Jasmin Bühler

Bei der Sanierung der Ravensburger Marienplatztiefgarage werden aktuell wohl die gefährlichsten Arbeiten ausgeführt: Mithilfe des sogenannten „Hochdruckwasserstrahlverfahrens“ entfernen Arbeiter den chloridverseuchten Beton. Dabei bedienen sie sich einer Technik, die vereinfacht mit dem Hochdruckreiniger verglichen werden kann, den der gemeine Heimwerker zum Reinigen seines Autos oder seiner Terrasse verwendet. Jedoch gibt es einen gewaltigen Unterschied: Beim HDW-Verfahren in der Marienplatztiefgarage wird ein Druck von 2500 Bar eingesetzt – das ist zehnmal mehr an Druck als das, was ein gewöhnlicher Hochdruckreiniger aufbringt.

Im zweiten Geschoss der Tiefgarage haben die HDW-Arbeiten begonnen. Dort wird der Beton als Allererstes abgetragen – und zwar in Streifen, die 50 Zentimeter breit und 23 Zentimeter tief sind. Insgesamt 22 solcher Streifen müssen im zweiten Deck bearbeitet werden. Hier werden statische Elemente eingefügt, die die Decke für den weiteren Bauablauf verstärken und anschließend Fahrzeuggewichte bis zu drei Tonnen ermöglichen. In der Fachsprache werden diese Elemente als „Rippen“ bezeichnet. Dass zunächst die Decke zwischen dem dritten und dem zweiten Geschoss gemacht wird und danach erst die anderen Zwischendecken und Sockelbereiche folgen, hat daher vor allem statische Gründe. Denn bei den weiteren Arbeiten ist es gerade diese Decke, die die Außenwände stützt.

Unterbrechung bis Ende Juli

Der kontaminierte Beton wird mit Lastwagen abtransportiert. Bislang sind rund 25 Kubikmeter Schutt angefallen. „Aber wir stehen auch am Anfang“, betont André Bohlmann als Projektleiter für die Stadtwerke. „Das wird mehr.“ Noch etwa zwei Wochen werden die HDW-Arbeiten vorerst dauern. Dann gibt es eine Unterbrechung bis Ende Juli. Anschließend geht es im August und September weiter. Geplant ist außerdem, dass es HDW-Phasen Ende 2017/Anfang 2018 und im Sommer/Herbst 2018 gibt. Zeitlich könne sich immer mal was verschieben, schränkt Bohlmann ein. Derzeit laufe aber alles nach Plan. Bohlmann: „Negative Überraschungen hat es bis jetzt nicht gegeben.“

Die HDW-Arbeiten sind auf dem südlichen Marienplatz – neben dem eingehausten Aggregat – als Brummton wahrzunehmen. In der Garage selbst ist es nicht nur laut, sondern auch nass, schmutzig und neblig. Das liegt an dem eingesetzten Automatik-Roboter und der manuell bedienten Lanze, die den Beton „heraussprengen“. Der Roboter braucht 200 Liter pro Minute, die Lanze 50 Liter. Die Arbeiter an den Geräten müssen alle zwei Stunden eine Pause einlegen. So lautet die Vorschrift. Speziell geschult müssen sie außerdem sein. „Das macht eine Fachfirma“, erklärt Projektleiter Bohlmann. Der Druck der Maschine könne einem nämlich „das Bein wegschießen“, beschreibt er das Risiko.

Ganze Deckenteile kommen raus

Die Besonderheit an dem HDW-Verfahren ist, dass Betonmassen abgetragen werden können, ohne dass die Bewehrung – also die wesentliche Tragvorrichtung – beschädigt wird. Sobald der kontaminierte Beton entfernt ist, wird er durch neuen ersetzt und die neue Abdichtung mit Asphaltbelag aufgebracht.

Ein spannender Bauabschnitt folgt im Sommer, wenn die Zwischendecke zwischen Geschoss 1 und 2 gemacht wird. Denn dann werden – anders als jetzt – ganze Deckenteile weggenommen und erneuert. Zwischen den Geschossen entstehen große Löcher. Auch das wird eine statische Herausforderung.

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