Museumsgesellschaft ehrt Hans Reinhard Rieß

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 Feiert am 17. September seinen 80. Geburtstag: Hans Reinhard Rieß, Baudezernent in Ravensburg von 1978 bis 1995, ab 2004 Vorsit
Feiert am 17. September seinen 80. Geburtstag: Hans Reinhard Rieß, Baudezernent in Ravensburg von 1978 bis 1995, ab 2004 Vorsitzender der Museumsgesellschaft. (Foto: Peitz)
gp

Bei einem Empfang für geladene Gäste ehrt die Museumsgesellschaft am Dienstag, 17. September, ihr Gründungsmitglied und früheren Vorsitzenden Hans Reinhard Rieß. Der Anlass: Der Diplomingenieur, von 1978 bis 1995 erster Mann an der Spitze der Ravensburger Bauverwaltung, feiert seinen 80. Geburtstag.

Rieß war der erste Baudezernent in dieser Stadt, parteilos und zunächst ein Dreivierteljahr auf Probe im Angestelltenverhältnis. 1979 wurde er dann einstimmig vom Gemeinderat zum zweiten Beigeordneten und Baubürgermeister gewählt und acht Jahre später im Amt bestätigt. Zwei Amtsperioden auf diesem Posten, auf dem Anfeindungen nicht ausbleiben, hat in Ravensburg bisher nur er durchgestanden. Zusammen mit den Oberbürgermeistern Karl Wäschle und Hermann Vogler hat Rieß viel bewegt.

Wäschle war es gewesen, der den Baufachmann, der aus dem böhmischen Erzgebirge stammt, aus Lüneburg hergeholt hatte. In der nordeutschen Stadt, geprägt von der Backsteingotik, hatte Hans Reinhard Rieß bereits Erfahrungen bei der Stadtsanierung gesammelt, die um 1970 im süddeutsch-italienischen Ravensburg erst anlief. Lüneburg hatte damals schon eine Fußgängerzone. „Das darf doch nicht wahr sein, dass in Ravensburg noch täglich 25 000 Fahrzeuge über den Marienplatz direkt am Rathaus vorbeirollen“, wunderte er sich damals.

Gemeinsam mit OB Wäschle, der stets voll hinter ihm gestanden habe, wie er dankbar vermerkt, und dem Gemeinderat änderte er das. Am 5. Mai 1985 wurde der Marienplatz für den Durchgangsverkehr dicht gemacht . Ein mutiger Schritt, für den es Kritik hagelte. An den Bau der Tiefgarage, der später folgte, habe er zunächst nicht so recht herangehen wollen, erinnert sich der Jubilar. Sein Credo schon damals: nicht den Individualverkehr, sondern den öffentlichen Nahverkehr fördern wie in Lüneburg. Die Altstadtsanierung hingegen lag ihm sehr am Herzen. Gänsbühl-Einkaufszentrum, Korn-, Waaghaus- und Lederhaussanierung, neue Feuerwache, Baugebiet Hochberg in der Westadt – alle diese Vorhaben wurden während seiner Amtszeit realisiert.

Nicht zu vergessen den von OB Hermann Vogler vorangetriebenen Bau des Mittelabschnitts der neuen B 30. Die Galerie im Anschluss an den Wernerhof-Tunnel müsste eigentlich nach Hans Reinhard Rieß benannt werden, denn die Idee dafür stammte nachweislich von ihm. Auch der Molldietetunnel als Bestandteil des damaligen Generalverkehrsplans sei damals schon angedacht worden, versichert Rieß. Seine stille Hoffnung sei es, dass bei der Planung und Realisierung einer seiner Söhne, ein international gefragter Experte für Tunnelsicherheit mit eigenem Büro in Zürich, herangezogen werden möge.

Gefragt nach Projekten, die er nicht realisieren konnte, nennt der noch sehr vitale Alt-Baubürgermeister die gescheiterte Landesgartenschau. „Die wäre doch für Ravensburg toll gewesen.“ Entschlossen habe er diesbezüglich mit OB Vogler an einem Strang gezogen. Eine dezentrale Gartenschau wie in Erlangen schwebte beiden vor. Doch daraus wurde nichts. Wohl aber aus der mustergültigen Spitalsanierung, bei der allerdings die Kosten aus dem Ruder liefen, so wie in unseren Tagen bei der Sanierung des Spohngymnasiums. Der erste Beigeordnete, Bürgermeister Roland Albrecht, seines Zeichens Krankenhaus-Dezernent, und Baubürgermeister Rieß als zweiter Beigeordneter wurden wegen der Spitalkosten-Explosion vor einen Untersuchungsausschuss des Gemeinderates zitiert und mussten Rede und Anwort stehen.

Gleichwohl applaudierten Gemeinderat und Zuhörer Hans Reinhard Rieß stehend, als er sich 1995 in den Ruhestand verabschiedete. Eine dritte Amtsperiode strebte er nicht zuletzt deshalb nicht mehr an, weil sein Gehör nachgelassen hatte. Er war aber weiterhin ehrenamtlich tätig, nicht nur bei der Museumsgesellschaft, sondern auch im Kirchengemeinderat von Liebfrauen, beim Rotaryclub und als Vorsitzender im Gutacherausschuss Ravensburg. Wie sehr der Jubilar über Ravensburg hinaus in Fachkreisen geschätzt wurde, davon zeugte auch sein Lehrauftrag für Stadtplanung an der FH in Biberach.

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