Nachhaltigkeit beim Heiraten

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 Im Mittelpunkt der Hochzeitsmesse „Ewig Dein“ in der Ravensburger Oberschwabenhalle steht Nachhaltigkeit.
Im Mittelpunkt der Hochzeitsmesse „Ewig Dein“ in der Ravensburger Oberschwabenhalle steht Nachhaltigkeit. (Foto: Veranstalter)
Schwäbische Zeitung

Die Hochzeit soll der schönste Tag des Lebens werden, das wünschen sich viele Paare. Sie planen aufwändig und mit liebevollen Details. Aber ist all das auch gut für die Umwelt, fürs Klima? Ist es nachhaltig? Bei der Ravensburger Hochzeitsmesse „Ewig Dein“ rückt das Thema laut Pressemitteilung erstmals in den Fokus. An beiden Messetagen, am 11. und 12. Januar, gibt es einen Talk auf der Bühne über Nachhaltigkeit beim Heiraten.

Christina Geiger ist Inhaberin einer Hochzeitsagentur in Ravensburg, sie moderiert den Talk. Ihre Beobachtung ist: „Bei Brautpaaren ist das Thema Nachhaltigkeit noch nicht richtig angekommen.“ Den planenden Paaren geht es um ihre Liebe, den schönen Tag, symbolkräftige Details; sie müssen schon an so vieles denken. Trotzdem ist die Expertin überzeugt: „Das Thema kommt.“ Gerade die junge Generation interessiere sich mehr denn je dafür, so zu leben, dass Umwelt und Klima möglichst wenig Schaden nehmen. Die Bewegung „Fridays for Future“ habe inzwischen viele sensibilisiert. „Und wenn jemand sich in seinem Alltag Gedanken darüber macht, dann wird das bei der Hochzeit nicht aufhören.“

An jedem Punkt weiterdenken

Bei Hochzeitsfeiern sieht sie noch viele Möglichkeiten, Details zu verändern. „Muss man wirklich 200 Luftballons steigen lassen, die dann irgendwo unverrottbar herumliegen?“ Konfetti-Bomben aus China seien leider auch noch ziemlich üblich. Was kommt auf den Tisch? Ist das Essen regional und passt zur Saison? Wo feiert man, wie weit muss man dorthin fahren, ist der Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar? Wie wird dekoriert, mit welchen Ressourcen, gäbe es Alternativen? Sind die Blumen aus der Region, passen sie zur Jahreszeit? Warum nicht eine Limousine mit flüsterleisem Elektro-Antrieb buchen? Warum nicht das Brautkleid der Oma schön herrichten lassen? „Man kann wirklich an jedem Punkt weiterdenken“, sagt Geiger.

Retro-Flair bringt auch Regine Fendt ins Spiel. Sie hat 2019 in einer Scheune ihre eigene Hochzeit gefeiert, vom Stuhl bis zum Klopapier alles selbst organisiert. „Es hat sich als Riesending entpuppt“, sagt sie heute. Seither hat sie eine Firma aufgebaut, bei der man allerhand schöne Dinge zum Heiraten mieten kann: 200 verschiedene antike Stühle beispielsweise, die den Vintage-Trend aufgreifen. Auch alte Holztische und Porzellan aus längst vergangenen Zeiten hat sie im Sortiment. „Nachhaltigkeit wird zum Riesenthema“, sagt Regine Fendt. „Wir bewegen uns in einer Zeit, in der es sehr wichtig ist, dass man sich damit beschäftigt. Für mich zum Beispiel wäre es nie ein Thema gewesen, irgendwelche Plastiksachen zu kaufen.“ Sie habe als Braut durchaus Wünsche und Ansprüche gehabt, „aber wer sich damit beschäftigt, findet auch gute Lösungen“.

Dienstleister haben Nachhaltigkeitsbewusstsein

Moderatorin Geiger spricht ein weiteres Thema an, für das die Kunden erst langsam sensibel werden: Woher kommt eigentlich der Hochzeitsschmuck, woher das Gold für die Ringe? Ist das fair gehandelt, unter welchen Bedingungen arbeiten die Menschen im Bergbau? Fair gehandeltes Gold gibt es beispielsweise in Ravensburg bei der Schatztruhe. Myriam Luther-Brändle berichtet, dass sie bislang noch nicht oft danach gefragt wird. Sie kann zwei verschiedene Konzepte anbieten: Ein Anbieter hat eine ganze Fairtrade-Kollektion fertiger Ringe. Beim anderen Anbieter kann man individuelle Ringe entwerfen. Isabell Johler-Schädler organisiert mit ihrem Team vom Hofgut Farny in Kißlegg viele Hochzeiten. Da ist Nachhaltigkeit fest integriert: „Wir verarbeiten bei uns in der Küche Produkte aus der Region.“ Die Getränke haben ganz kurze Wege, das eigene Quellwasser kommt auch im Hotel aus dem Hahn. Wer auf dem Hofgut heiratet, kann die gefahrenen Kilometer der Gäste reduzieren: Wer das Auto stehen lässt und mit dem Zug anreist, wird am Bahnhof abgeholt. „Wir haben eine kleine Kapelle, auch freie Trauungen sind direkt bei uns auf dem Hofgut möglich.“ Das Team stellt Kontakt her zu regionalen Floristen, Konditoren und anderen Lieferanten. „Wir beraten unsere Kunden auch in die Richtung. Bei uns ist Regionalität ein Teil des Konzepts“

Das passt zu dem, was Christina Geiger schon beobachtet hat: „Bei den Dienstleistern ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit schon da, die bieten das bereits an, bei Firmenfeiern wird es auch gut nachgefragt.“ Wenn es nach ihr gehe, sind Hochzeiten auch bald soweit: „Heiraten ist mehr als der Prinzessinnen-Traum. Ich glaube und hoffe, dass die Paare in den nächsten Jahren noch stärker in die nachhaltige Richtung gehen.“

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