Musikwoche bringt sechs Nachwuchsbands auf Touren

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"Twisted Mind Anatomy" stammt aus Ravensburg (Foto: Barbara Sohler)
Schwäbische Zeitung
Barbara Sohler

Alles da, wie auf einem Konzert der ganz Großen: Draußen werden die Fans durch vier Schleusen an die Hallentüre gelotst, Sicherheitsmänner überwachen den Einlass. An den Hosen der Künstler baumeln bunte Bühnen-Pässe, die Nebelmaschine bläst Punkt 20 Uhr die ersten dicken Schwaden über die Instrumente. Und doch: Die heute hier im Oberschwabenhallen-Club auf die Bühne steigen, sind allesamt Newcomer-Bands, die bei der fünften Ravensburger Musikwoche nach allen Regeln der Kunst gecoacht worden sind. Und nun auf dem Festival zeigen wollen, was Stimmbildung und Schlagzeugtraining, was Coaching mentaler und technischer Art so alles bewirken kann.

„Was wäre, wenn?“: Das fragt Vera Aggeler aus Wangen in einem ihrer selbstgeschriebenen Songs, die sie auf der Gitarre begleitet. Ja, was wäre denn, wenn Vera keine Musik mehr machen würde? Das wäre traurig und schade. Das findet nicht nur Veras kleine Fangemeinde, die sich ganz selbstverständlich abwechselt mit den anderen Fans, ganz vorne am Absperrbereich vor der Bühne. Denn Vera füllt mit ihrer großen Stimme den Club und mit ihren Liedtexten die Herzen.

Ganz anders, nämlich rockig, lassen es die fünf Jungs angehen, die unter dem Namen „Twisted Mind Anatomy“ gemeinsam Musik machen. Frontman Jannik explodiert förmlich, wenn seine drei (!) Gitarristen dem Bass Töne entlocken, die selbst die Bühnenbretter zum oszillieren bringen. Vom Herzschlag ganz zu schweigen. Und in guter Red-Hot-Chili-Pepper-Manier wagt er auch den ganz großen Jump: den über den Rücken seines Gitarristen.

Michael Wielath, verantwortlicher Organisator der Musikwoche, an deren Ende traditionell das Newcomer-Festival steht, will sich gar nicht äußern dazu, wer von den Talenten in den vergangenen Tagen den größten Sprung gemacht hat. Bis auf die leider Fan-freie Band aus der Partnerstadt Montelimar, die bis zum finalen Auftritt noch gar keinen Namen hatte, sich nun aber „Hollow Night“ nennt, haben die Bands sowieso ihren eigenen Anhang dabei. Am Applaus lässt sich also auch nicht einwandfrei ablesen, wer nun den besten Gig abgeliefert hat. Die Ravensburger Musiker um Benedikt Kuhn, die sich bei Kandinsky alle Konsonanten für den Namen geliehen haben (KNDNSK) jedenfalls räumen beim Fanzuspruch mächtig ab. Ebenso wie die fünfköpfige Band „Own Opinion“ mit ihrer leidenschaftlichen Sängerin Debora.

Wer aber am meisten überzeugt hat, das kann Wielath aus dem Bauch heraus sagen: „To Flyer aus Aulendorf“! Und wirklich: MC Tobi Gayer bringt es fertig, dass 500 Menschen mit den Köpfen nicken, in den Knien wippen und mit den Händen die Luft komprimieren. Zusammen mit seinem DJ Martin Hettinger hat MC Tobi während der Musikwoche einen Song geschrieben, der unter dem Motto „Routine“ stehen sollte. Und eben jene verlässt der Rapper, indem er sich kurzerhand einen Gitarristen von „Own Opinion“ ausleiht – und diesen in einem zum Gefängnis stilisierten Fußballtor spielen lässt. Zu „To Flyer“-Beats selbstverständlich.

„Heisskalt“ heizt ein

Als nach gut zwei Stunden Newcomer-Musik dann die wilden Burschen von „Heisskalt“ (eine mittlerweile etablierte Stuttgarter Band) die Bühne entern, mit einem Heidenspektakel, da sind die Mitglieder aller sechs Bands der Musikwoche längst in den Strom der Zuhörer vor der Bühne eingetaucht. Und dann wird zusammen richtig abgerockt.

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