Mordprozess Hoßkirch: Rätsel um Kaugummidose

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Die 30-jährige Frau aus Hoßkirch wurde Ende Februar 2017 tot in ihrem Auto aufgefunden. Ihr Mann lag schwer verletzt auf dem Fe
Die 30-jährige Frau aus Hoßkirch wurde Ende Februar 2017 tot in ihrem Auto aufgefunden. Ihr Mann lag schwer verletzt auf dem Feld (Foto: Archiv: Rudolf Multer)

Der Prozess wird am Freitag, 29. Juni, im Landgericht Ravensburg fortgesetzt. Da die Verteidiger noch weitere Fragen an den leitenden Ermittler haben beginnt die Sitzung früher als geplant und somit schon um 7.30 Uhr.

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Mit einem Zeugenmarathon ist der Hoßkircher Mordprozess am Montag fortgesetzt worden. 13 Personen hatte das Landgericht Ravensburg für ihre Aussagen geladen. Dem 35-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, seine Frau erwürgt und anschließend einen Autounfall vorgetäuscht zu haben, um die Tat zu vertuschen.

Die meiste Zeit nahmen die Schilderungen des leitenden Kripo-Ermittlers ein. Ausführlich schilderte der 63-Jährige die einzelnen Ermittlungsschritte sowie die bereits mehrfach berichtete Spurenlage, die den Angeklagten belastet. Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Beamten etwa Männerhandschuhe sicher, an denen mehrere ausgerissene Haare des Opfers waren. Mithilfe eines Lumineszensverfahrens wurden Blutspuren nachgewiesen. Zudem fanden die Ermittler in einer Kommode unter anderem zwei Frischhaltefolien mit Spuren der Frau und des mutmaßlichen Täters. Eine solche Folie soll auch in einer Kaugummidose in der Jacke des Angeklagten gefunden worden sein, die er getragen hatte als er Ende Februar auf dem Acker nahe dem Wagen seiner Frau lag.

Eben dieser Dose schenkten sowohl Anklage als auch Verteidigung besonderes Augenmerk. Denn Staatsanwalt Peter Spieler hakte beim Ermittler nach ob diese während der Ermittlungen in die Tasche gelangt sein könnte. Das verneinte der Beamte. Verteidiger Ralf Steiner war in der Sache skeptisch. Denn der erste Beamte vor Ort hatte zwar Ehering und einen Skipass als Fundsachen in der Jacke dokumentiert. Aber keine Kaugummidose. Auch der Polizist, der die Kleidung aus dem Krankenhaus abholte, soll sie nicht gesehen haben. Er selber hatte allerdings auch ausgesagt, sich nur an Schuhe und Hose zu erinnern. Klarheit über die Kaugummidose in der Jacke könnte nun dessen Kollegin bringen, die nun ebenfalls vorgeladen wird.

Zeugen beobachten Fahrzeug an der Einfahrt

Nur wenige Minuten dauerten die Aussagen der meisten übrigen Zeugen. Dabei ging es vor allem um Beobachtungen vom Samstagabend, 25. Februar 2017, an der Einfahrt des Hauses des Angeklagten. Eine Gruppe junger Erwachsener kehrte angetrunken von einer Fasnachtsveranstaltung zurück und schilderte, dass sie auf dem Weg zu Bekannten in der Siedlung sahen, wie aus der Garage des Hauses in Hoßkirch ein Mercedes Vito gegen 20.40 Uhr zunächst aus der Garage herausfuhr, dann aber sofort wieder hineinfuhr.

Nachbarn, die nach einem gemeinsamen Abendessen nach Hoßkirch zurückkehrten, beobachteten zwischen 20.45 und 21 Uhr, dass der Mercedes Vito aus der Garage und langsam die Straße herunterfuhr. Dies war auch einem weiteren Nachbarn aufgefallen, der auf dem Heimweg war. „Das Fahrzeug war extrem langsam unterwegs. Das war sehr auffällig, lag aber vielleicht auch an der winterlichen Witterung.“ Das Kennzeichen habe er erkannt und das Fahrzeug somit als das der Familie des Angeklagten identifiziert. Wer am Steuer des Wagens saß, das konnte aber keiner der Zeugen mit Sicherheit sagen.

Zwei Zeugen berichteten, dass sie jeweils im Vorbeifahren ein großes, dunkles Auto mit leuchtenden Scheinwerfern im Feld auf dem Gemeindeverbindungsweg zwischen Hoßkirch und Tafertsweiler gesehen hatten. Eine Zeugin gegen 23 Uhr, der andere gegen 0.45 Uhr. Einen Unfall hatte aber niemand vermutet und war daher auch nicht angehalten. Am frühen Sonntagmorgen hatte ein Spaziergänger an der Stelle schließlich das Fahrzeug gesehen und die Polizei alarmiert.

Erneut vor Gericht sagte auch die Ehetherapeutin des Paares aus. Mitte Dezember 2016 und im Januar 2017 hatten der Angeklagte und seine Frau Sitzungen bei ihr gehabt. „Sie kamen mir aber vor wie ein ganz normales Paar mit zwei kleinen Kindern, das etwas gestresst ist“, sagte die 52-Jährige. Weder Gewalt in der Ehe sei ein Thema gewesen noch habe sie psychische Auffälligkeiten beobachtet. Auch ein Anwalt, den die Ehefrau des Angeklagten aufgesucht hatte, sagte erneut aus. Bei ihm hatte sie sich für eine mögliche Trennung von ihrem Mann beraten lassen. Sorgen hätte sie sich dabei vor allem um das Sorgerecht für die Kinder gemacht.

Der Prozess wird am Freitag, 29. Juni, im Landgericht Ravensburg fortgesetzt. Da die Verteidiger noch weitere Fragen an den leitenden Ermittler haben beginnt die Sitzung früher als geplant und somit schon um 7.30 Uhr.

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