Molldietetunnel wird möglicherweise erst in 25 Jahren fertig

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Ein Tunnel – ob nun für die Eisenbahn wie hier oder den Straßenverkehr – ist viel komplizierter als ein normales Straßenbauproj
Ein Tunnel – ob nun für die Eisenbahn wie hier oder den Straßenverkehr – ist viel komplizierter als ein normales Straßenbauprojekt. Die Planung für den Molldietetunnel wird wohl acht bis zehn Jahre dauern. (Foto: Symbol: Lino Mirgeler/dpa)
Schwäbische Zeitung

Große Freude herrscht in Ravensburg darüber, dass der Molldietunnel gebaut wird. Trotzdem wird es noch viele Jahre dauern, bis das erste Auto durch die Röhre fährt. Vielleicht sogar ein Vierteljahrhundert.

Fest steht nach Veröffentlichung der Prioritätenliste des Landes Baden-Württemberg für die Bundesstraßenplanung nur, dass mit der Planung des Tunnels, der die Ravensburger Innenstadt vom Durchgangsverkehr entlasten soll, vor 2025 begonnen wird. Die „Schwäbische Zeitung“ hat nachgerechnet, was das im besten und im schlimmsten Fall bedeuten kann und zwei Zukunftsvisionen skizziert.

Das Best-Case-Szenario: Das Land stellt zahlreiche neue Planer ein. Noch in diesem Jahr beginnen sie mit der Arbeit am Molldietetunnel und können dabei teilweise auf ältere Pläne aus den 1990er-Jahren zurückgreifen, die bereits eine Umweltverträglichkeitsprüfung beinhaltet haben. Die Pläne müssen zwar angepasst und auf heutige Sicherheitsstandards abgeändert werden, aber zumindest gibt es einen gewissen zeitlichen Vorsprung. Die Planungen werden schon 2026 abgeschlossen.

Mittlerweile hat die Stadtverwaltung Ravensburg kräftig die Werbetrommel für den Molldietetunnel gerührt und in einem aufwendigen Bürgerbeteiligungsverfahren für einen gesellschaftlichen Konsens gesorgt, dass der Tunnel zum Wohle aller Ravensburger ist. Lärmschutzmaßnahmen schützen die Weißenauer, niemand fürchtet, dass der Hang rutschen könnte wie seinerzeit beim Bau des Möbelhauses Rundel. Kein einziger Anwohner klagt. In Rekordzeit von nur vier Jahren wird die Röhre durch den Berg getrieben, und das erste Auto fährt 2030 durch.

Das Worst-Case-Szenario: Im Regierungspräsidium Tübingen mangelt es weiterhin an Experten, die sich um solche Projekte kümmern können. Deshalb kann mit der Planung für das 3,6 Kilometer lange Bauwerk zwischen Knollengraben und Weißenau erst 2024 begonnen werden. Die Fachleute müssen dabei bei Null anfangen, denn bislang gibt es den Molldietetunnel nur als grobe Strichlinie auf der Landkarte. Die alten Pläne aus den 1990ern sind völlig obsolet. Den Untergrund im Veitsburghang kennt man noch nicht. Ein Tunnel ist ein sehr kompliziertes Bauwerk. Brandschutz, Entlüftung und eine schwierige Topographie spielen eine Rolle. Zudem müssen wie bei jeder Straße jede Menge Naturschutzbelange berücksichtigt werden: Im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung werden seltene Tiere und schützenswerte Pflanzen untersucht. Zu klären ist auch, wo und wie der mutmaßlich starke Eingriff in die Natur ausgeglichen werden kann. Das alles dauert zehn Jahre. 2034 ist man damit fertig. Die Weißenauer sind entsetzt, weil ihnen klar wird, dass täglich 19 000 Autos mehr an ihnen vorbeirauschen werden. Und das, obwohl sie sich in den vergangenen Jahren an die schöne Stille gewöhnt haben, weil die neue B30 den Nord-Süd-Verkehr aufgenommen hat. Auf den Hängen wohnen einige wohlhabende Bürger, die sich teure Anwälte leisten können. Die Klagen ziehen sich durch zwei Instanzen und verzögern den Baubeginn um fünf Jahre. 2039 wird mit dem Bau begonnen. Er dauert fünf Jahre. Das erste Auto fährt 2044 durch die Röhre.

Wie wahrscheinlich diese Szenarien sind und welches eher eintrifft, lässt sich derzeit nicht sagen. Baubürgermeister Dirk Bastin hofft verständicherweise auf das Best-Case-Szenario. „Wir als Stadt werden jedenfalls alles dafür tun, was in unserer Macht steht, damit es eintritt.“

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