Museum zeigt die Kraft des Wassers

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 Am alten Laufrad aus der Ravensburger Obermühle eröffnen (von links) Museumsdirektor Christian von der Heydt, Heinz Pumpmeier,
Am alten Laufrad aus der Ravensburger Obermühle eröffnen (von links) Museumsdirektor Christian von der Heydt, Heinz Pumpmeier, (Foto: Wolfgang Steinhübel)
Schwäbische Zeitung
Wolfgang Steinhübel

Kaum ein Bereich unseres Lebens lässt sich nicht mit Wasser verbinden. Vom Weihwasser, über Wassermühlen bis hin zum Wasserbett. Das Wirtschaftsmuseum Ravensburg widmet sich in seiner zweiten Sonderausstellung mit dem Titel „Wasser – Wirtschaft – Kraft“ der wirtschaftlichen Nutzung von Wasser in den vergangenen 200 Jahren.

In seiner Eröffnungsrede stellte Museumsleiter Christian von der Heydt die Frage: „Wie viel Liter Regen fällt denn eigentlich pro Jahr im Landkreis Ravensburg?“ Es sind unglaubliche 1631810000000 Liter. Damit könnte jeder Mensch auf der Erde 1,65 Badewannen füllen. Oder man könnte einen Wasserwerfer 2587 Jahre betreiben. An Wasser mangelt es uns nicht. Es gibt zum Beispiel 1400 stehende Gewässer im Landkreis – 4000 sind es in ganz Baden-Württemberg. Auch Fließgewässer mit einer Gesamtlänge von 2200 Kilometern beeindrucken – der Rhein ist nur 1238 Kilometer lang. Doch das viele Wasser bringt keinen Nutzen, wenn nicht die erforderlichen Hygienestandards erreicht werden.

Zu verschiedenen Themenbereichen werden in der Sonderausstellung auf Holzflößen Exponate und Schautafeln gezeigt. Die Nutzung der Wasserkraft im „Blauen Landkreis“ hat jahrhundertealte Tradition. Was mit einfachen Wassermühlen begann, gipfelte im 19. Jahrhundert in der Entwicklung neuer Turbinen zur Energiegewinnung. Effektive Wasserturbinen von Escher Wyss Ravensburg gaben der oberschwäbischen Industrialisierung einen enormen Schub. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das alte Francis-Laufrad, mit dem die Ravensburger Obermühle betrieben wurde. Wolfgang Wührer, ehemaliger Geschäftsführer von Andritz Hydro Ravensburg nannte in seiner Gastrede eindrucksvolle Zahlen zur heutigen Bedeutung der Wasserkraft. Mit über 15 Prozent ist sie die weltweit drittwichtigste Form der Energiegewinnung und wird weiterhin stark nachgefragt. Wührer: „Ohne die Wasserkraft wäre der CO2-Ausstoß um 30 Prozent höher.“

Viele Beispiele aus der Region

Ein weiterer Bereich widmet sich der Trinkwasserversorgung. Der Besucher erfährt, wie mithilfe eines hydraulischen Widders die Veitsburg mit Wasser versorgt werden konnte. Am Beispiel der Brauerei Härle aus Leutkirch erkennt man die Bedeutung des Wassers für eine gute Bierqualität. Das gute oberschwäbische Bier besteht zu 90 Prozent nur aus Wasser. Oder Wasser als historische Kühlmethode: Der sogenannte Eisgalgen lieferte im Winter natürliches Eis für die Kühlung des Bierkellers.

Wasserverbrauch ist ein weiterer Schwerpunkt. Exemplarisch wird die Bedeutung von Wasser in der landwirtschaftlichen Produktion gezeigt. Dazu gibt es den Begriff „Virtuelles Wasser“. Er bezeichnet die Menge an Wasser, die für die Produktion eines Produktes aufgewendet werden muss. Der Durchschnittsbürger verbraucht dafür zwischen 4000 und 5000 Liter jeden Tag.

Ein Besuch lohnt sich. Das Wirtschaftsmuseum veranstaltet zusätzlich noch ein Gewinnspiel zum Thema „Virtuelles Wasser“. Es gibt interessante Preise zu gewinnen. An jedem zweiten Sonntag im Monat gibt es öffentliche Führungen. Sie beginnen jeweils um 14 Uhr und kosten drei Euro pro Person zuzüglich Eintritt.

Die Sonderausstellung ist von Samstag an bis 12. Oktober im Wirtschaftsmuseum Ravensburg in der Marktstraße 22 zu sehen. Telefon 0751/35505777, E-Mail:

Erwachsene zahlen drei Euro, Jugendliche und Schüler zahlen keinen Eintritt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr

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