Mit zweideutiger Werbung sucht Handwerk neue Azubis

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Barbara Sohler

Mit Ding-Dong warb eigentlich immer die Firma Avon, von der frau über Jahrzehnte hinweg die Kosmetik an der Haustüre kaufen konnte. „Ding Dong“ heißt nun auch der erste Werbespot der Dachdeckerinnung Oberschwaben. Weil es ebenfalls um Haustürgeschäfte geht. Um zweifelhafte in diesem Fall, weil zwei Dachdecker offenbar mehr als nur die lecke Stelle im Dach aufspüren wollen. Vorgestellt wurde der Spot am vergangenen Samstag im Burgtheater. Mit dabei: Die weibliche Hauptdarstellerin Martina Schölzhorn bekannt aus der ARD-Serie „Sturm der Liebe“ die männlichen Darsteller Thomas Jakob und Chris Gutjahr und natürlich Dachdecker aller Altersklassen, die Innungsobermeister und nicht zuletzt Drehbuchautor und Regisseur Peter Frey.

Eine feuchte Stelle solle gestopft werden. Mit massiven Latten natürlich. Ja, dicke Dübel haben sie sowieso dabei, haha. Und sie fangen immer im Schlafzimmer an. So die Dialoge des 70 Sekunden-Spots, den die Firma Frey Film GmbH aus Ittenbeuren im Sommer in Ravensburg gedreht hat. Der Spot denke und wirke auf einer Meta-Ebene, erklärt Ideengeber Peter Frey. Und tatsächlich fällt nicht einmal das Wort „Sex“ im Werbefilm. Dafür aber spielt der Spot mit all den Assoziationen und Vorurteilen, über die man stolpern kann, wenn man an Dachdeckerhandwerk denkt.

Natürlich weiß auch Innungsobermeister Michael Braunwarth um diese Zweideutigkeiten. Braunwarth steht selbst seit 36 Jahren auf dem Dach, liebt seinen Beruf, kennt aber auch die Nachwuchssorgen seines Gewerbes und der 20 anderen Betriebe, die in der Dachdeckerinnung Oberschwaben zusammengefasst sind. „Also musste ein provokanter Spot her.“ Etwas, das die jungen Menschen dort abholt, wo sie sind und wo sie sich treffen. Nämlich im Internet, auf Youtube oder Facebook. Und dort greift, wo Teenager gerne verweilen. Bei lustigen Filmchen abseits des Alltäglichen.

Bei dieser Zielgruppe hinterlässt der Spot, der als virale, sich selbst verbreitende Marketingmaßnahme gedacht ist, nur positive Reaktionen: Zwar weht aus einer Gruppe junger Männer, die vor dem Kino stehen mit Zigarettenqualm auch der Begriff „sexistisch“ gen Marienplatz. Im Grunde aber schließen sich alle Sven Rust an: „Genialer Film!“ Der 33-jährige Dachdecker aus Laupheim findet gar, der „Film zwingt den Nagel auf den Punkt.“ Und nicht zuletzt deshalb, weil bei Rusts Schwiegeroma erst neulich dubiose Dachdecker einer Drückerkolonne vor der Haustür standen, bescheidet der junge Mann dem Spot: „Absolut zeitgemäß.“

Keck ist das Filmchen ohne Zweifel. Zweideutig in Sprache und Gestik. Aber schlüpfrig ist es nie, auch wenn die Jungs ungehobelt wirken und die sommerlich leicht bekleidete Dame des Hauses eher unbefangen scheint. Ob es laut und schmutzig werde, fragt sie dann noch ganz ungeniert. Ja – muss der Tenor lauten. Wenn man Haustürbetrügern aufsitzt, die unter Dachreparaturen eher Nassraumabdichtungen ohne Sicherheitsvorrichtung im Sinn haben. Für alle anderen Hausbesitzer empfiehlt sich der Gang zum Handwerksinnungsbetrieb des Vertrauens.

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