Modellprojekt zeigt Stärken und Schwächen der Gesundheitsversorgung auf

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 Wie gut sind Patienten mit verbreiteten Krankheiten im Kreis Ravensburg versorgt? Dieser Frage ist das Sozialministerium in ein
Wie gut sind Patienten mit verbreiteten Krankheiten im Kreis Ravensburg versorgt? Dieser Frage ist das Sozialministerium in einem Modellprojekt nachgegangen. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand)
Sybille Glatz

„Au! Mein Rücken!“ Kreuzschmerzen sind eine der häufigsten Krankheiten in Deutschland. Wie gut ist jemand im Kreis Ravensburg versorgt, der unter chronischen Kreuzschmerzen leidet? Was läuft gut in der Versorgung, was schlecht, und was lässt sich verbessern? Diesen Fragen ist das Sozialministerium in einem groß angelegten Modellprojekt nachgegangen. Als Modellregion wählte das Ministerium die Kreise Ravensburg, Reutlingen und Biberach aus.

Eigens gebildete Arbeitsgruppen nahmen in jedem der drei Landkreise die Versorgung der Patienten bei sieben verbreiteten Krankheiten unter die Lupe. Neben chronischen Kreuzschmerzen waren das Magersucht, Schlaganfall, Depression, Demenz, Diabetes und Darmkrebs. In den Arbeitsgruppen saßen Fach- und Hausärzte, Therapeuten, Vertreter von Apotheken, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und Selbsthilfegruppen. Die Gruppen widmeten sich jeweils einer Krankheit. Das Ergebnis: „Wir sind strukturell im Vergleich zu anderen Landkreisen sehr gut aufgestellt.

Aber es gibt natürlich immer Dinge, die man verbessern kann“, sagt Michael Föll, Leiter des Gesundheitsamtes Ravensburg, im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. So hätten alle Gruppen einen „Case Manager“ (Fall-Manager) gefordert. „Das ist eine Art Lotse, der den einzelnen Patienten durch das Gesundheitssystem führt, ihn betreut und berät“, erklärt Anika Hemme, Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes. Sie koordinierte das Modellprojekt im Kreis.

Mehr Überblick über die Versorgungsangebote und eine bessere Zusammenarbeit der einzelnen Fachgebiete – das erhoffen sich die Arbeitsgruppen auch von der Schaffung von weiteren Koordinierungsstellen. „Für Darmkrebs gibt es bereits das Darmkrebszentrum an der Oberschwabenklinik (OSK) in Ravensburg, das solche Aufgaben übernehmen kann“, sagt Hemme.

Etwas Ähnliches wünschen sich die Gruppen zu Depression, Diabetes, Demenz und Kreuzschmerzen. „Gerade chronische Kreuzschmerzen sind prädestiniert für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachärzten und Therapeuten: zwischen Psychotherapeut, Orthopäde, Schmerztherapeut, Neurologe und Physiotherapeut“, erklärt Anika Hemme,

„Ansätze gibt es dazu bereits mit dem ‚Schmerzzentrum Bodensee-Oberschwaben‘, einem Verbund von schmerztherapeutisch tätigen Ärzten und Therapeuten in der Region.“

Ein weiterer Wunsch, den alle Arbeitsgruppen äußerten, sei der nach mehr Prävention, Aufklärung und Gesundheitsförderung gewesen, berichtet Hemme. Föll ergänzt: „Zur Gesundheitsförderung gehört beispielsweise die Aufklärung über eine gesunde Ernährung in den Schulen. Gesundheitsförderung und Prävention sind bislang Stiefkinder im Gesundheitssystem.“

„Bei Schlaganfall haben wir eine gute Versorgung im Landkreis“, stellt Michael Föll fest. Die Teilnehmer der betreffenden Arbeitsgruppe hätten vor allem die überregionale „Stroke Unit“ an der Oberschwabenklinik positiv hervorgehoben. Das ist eine Schlaganfall-Spezialeinheit mit einem speziell geschulten Team aus Pflegekräften, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Ärzten.

Die „Stroke Nurse“, auf Deutsch „Schlaganfall-Krankenschwester“, begleitet die Patienten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus und hilft ihnen dabei, einen zweiten Schlaganfall zu verhindern. Das Projekt läuft seit 2012, ist jedoch bislang nicht fest verankert, sondern wird mit Spenden finanziert.

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