Nach Slavetinskys Rauswurf bei den Towerstars: "Ich will die Sache nicht aussitzen"

Lesedauer: 10 Min
Abschied aus Ravensburg: Verteidiger Lukas Slavetinsky wurde von den Towerstars entlassen. (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung

Die Ära Lukas Slavetinsky in Ravensburg ist zu Ende. Am Sonntagmorgen, bevor die Mannschaft zum Auswärtsspiel nach Bad Nauheim aufbrach, gaben Towerstars-Trainer Petri Kujala und Geschäftsführer Rainer Schan dem langjährigen Verteidiger den Laufpass. „Klar war ich überrascht und enttäuscht“, sagte Slavetinsky am Sonntagnachmittag der Schwäbischen Zeitung.

Der Grund für die Entlassung liegt offenbar in einem nicht zu kittenden Zerwürfnis zwischen Kujala und Slavetinsky. „Wir hatten einfach unterschiedliche Meinungen, was das Spielsystem betrifft“, sagt der 32-jährige Eishockeyprofi. „Das gibt es halt mal im Sport.“ Kujala ließ am Sonntag per Pressemitteilung verkünden, es gebe „verschiedene Ansichten in einer wichtigen Phase des Saisonverlaufs“. Ansonsten wollte der Trainer auf Nachfrage der SZ nichts zur Causa Slavetinsky sagen und sich lieber auf das Spiel gegen Bad Nauheim konzentrieren.

„Die Chemie zwischen den beiden hat nicht mehr gestimmt“, sagte Rainer Schan. Laut dem Towerstars-Geschäftsführer habe Kujala den Rauswurf Slavetinskys gefordert. „Petri hat sich jetzt entschlossen, diesen Schritt zu gehen, ich stehe hinter dem Coach und trage die Entscheidung mit.“ Die Gräben sind offenbar nicht kurzfristig entstanden, „das ist keine Sache der letzten drei Spiele“, sagte Schan.

Große Verdienste

Slavetinsky spielte gerade seine sechste Saison bei den Towerstars, sein Fünfjahresvertrag wäre im Sommer ausgelaufen. Der Spieler hatte eine Option im Vertrag, nach der er noch um ein Jahr hätte verlängern können. „Slawa“, wie er von allen genannt wird, machte in 269 Spielen 44 Tore für Ravensburg, insgesamt sammelte er 390 Scorerpunkte. Er trug maßgeblich zum Gewinn der Meisterschaft der Towerstars in der Saison 2010/2011 bei. So machte er im Endspiel (best-of-five) gegen die Schwenninger Wild Wings das entscheidende Tor im Auswärtsspiel zum 4:3 in der Overtime oder beim alles entscheidenden 2:1-Heimsieg den unvergessenen Ausgleich zum 1:1.

Bis zum Oktober 2010 war Slavetinsky sogar Kapitän der Mannschaft, er verzichtete damals unter Trainer Peter Draisaitl auf das Amt, der Kanadier Matt Kinch führte die Mannschaft ab dann in der Meistersaison aufs Eis. „Er hat einen großen Teil dazu beigetragen, was die Towerstars in den letzten Jahren erreicht haben“, sagte Schan.

Der Mann mit der Siegfried-Frisur galt in den meisten Stadien der Liga als Reizfigur. Vor allem die Fans bei seinem Ex-Verein, den Schwenninger Wild Wings, und zuletzt bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven pflegten zu Slavetinsky ein äußerst „herzliches“ Verhältnis. Slavetinsky hat bei den Stürmern den Ruf eines sehr unangenehmen Verteidigers, er gilt nicht gerade als Kind von Traurigkeit. Im Pokalspiel gegen die Heilbronner Falken im Oktober 2012 foulte Slavetinsky Michel Léveillé kapital und wurde später von dem Spieler vor einem Zivilgericht verklagt. Die Sache ist mittlerweile, nach über einem Jahr Verhandlungen, vom Tisch. „Wir haben uns jetzt außergerichtlich geeinigt“, sagt Slavetinsky.

Der Verteidiger wurde am Sonntag von den Towerstars mit sofortiger Wirkung freigestellt und könnte somit bis zum Ende der Saison sein Gehalt beziehen. Das ist aber nicht „Slawas“ Sache: „Ich werde weiter Eishockeyspielen und werde die Sache hier in Ravensburg nicht aussitzen“, sagt er. „Das wäre auch nicht fair gegenüber dem Verein, man hat sich ja auch immer fair mir gegenüber verhalten.“ Zur Geschäftsstelle mit Rainer Schan und Klaus Nussbaumer bestehe weiter ein Top-Verhältnis, sagt Slavetinsky.

Über die Jahre war der Verteidiger auch das Gesicht der Towerstars in der Öffentlichkeit, er war Publikumsliebling und Meinungsführer. Für die Zeit nach seiner Karriere war an eine Weiterbeschäftigung als Funktionär gedacht worden. „Ich will das gar nicht ausschließen“, sagte Schan am Sonntag. Jetzt habe man aber eine Situation, in der Coach und Spieler nicht mehr zusammenarbeiten können. „Das heißt nicht, dass es kein Zurück mehr gibt für Lukas.“ Man wisse auch nicht, ob Kujala in der nächsten Saison in Ravensburg weitermacht. Klar sei nur: „So lange Kujala Trainer ist, wird Slavetinsky hier nicht mehr spielen.“

„Ich will jetzt nicht so weit in die Zukunft schauen“, sagt Slavetinsky zu diesem Thema. Zunächst wolle er so schnell wie möglich einen neuen Verein finden. „Was in den nächsten Jahren passiert, kann ich jetzt nicht sagen, das hängt auch davon ab, wo ich jetzt lande.“ Slavetinsky hat in Ravensburg auch privat seine Heimat gefunden. Er baute in Schlier ein Haus, wo er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter wohnt. Das soll auch so bleiben. „Meine Familie und ich haben uns in Ravensburg verliebt, wir fühlen uns wie Ravensburger.“

Baldiges Wiedersehen

Schon ein paar Stunden nach seinem Rauswurf hegt der Eishockeyprofi keinen Groll mehr: „Es war eine klasse Zusammenarbeit, es hat immer riesigen Spaß gemacht, hier zu spielen“. Man darf gespannt sein, wo Lukas Slavetinsky jetzt unterkommt: „Man wird sich noch mal im Ravensburger Eisstadion sehen“, ist er sich ganz sicher. Der Eishockeyprofi will zwar nicht vorgreifen, aber es scheint klar zu sein, dass ein Mann wie Slavetinsky bald einen neuen Verein finden wird. „Das kann schnell gehen.“ Etwas Wehmut schwingt dann mit in seiner Stimme, wenn er sich von seinen Fans verabschiedet: „Ich möchte mich für die wunderbaren Jahre hier bedanken. Ravensburg ist immer fair mit mir umgegangen. Dafür bin ich den Fans, Zuschauern und allen Beteiligten unendlich dankbar.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen