Mobilfunktechnik 5G: Lager sind gespalten

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 Wolfgang Blüher (stehend) als Sprecher des Agenda-Arbeitskreises Mobilfunk erörterte die Gefahren den neuen Mobilfunktechnik 5
Wolfgang Blüher (stehend) als Sprecher des Agenda-Arbeitskreises Mobilfunk erörterte die Gefahren den neuen Mobilfunktechnik 5G. Der Diskussion stellten sich auch Ravensburgs Baubürgermeister Dirk Bastin und der Technische Geschäftsführer der TWS, Helmut Hertle. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Die sogenannte 5G-Technik ist nach 4G/LTE die nächste Generation der drahtlosen Breitband-Datenverschickung und soll bis zu 100 Mal schneller sein. Allerdings steigt auch die Strahlenbelastung. Hauptsächlich von Nutzen sein wird 5G für die Idee des autonomen Fahrens, hilfreich für Anwendungen wie die Roboterchirurgie oder eine mögliche Pizzalieferung per Drohne. Auch das sogenannte „Internet of Things“ (IoT = Vernetzung von Daten und Sachen) braucht eine sichere, schnelle und energieeffiziente Mobilfunk-Verbindung, bei der große Datenmengen verschickt werden können: Beispielsweise, damit die Kaffeemaschine künftig weiß, wann sie Pads nachbestellen oder die Tasse nachfüllen muss. Ein Bericht im Handelsblatt hat jüngst erklärt, dass die Latenzzeit des 5G-Mobilfunkstandards weniger als eine Millisekunde betragen soll und damit „Daten dann schneller reisen als Menschen reagieren können“. Das Vorhaben, Milliarden von Geräten in Echtzeit miteinander zu verbinden erfordert darüber hinaus sogenannte vermaschte Netze, bei denen die Mehrzahl der Geräte Sender und gleichzeitig Empfänger von Daten anderer Geräte sein kann: Damit gewährleistet ist, dass die Signale nicht nur über die eng stehenden Masten weiter geleitet werden können sondern zunächst einmal über das nächste Gerät. Gefälliges Abfallprodukt für den Handynutzer: Er kann dann praktisch überall und ohne stockende Verbindung einen Film auf dem Smartphone streamen. Die Bundesregierung hat die 5G-Funktechnik für das Jahr 2020 angekündigt und verweist auf moderne Anwendungsszenarien wie intelligente Transportsysteme, E-Health und „Smart Cities“. Die Schweiz lässt den Betrieb von 5G-Antennen nicht zu. (bas)

„Der Agenda-Arbeitskreis Mobilfunk warnt vor den Risiken durch die geplante Mobilfunktechnik 5G“, so lautete die Einladung zu einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend, zu der sich neben den Arbeitskreismitgliedern etwa ein Dutzend Interessierte im großen Sitzungssaal des Rathauses eingefunden hatten. Auch Ravensburgs Baubürgermeister Dirk Bastin und Helmut Hertle, technischer Geschäftsführer der TWS (Technische Werke Schussental), standen der kleinen Runde für Fragen zur Verfügung. Es waren vor allem drängende Fragen nach den gesundheitlichen Auswirkungen der Technik, wie sich herausstellte.

Natürlich sind weder die Raffinessen der neuen Mobilfunktechnik 5G und schon gar nicht die Bedenken der kleinen Bürgerschar in 90 Minuten erschöpfend zu diskutieren. Und doch hat Wolfgang Blüher, der Sprecher des Agenda-Arbeitskreises, den Anspruch, den Abend kurz zu halten. Wohl, weil Blüher bereits im Vorfeld klar geworden sein muss, dass dieses Thema in Ravensburg zunächst für Unruhe sorgen wird. „Wie übrigens auch in Tübingen oder München,“ bestätigt Bastin ähnliche Diskussionen andernorts. Die Stadt Ravensburg habe jedoch „keineswegs durch einen Beschluss zu 5G Fakten geschaffen“, beruhigt er, sondern sich vielmehr als Verwaltung lediglich dem Regierungsbeschluss zu fügen: „Und den Beschluss der Bundesregierung für 5G gibt es bereits“, konstatiert Bastin die Gesetzeslage.

Sprich: 5G wird kommen. Gute oder schlechte Strahlung, schädlich oder nicht – das stehe nicht zur Diskussion. „Wir können aber entscheiden, ob wir als Modellstadt oder als Nachzügler in diese Technik einsteigen“, macht Bastin den Handlungsspielraum deutlich. Die technischen Fakten zur neuen Mobilfunk-Generation 5G erörtert Wolfgang Blüher in einem knappen Vortrag, der von Strahlenkeulen und Senderichtungen, von Antennenelementen und irgendwann auch von „diesem Unfug“ handelt, der laut Wissenschaftlern „Millionen von Menschen einem gigantischen Experiment mit unklaren Auswirkungen auf die Gesundheit aussetzt“. Schweizer Ärzte etwa warnten davor, dass diese kurzwellige Strahlung Hautkrebs begünstigen könne.

Die Liste möglicher Risiken, die Blüher vorstellt, ist lang. Und die Schelte auch in Richtung TWS nicht unerheblich. Man werbe mit dem „grünen Weg“ und dem Slogan „Das Richtige tun“, legt Blüher den Internetauftritt der TWS vor. Damals habe man „die Breitbandversorgung nicht auf dem Schirm gehabt“, kontert Hertle kleinlaut und verweist auf den Auftrag der Gesellschafter. „Und es ist besser, wir haben den Finger drauf als irgendein Dritter“, verteidigt Hertle die geplante Anbringung von 5G-fähigen Antennenelementen in den städtischen Laternenpfählen.

Dass nach der Informationsveranstaltung, in einer Art freiem Austausch auch die wenigen Bürger sich als Skeptiker und nicht als Befürworter entpuppen, sprengt beinahe den Rahmen. In der Landwirtschaft dürfe man keine krebserregenden Substanzen mehr einsetzen, weshalb also könne nicht auch im Mobilfunksektor zurückgefahren werden, fragt ein Aktivist aus Überlingen. Eine von mehreren elektrosensiblen Zuhörerinnen wünscht sich „einen Schutzraum, eine strahlungsarme Fläche zur Bebauung“, in den sie sich zurückziehen könne. Die angedachten „Omen“-Flächen (Orte mit empfindlicher Nutzung wie Schulen, Kindergärten, Kliniken) seien viel zu klein, monierte jemand, und ein anderer Zuhörer befürchtet, man werde ein „Riesengeschäft auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung“ machen wollen.

„Wir werden die Fehlentwicklung nicht aufhalten aber möglicherweise umlenken können“ – damit beschließt ein durchweg besonnener Bühler den Informationsabend. Und er ruft dazu auf, sich bemerkbar zu machen: „Schreiben Sie Leserbriefe. Tun Sie Ihre Meinung in der Bürgerfragestunde kund. Sprechen Sie mit dem Nachbarn“. Dann gelingt vielleicht, was offenbar im amerikanischen Palm Beach gelungen ist. Der Küstenort in Florida sei im digitalisierten Amerika die 5G-Ausnahme. Möglicherweise, weil dort Bill Gates und Donald Trump leben – wie Bühler vermutet.

Die sogenannte 5G-Technik ist nach 4G/LTE die nächste Generation der drahtlosen Breitband-Datenverschickung und soll bis zu 100 Mal schneller sein. Allerdings steigt auch die Strahlenbelastung. Hauptsächlich von Nutzen sein wird 5G für die Idee des autonomen Fahrens, hilfreich für Anwendungen wie die Roboterchirurgie oder eine mögliche Pizzalieferung per Drohne. Auch das sogenannte „Internet of Things“ (IoT = Vernetzung von Daten und Sachen) braucht eine sichere, schnelle und energieeffiziente Mobilfunk-Verbindung, bei der große Datenmengen verschickt werden können: Beispielsweise, damit die Kaffeemaschine künftig weiß, wann sie Pads nachbestellen oder die Tasse nachfüllen muss. Ein Bericht im Handelsblatt hat jüngst erklärt, dass die Latenzzeit des 5G-Mobilfunkstandards weniger als eine Millisekunde betragen soll und damit „Daten dann schneller reisen als Menschen reagieren können“. Das Vorhaben, Milliarden von Geräten in Echtzeit miteinander zu verbinden erfordert darüber hinaus sogenannte vermaschte Netze, bei denen die Mehrzahl der Geräte Sender und gleichzeitig Empfänger von Daten anderer Geräte sein kann: Damit gewährleistet ist, dass die Signale nicht nur über die eng stehenden Masten weiter geleitet werden können sondern zunächst einmal über das nächste Gerät. Gefälliges Abfallprodukt für den Handynutzer: Er kann dann praktisch überall und ohne stockende Verbindung einen Film auf dem Smartphone streamen. Die Bundesregierung hat die 5G-Funktechnik für das Jahr 2020 angekündigt und verweist auf moderne Anwendungsszenarien wie intelligente Transportsysteme, E-Health und „Smart Cities“. Die Schweiz lässt den Betrieb von 5G-Antennen nicht zu. (bas)

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