauschen.

Lara Homes ist in die Planung involviert und wünscht sich offene Diskussionen: „Wir wollen wissen, was wir hier vor Ort besser machen können. Als erstes fällt mir da der öffentliche Nahverkehr ein.“ Die 16-Jährige ist nämlich selbst Betroffene: Sie kommt aus Ehrensberg, einem kleinen Ortsteil von Bad Waldsee, in dem es, abgesehen vom morgendlichen Schulbus, keinen Nahverkehr gibt. Heißt für die junge Frau, die in Ravensburg zur Schule geht: 30 Minuten Rad fahren, um mit dem Zug weiterzufahren.

 Franka Hausberger (von der Mitte nach rechts), Lara Homes und „Parents for Future“-Unterstützerin Sabine Buchmann-Mayer im Gesp
Franka Hausberger (von der Mitte nach rechts), Lara Homes und „Parents for Future“-Unterstützerin Sabine Buchmann-Mayer im Gespräch mit Passanten. (Foto: Julius Böhm)

Der nächste Klimastreik in Ravensburg ist für Freitag, 24. Mai, angesetzt. Mitte Juni ist ein bundesweiter Clean-Up – auch in Ravensburg – geplant. Vielleicht dann ja mit mehr Werbung und mit mehr Jugendlichen, die ihre Kritiker Lügen strafen und beweisen, dass es ihnen wirklich ernst um das Klima ist.

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