Moop Mama lassen im Konzerthaus die Logenplätze wackeln

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Band beim Auftritt
Sie haben eine explosive Bühnenshow auf die Bretter des Konzerthauses gelegt: Das Bläser-Hip-Hop-Kollektiv Moop Mama. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Kurz vor Schluss noch dieser Knaller: Das Münchner Bläser-Hip-Hop-Kollektiv Moop Mama brachte am Freitagabend Brass Music mit einer explosiven Mischung aus Rap und einer ausgefeilter Bühnenshow ins Ravensburger Konzerthaus. Es ist eines der Highlights während des Jazz-Landes-Festivals gewesen. Die zehnköpfige Marching-Band füllte im Nu das von Stuhlreihen befreite Parkett im Konzerthaus. Als Vorgruppe hatten sie das Leipziger Duo „Karl die Große“ dabei.

Moop Mama sind längst Kult – angefangen hat alles mit ihren ersten spontanen Auftritten in Fußgängerzonen und Stadtparks. So genannte „Guerilla-Gigs“, deren Charakter des Überfallartigen sie sich bis heute erhalten haben. Auch in solch traditionellen Einrichtungen wie dem Konzerthaus. „Urban Brass“ nennen sie ihre Mixturen aus Hip Hop, Rap, Funk, Soul und Jazz, bei denen die Bläser die erste Geige spielen.

Vorband „Karl die Große“ spricht Klartext

Bevor aber die Begeisterungswelle überschwappte, ging das Leipziger Duo „Karl die Große“ als Vorband an den Start. In einer selten schönen Formation ließen Singer/Songwriterin und Gitarristin Wencke Wollny und Posaunistin Antonia Hausmann den Abend vergleichsweise ruhig, aber nicht ohne klare Ansage angehen. Seit einer Woche sind sie zusammen mit Moop Mama im Bus auf Tour. Offiziell machen sie Pop mit deutschen Texten, was aber zu wenig aussagt. Ihr Sound steigerte sich zu energetisch aufgeladenen, stark verdichteten Klangteppichen. In diese fließen selbst komponierte Texte ein wie derjenige über „Die Stadt“, die sich, wie im Falle von Aufständen vor Jahren in Istanbul, nicht wehren kann.

Mit Auftrittsbeginn von Moop Mama war in Sekundenschnelle auch eines klar – jetzt herrscht eine andere Stimmung. Den Auftakt im dunklen roten Bühnenlicht machte Peter Laib mit seinem monströsen Sousaphon, in dessen Öffnung man glaubt hinein kriechen zu können. Um ihn herum, teils auf hohen Podesten verteilt, Martin Hutter und Menzel Mutzke an den Trompeten, Johannes Geiß und Marcus Kesselbauer an den Saxophonen, Peter Palmer und Jan Rößler an den Posaunen, Christoph Holzhauser an der Snaredrum und Bassdrummer Lukas Roth. Stimmungsmacher ist Rapper und Sänger Keno Langbein.

Moop Mama außer Rand und Band

Sie haben eine explosive Bühnenshow auf die Bretter gelegt mit Hits und Songs der vergangenen Jahre. In rot-weißer Kostümierung machten ihre Bläsersätze ordentlich Druck, dass einem bisweilen das Trommelfell dröhnte. Oder ganz einfach von der Bühne gefragt: „Wackeln die Logenplätze schon ein bisschen?“ Ja, der Boden vibrierte oben bis in die hinterste Reihe. Die Herren sind dazu überaus beweglich, gar tänzerisch, um so die Tradition landläufiger Blaskapellen aufzumischen. Wenn Keno Langbein seine Texte herunterraspelt, ist eines klar: Es geht um ernste Dinge im Leben, auch wenn sie im Eifer des Gefechts für den Outsider nicht immer verständlich sind. Schließlich ist alles „einfach nur super!“, was durchaus einen kritischen Unterton hat. Der Drive macht hier die Musik – und beste Laune.

Hits wie der vom „Nachbarn“, der versteht, dass es brennt, oder das nicht minder bitterböse „Kapuze“, für das Karl die Große mit auftrat, brachten die Show mit „Shitstorm“ auf den Siedepunkt. Im Wechsel mit ultraheißen Bigband-Rhythmen überstiegen jazzig groovende Soli von Altsaxophonist Johannes Geiß und den beiden Trompetern Hutter und Mutzke in Kenos Langbeins Freestyle-Medley nahezu das Vorstellungsvermögen des Machbaren. Wenn sie dann zu „Nüchtern“ und Liedzeilen wie „der Sommer, in dem man Freunde fand, was hast du dir gemerkt, das Ende oder den Neuanfang?“ ansetzen, sind alle dabei. Im Konzerthaus singen alle mit und können gar nicht mehr aufhören. „Wollt ihr noch ’ne Runde?“, ruft Keno Langbein in die Menge, die diesen Abend ausgelassen feierte.

Der Trompeter von Moop Mama, Martin Hutter, erzählt im Podcast gemeinsam mit seinem Bruder von seinem Leben als Musiker, als Sohn eines berühmten Blasmusikers und warum sich Hip-Hop und Blasmusik nicht ausschließen: 

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